Jugendliche spielen Theater

Die Schöpfungsgeschichte einmal anders

„Was Christentum und Islam verbindet“ wollte die Regisseurin anlässlich der Spannungen zwischen den Mitgliedern der beiden Religionen aufzeigen – und die Schöpfungsgeschichte mal anders erzählen.
03.04.2017, 17:54
Lesedauer: 2 Min
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Von Matthias Holthaus
Die Schöpfungsgeschichte einmal anders

Sie sind Himmel, Wolken, Wasser und Licht. Später stellen die Jugendlichen das beginnende Leben dar. Szene aus dem Theaterprojekt „Die Schöpfung".

Frank Thomas Koch

„Was Christentum und Islam verbindet“ wollte die Regisseurin anlässlich der Spannungen zwischen den Mitgliedern der beiden Religionen aufzeigen – und die Schöpfungsgeschichte mal anders erzählen.

Erleichterung und Freude über die gelungene Aufführung sind der Theaterregisseurin Maria von Bismarck deutlich anzumerken. Nach dem Schluss der Vorführung von „Die Schöpfung“ steht sie vor dem Publikum in der Kulturkirche St. Stephani.

Die Besucher hatten zuvor eine klassisch-orientalische Musiktheater-Performance gesehen, entstanden ist sie aus einer Gemeinschaftsarbeit der Kantorei St. Stephani mit Schülerinnen und Schülern der Oberschule Koblenzer Straße in Tenever sowie mit geflüchteten Jugendlichen aus Syrien und Afghanistan.

13 Szenen in verschiedenen Sprachen

„Was Christentum und Islam verbindet“ wollte Maria von Bismarck anlässlich der gegenwärtigen Spannungen zwischen den Mitgliedern der beiden Religionen aufzeigen – und die Schöpfungsgeschichte in 13 Szenen einmal anders erzählen, auf Deutsch, Türkisch, Arabisch und weiteren Sprachen.

Dazu hatte sie neben den Sängerinnen und Sängern und Musikern aus den verschiedenen Kulturen auch mehr als 30 Jugendliche auf die Bühne gebracht, die nun, ganz in Weiß gekleidet, die Schöpfungsgeschichte tänzerisch darstellen. Zu hören war das Oratorium „Die Schöpfung“ von Joseph Haydn. Die Schöpfungsgeschichte wurde abwechselnd von den Engeln Gabriel, Raffael und Uriel auf Deutsch und von Rabih Lahoud auf Arabisch erzählt und gesungen.

Die Jugendlichen symbolisieren die sieben Tage der Entstehungsgeschichte der Schöpfung, sie sind Himmel, Wolken, Wasser und Licht. Später stellen sie das beginnende Leben dar, erst als Tier, dann als Mensch. Dabei bilden sie ab, was die Menschheit seit jeher umtreibt: Misstrauen, Kampf, Erschöpfung, Liebe, wieder und wieder.

Berührend und ergreifend

Es wird gerungen, geschlagen und sich wieder vertragen. Am Ende siegt zumindest in dieser Aufführung der „Schöpfung“ der Neubeginn: die Zuneigung, die Liebe: In Duetten ertönen Elvis Presleys „Can´t help falling in love“ und „All of me“ von John Legend. Die Jugendlichen umarmen sich und lassen die Zuhörer in der Kirche berührt und ergriffen zurück.

„Eine solche komplexe Aufführung bedeutet auch eine große Anforderung an die Jugendlichen“, sagt Tim Günther, künstlerischer Leiter der Kantorei St. Stephani. Trotz der vielen internationalen Projekte, die er bereits realisiert hat, ist eine Arbeit mit so vielen Jugendlichen auch für ihn neu. Mehr als zwei Monate dauerte das Tanztraining, die Chorproben liefen sechs Wochen. Vier Tage lang wurde gemeinsam geprobt.

Gemeinsames "Amen"

„Ich wusste nicht, ob das Ganze funktioniert“, sagt Regisseurin Maria von Bismarck, die, abgesehen von Haydns Musik, alles andere selbst arrangiert hat. Und auch der Grundgedanke zu dieser Aufführung kam von ihr: „Ich wollte ganz einfach einen persönlichen Beitrag zum Frieden leisten, weil mich die politische Situation und die religiösen Streitigkeiten so berühren.“

Streitigkeiten, die auf der Bühne trotz des religiösen Themas keinen Nachhall finden. Die finale Szene: eine symbolische Erdkugel aus den Körpern der einzelnen Tänzerinnen und Tänzer und ein gemeinsames „Amen“. Für Maria von Bismarck hat das so gewollt: „Welten prallen aufeinander, aber auch Welten geben sich die Hand.“

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