GründerChampion: neuland bremen konstruiert passgenaue Plattformen für Internethandel

Die Stararchitekten virtueller Marktplätze

Bremen. Einkaufen über das Internet hat sich zum Milliardengeschäft entwickelt. Kein Versandhaus verzichtet mehr auf ein Standbein im Cyberspace. Der neue Markt eröffnet aber auch Anbietern Chancen, für die das Versandgeschäft bislang uninteressant war. Die neuland bremen GmbH hat sich darauf spezialisiert, für jeden Bedarf passgenaue Plattformen für den Internethandel zu entwickeln. Mit ihrem innovativen Konzept hat die Firma nun den Landessieg beim Unternehmenswettbewerb 'GründerChampion 2010' errungen.
26.10.2010, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Sebastian Manz

Bremen. Einkaufen über das Internet hat sich zum Milliardengeschäft entwickelt. Kein Versandhaus verzichtet mehr auf ein Standbein im Cyberspace. Der neue Markt eröffnet aber auch Anbietern Chancen, für die das Versandgeschäft bislang uninteressant war. Die neuland bremen GmbH hat sich darauf spezialisiert, für jeden Bedarf passgenaue Plattformen für den Internethandel zu entwickeln. Mit ihrem innovativen Konzept hat die Firma nun den Landessieg beim Unternehmenswettbewerb 'GründerChampion 2010' errungen.

'Wir wollten nie die eierlegende Wollmilchsau werden, sondern das anbieten, was wir gut können', sagt Thomas Koch. 2006 hat der 50-Jährige zusammen mit fünf Geschäftspartnern und Unterstützung der Sparkasse Bremen die neuland bremen GmbH gegründet. Seither konzentriert sich die Firma auf ihre Kernkompetenz: Sie entwickelt und baut Plattformen für den Internethandel, sogenannte E-Shops, passgenau auf die Anforderungen der Geschäftstreibenden. 'Wir bauen den kompletten Shop individuell auf unsere Kunden zugeschnitten', erklärt Koch. Dabei konzentriert sich neuland ausschließlich auf den technischen Teil der E-Shops. Die grafische Gestaltung übernehmen Partneragenturen.

Mit dem Siegeszug des Internet-Shoppings sind nicht nur die Auftragszahlen für das Bremer Unternehmen gestiegen, auch die Anforderungen werden höher. 'Über den Onlinehandel machen unsere Kunden mittlerweile hohe Millionenumsätze - da muss ein E-Shop absolut stabil und anwenderfreundlich sein', sagt der studierte Ökonom. Außerdem expandierten immer mehr Anbieter über Ländergrenzen hinaus. Entsprechend müssten auch die E-Shops immer internationaler ausgerichtet werden.

Niedrige Hierarchien

Zu den Kunden von neuland gehören klassische Versandhändler wie Otto, bonprix oder Manufactum. Doch die Möglichkeiten der weltweiten Vernetzung machen den Internethandel auch für Akteure interessant, die bislang wenig mit Versandhandel am Hut hatten. 'Wir stellen fest, dass immer mehr Filialisten E-Commerce für sich entdecken', berichtet Koch. So hat etwa die Parfümerie-Kette Douglas ihren Internetkatalog von den Bremern entwickeln lassen. Selbst die Wochenzeitung 'Die Zeit' ließ sich von neuland ein elektronisches Bestellsystem anfertigen.

Einen großen Teil des Unternehmenserfolgs schreibt Geschäftsführer Koch der Firmenphilosophie zu. Ein Credo lautet, möglichst flexibel auf technische Entwicklungen und Anforderungen zu reagieren. 'Das Internet verändert sich derartig schnell, dass man während eines Produktionsprozesses permanent umsteuern muss', erklärt Koch. Um die Kunden nicht zu irritieren und Budgets nicht zu überziehen setzt die Firma auf intensive Kommunikation mit ihren Auftraggebern. In zwei- bis vierwöchigen Zyklen wird der Stand der Dinge ausgetauscht und auf etwaige Entwicklungen reagiert. 'Es ist uns wichtiger, viel mit dem Kunden zu reden, als lange Vertragswerke auszuhandeln', sagt der Geschäftsführer. Wegen dieser ungewöhnlichen Herangehensweise habe neuland auch schon auf Kunden verzichten müssen. Dafür seien jene, die sich auf die Vorgehensweise einließen, sehr angetan von den Ergebnissen. 'Einige versuchen jetzt schon, das Prinzip auf ihre eigenen Strukturen zu übertragen', berichtet Koch.

Eine besondere Umgangsweise wird nicht nur zwischen neuland und seinen Kunden, sondern auch firmenintern gepflegt. 'Wir kommen fast völlig ohne Hierarchien aus', sagt Koch. Fast 40 Mitarbeiter beschäftigt die Firma heute. Alle sind in einem großzügigen Loftbüro im Speicher I untergebracht. Die Räumlichkeiten wirken offen und freundlich, fast sinnbildlich für die Organisationsstruktur: Neben den sechs Unternehmensgründern sitzen auch Vertreter der Belegschaft im Führungsgremium der Firma. Die Geschäftsführung räumt der Eigenverantwortlichkeit ihrer Angestellten einen hohen Stellenwert ein. Stechuhren sucht man bei neuland vergeblich, stattdessen gelten flexible Arbeitszeiten und Heimarbeit als völlig normal.

Die Teams organisieren sich fast ausschließlich selbst. Feste Positionen gibt es nicht. 'Mal ist der eine, mal der andere Projektleiter', erläutert Koch. Die Projekte definierten sich stets über die Anforderungen der Kunden. Je nach Erfolg belohne die Firma am Ende des Geschäftsjahres sämtliche Angestellten mit einer Gewinnausschüttung. 'Ich möchte lauter kleine Unternehmer haben, die sich mit der Firma identifizieren', erklärt der Geschäftsführer.

Die Identifikation geht so weit, dass Thomas Koch sogar den Begriff einer großen Familie verwendet, um die Atmosphäre innerhalb des Unternehmens zu beschreiben. Bei Neueinstellungen werde nicht nur auf die fachliche Qualifikation geachtet, sondern auch die menschliche Seite der Bewerber betrachtet. 'Auf diese Weise wollen wir den Charakter unseres Teams wahren', sagt Koch.

Für ihre liberale Haltung sind die Firmengründer oft belächelt worden. Durch den Erfolg von neuland sieht sich Thomas Koch jedoch heute bestätigt. 'Viele unserer Mitarbeiter könnten bei größeren Unternehmen weitaus mehr verdienen', ist er sich sicher. Das positive Arbeitsklima bei neuland sei jedoch für die meisten ein Grund, der Bremer Firma die Treue zu halten.

Für sein Erfolgskonzept ist neuland nun mit dem Landestitel des Unternehmenswettbewerbs 'GründerChampion 2010' ausgezeichnet worden. Die KfW-Bankengruppe ehrt mit dem Preis junge Unternehmen, die es geschafft haben, wirtschaftlichen Erfolg mit ethischer Verantwortung zu verbinden. 'Eine schöne Anerkennung und Bestätigung dafür, dass wir das Richtige getan haben', findet Koch.

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