Staatsrat kritisiert im Verkehrsausschuss Schwachhausen Gestaltung der Parkallee / Turbulente Sitzung „Die Straße ist nicht gelungen“

Staatsrat Wolfgang Golasowski stand nicht auf der Gästeliste des Verkehrsausschusses des Beirates Schwachhausen. In einer turbulenten Diskussion gaben die Anwohner dem überraschend erschienenen Staatsrat und den Lokalpolitikern einiges mit auf den Weg: Gestritten wurde um die Parkplätze im Südabschnitt der Parkallee und eine sichere Einmündung der zwei Fahrradbahnen in den Stern.
19.01.2015, 00:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Renate Schwanebeck

Staatsrat Wolfgang Golasowski stand nicht auf der Gästeliste des Verkehrsausschusses des Beirates Schwachhausen. In einer turbulenten Diskussion gaben die Anwohner dem überraschend erschienenen Staatsrat und den Lokalpolitikern einiges mit auf den Weg: Gestritten wurde um die Parkplätze im Südabschnitt der Parkallee und eine sichere Einmündung der zwei Fahrradbahnen in den Stern.

Nachdem die Umgestaltung des Abschnittes der Parkallee zwischen dem Friedenstunnel und dem „Stern“ zur Fahrradstraße in der Vorweihnachtszeit bei Radfahrern wie Anwohnern für Empörung und Unmut gesorgt hatte, wurde inzwischen die „Bake des Grauens“ wieder entfernt, wie Staatsrat Wolfgang Golasowski die zwischenzeitige Absperrung des Radweges nannte. Am Mittwoch suchte der Staatsrat in der Sitzung des Verkehrsausschusses das Gespräch mit den Bürgern.

„Ich glaube, dass die Straße einfach nicht gelungen ist. Es ist auch keine richtige Fahrradstraße. Die Autofahrer bemerken oft nicht, dass sie sich dort als Gast befinden“, so der Staatsrat. Man habe diese Lösung zur Sicherheit der Radfahrer gewählt, sagte er. Viele Radfahrer würden aber lieber weiterhin auf dem Radweg fahren. „Und bevor wir dem Beirat und dem Ausschuss neue Vorschläge machen“, so der Staatsrat, „komme ich erst einmal in die Gremien.“

Über 30 interessierte Bürger waren in das Ortsamt gekommen, um zu erfahren, wie die weitere Planung für den südlichen Abschnitt der Parkallee aussieht. Und sie nutzten die Gelegenheit, um ihrem Ärger Luft zu machen und dem Entscheidungsträger ihre Forderungen mit auf den Weg zu geben. Es werde mehr Wohnraum an dieser Stelle geschaffen und zugleich Parkraum vernichtet, so ein Anwohner, der hinzufügte: „Die Radverkehre nehmen zu, und dadurch werden die Fußgänger immer mehr belästigt von den Radfahrern, die auf dem Fußweg fahren.“ Dort seien die Fußwegplatten besser. Wenn der Radverkehr zunehme, müsse er auf die Straße verlagert werden.

Ein anderer Anwohner beklagte, dass die Radfahrer am Stern nicht wüssten, wer Vorfahrt hat, sie oder die Autofahrer. „Ich habe das Gefühl, dass die Autofahrer diskriminiert werden“, klagte ein anderer Bürger, „die Innenstadt wird skalpiert. Damit töten sie die Innenstadt, und die Leute fahren zum Einkaufen zu Dodenhof oder sonst wo hin“

Ein weiterer Anwohner, der seinen Namen nicht nennen wollte, erklärte: „Wir haben seit 80 Jahren einen Gewerbebetrieb in der Parkallee. Wenn man mal zurückblickt, hat es nie Probleme gegeben. Wir haben letztes Jahr unseren Betrieb vergrößert und überlegt, nach Niedersachsen zu gehen. Wir haben es nicht gemacht.“ Heute bereue er die Entscheidung für Bremen. „Wenn Nehlsen Papier abholt, gibt es Diskussionen. Nicht mit Autofahrern – mit Radfahrern. Wenn uns aufgezwungen wird, dass wir nicht mehr so parken können wie bisher, packe ich mein Köfferchen und gehe nach Achim!“

Radverkehr hat sich verändert

Klaus-Peter Land vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club erklärte: „Wir haben einen Radverkehr, der sich verändert. Manche fahren zwölf Stundenkilometer, manche 25.“ Deshalb müsse dieser Verkehr neu strukturiert werden. „Wenn ich an jeder Kreuzung halten muss …“

Applaus erhielten Anwohner, die betonten, sie hätten noch nie einen Fahrradstau gesehen, und die forderten, den Ausgangszustand in der Parkallee wieder herzustellen. Es sei angesichts knapper Parkplätze ein Unding, das Parken in zweiter Reihe für illegal zu erklären, kritisierten Anwohner.

Ausschuss-Sprecher Dietrich Heck (Grüne) sagte dazu: „Wir suchen jetzt eine Lösung, die allen entgegenkommt. Fest steht allerdings: Es bleibt eine Vorrangroute für Radfahrer.“ Dies sei Stand der heutigen Verkehrspolitik. In ganz Europa mache man sich Gedanken, wie man die Verkehrslösungen aus den 70er Jahren neu entwickeln könne. Die 4,75 Meter breite Fahrbahn sei ausreichend, um die Radler auf die Straße zu schicken. „Wir wollten eine kostengünstige Lösung, aber die funktioniert nicht.“

Stefan Pastoor, Sprecher der SPD-Fraktion: „Ich wäre dafür, dass wir uns das noch ein halbes Jahr lang angucken und dann schauen, ob es Lösungen gibt, die noch mehr Parkplätze bringen.“ Diesem Vorschlag konnte auch Gerhard Scherer (CDU) etwas abgewinnen.

In einer früher vorgeschlagenen Variante werden zwar mehr Parkplätze geschaffen. Allerdings muss schräg eingeparkt werden, was beim Ausparken zu einer Gefährdung der Radler führen könnte, wie Ulrich Große Herzbruch betonte. „Die Geschwindigkeits-Differenzen lassen sich auf dem Radweg natürlich nicht lösen, aber alle müssen Rücksicht nehmen, besonders auf kleine Kinder.“

Die Variante mit 1,75 Meter breitem Schutzstreifen für Radler und 2,75-Meter- Fahrbahn für Autos mit der Neuschaffung von möglichst vielen Schräg-Parkplätzen war mit Kosten von 450 000 Euro als zu teuer verworfen worden. Nun soll neu nachgedacht werden. Dietrich Heck bat den Staatsrat um Zahlen, wie viele Plätze bei Schrägparken entstehen könnten und sagte: „Wenn man 350 000 Euro nur für die Planung der Spitta-Allee zur Kenntnis nimmt, wo noch kein Stein bewegt wurde, sind 450 000 Euro für den Umbau der Parkallee auch diskussionswürdig.“

Staatsrat Golasowski versprach, kurzfristig die gefährlichen beiden Fahrrad-Einfahrten in den Stern zu entschärfen. Ein halbes Jahr Beobachtungszeit und die Erarbeitung eines neuen Vorschlages nahm er ebenfalls mit. „Und ich nehme von den Anwohnern mit: ‚Wir brauchen Parkplätze‘!“ Die Diskussion über die allgemeine Parksituation in Schwachhausen wurde auf eine der nächsten Sitzungen vertagt.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+