Erster Bremer Deutschland-Cup

Die Suche nach dem klügsten Kopf

Beim ersten Bremer Deutschland-Cup spielten am Sonnabend Profis und Neueinsteiger in Fischers Treff erst mit- dann gegeneinander Quiz. Denn der Deutsche Quiz-Verein wollte wissen: Wer ist der oder die Klügste im Raum?
10.07.2016, 00:00
Lesedauer: 5 Min
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Von Myriam Apke
Die Suche nach dem klügsten Kopf

Der Deutsche Quiz-Verein e. V. veranstaltet seine Deutschland-Cups jetzt auch in Bremen - vl. Matthias Block und Holger Waldenberger

Frank Thomas Koch

Beim ersten Bremer Deutschland-Cup spielten am Sonnabend Profis und Neueinsteiger in Fischers Treff erst mit- dann gegeneinander Quiz. Denn der Deutsche Quiz-Verein wollte wissen: Wer ist der oder die Klügste im Raum?

Monika Lüchtefeld legt die Blätter umgedreht auf die vier Tische. Darauf stehen 20 Fragen, die innerhalb von 40 Minuten beantwortet werden müssen. In der ersten Runde, dem sogenannten Städtecup arbeiten die Teilnehmer noch zusammen, um gemeinsam die anderen Städte zu schlagen. Danach werden zwei weitere Quizze gespielt, in der jeder gegen jeden spielt. Nach diesen drei Runden ist klar, wer die oder der Klügste im Raum ist.

Es ist das erste Mal, dass der monatlich stattfindende Deutschland-Cup des Deutschen Quiz-Vereins auch in Bremen stattfindet. Lüchtefeld hat die Veranstaltung an diesem Sonnabendnachmittag organisiert. „Bisher mussten alle Quizliebhaber immer nach Hannover oder Hamburg fahren, um mitmachen zu können, das wollte ich ändern“, sagt sie. Jeder sei willkommen, der Spaß am quizzen hat. „Vorwissen oder Quizerfahrung braucht es nicht“, sagt Lüchtefeld.

Von Vorteil ist das aber schon, zumindest sind die Neulinge offensichtlich wesentlich nervöser, als die Profis. Lüchtefeld versucht sie zu beruhigen: „Keiner kann alles wissen, nicht mal Holger Waldenberger“, sagt sie. Waldenberger zählt zu den klügsten Köpfen Deutschlands, ist in zahlreichen TV-Shows aufgetreten und gilt auch international als einer der besten Quizzer. „Er ist mein großes Idol“, sagt Lüchtefeld.



Selbst Quiz-Profis wie Roland Knauff sind gefordert.

Selbst Quiz-Profis wie Roland Knauff sind gefordert.

Foto: Frank Thomas Koch

Waldenberger war mit von der Partie

Wegen ihm habe sie angefangen zu spielen: „Im Fernsehen wusste er eine Antwort nicht, die ich gewusst habe. Da dachte ich, das kann ich auch.“ Mittlerweile ist sie „Leuchte des Nordens“ geworden und hat bei verschiedenen Rate-Sendungen mitgespielt. Jetzt freut sie sich, dass ihr Vorbild Waldenberger beim ersten Deutschland-Cup in Bremen mitmacht.

Die Blätter werden umgedreht, die 16 Teilnehmer legen sofort los, tauschen sich aus und teilen ihr Wissen. Die erste Frage ist schnell geklärt, doch schon bei der zweiten gerät die Gruppe ins Stocken: „Die Donau hat genau zehn Anrainerstaaten, das heißt sie fließt beid-oder einseitig durch genau zehn Staaten.“ Waldenberger ist voll in seinem Element, fünf Staaten kann er auf Anhieb nennen. „Ich habe mich für heute nicht speziell vorbereitet, lerne aber in der Woche immer rund 50 Stunden für Quizfragen“, sagt er. Eigentlich ist er gelernter Übersetzer, aber seit er 2009 bei der Weltmeisterschaft in Bremen mitgemacht hat, ist quizzen sein Lebensmittelpunkt.

Waldenbergers Hirn arbeitet auf Hochtouren: Er fährt sich durch die Haare, zieht die Stirn in Falten, denkt nach: „Das sind richtig schwere Fragen“, meint er. Kekse und Süßigkeiten sollen denken helfen und beruhigen die Nerven, deswegen steht davon auch jede Menge bereit. Die Teilnehmer greifen zu, auch Ronja Fändrich (23), die ursprünglich nur zugucken wollte. „Ich habe früher immer „Wer wird Millionär“ im Fernsehen geguckt, seit dem beantworte ich gerne Fragen und versuche, mir immer mehr Wissen anzueignen“, sagt sie.

Gute Quizfrauen sind selten

Fändrich ist gelernte Mechatronikerin, ihr Fachgebiet beim Quiz sind Naturwissenschaften, „Geographie, Geschichte und Sport sind gar nicht meine Themen.“ Auf die Donau-Frage habe sie deswegen auch keine Antwort. Doch aufgeben will sie nicht – und schon gar nicht schummeln und die Fragen mithilfe des Smartphones beantworten: „Wer Sport macht, dopt nicht. Hier sind nur Kekse erlaubt“, sagt sie.

„Es braucht Neugier und eine gute Gedächtnisleistung, das ist alles“, sagt Hartmut Weichfeige, Teilnehmer und Mitglied des Deutschen Quiz-Vereins. Er habe schon als Kind immer alles wissen wollen, über das Internet ist er dann auf Quizwettbewerbe aufmerksam geworden. „Man muss kämpfen wollen, vielleicht machen deswegen auch mehr Männer bei diesen Ereignissen mit“, meint er. Gute Quizfrauen seien eher selten.

Nicht so beim Bremer Deutschland-Cup: Hier sind acht Frauen und acht Männer vertreten und alle geben bereits in der ersten Runde ihr Bestes. Nach 40 Minuten ist die Runde vorbei. Lüchtefeld liest die Antworten vor, die ihr Mann ausgedruckt und in Umschlägen verpackt hat, „damit ich nicht irgendeinen Vorteil habe und schon alles vorher sehe“, sagt sie. 16 von 20 Fragen konnte die Gruppe richtig beantworten, damit sind alle Teilnehmer zufrieden. Ob sie damit besser sind, als andere Städte, wird sich erst zeigen. Die Ergebnisse werden in den nächsten Tagen vom Deutschen Quiz-Verein ausgewertet und verglichen. Preise gibt es für Gewinner aber nicht, es geht hier nur um die Ehre.

Training zahlt sich aus

„Dass wir die Donau-Frage nicht beantworten konnten, ärgert mich“, sagt Roland Knauf. Er gehört ebenfalls zu Deutschlands Quizelite und moderiert im Café Kweer im Bremer Viertel regelmäßig das Kneipenquiz. „Dort habe ich mal eine ähnliche Frage gestellt, deswegen hätte ich das wissen müssen.“ Die Antwort auf die Frage, welche Anrainerstaaten die Donau hat, lautet übrigens Deutschland, Österreich, Slowakei, Ungarn, Serbien, Rumänien, Kroatien, Bulgarien, Moldawien und Ukraine. Immerhin acht konnte die Bremer Gruppe nennen, dafür gibt es einen halben Punkt.

Die Spieler haben fünf Minuten Pause, dann geht es in die zweite Runde, dem Deutschland-Cup. Hier muss jeder Teilnehmer zehn Fragen aus zehn Wissensgebieten beantworten – eine Stunde bleibt den Spielern, um die Antworten auf die 100 Fragen aufzuschreiben. Holger Waldenberger gewinnt die Runde mit 81,5 Punkten, es folgen Roland Knauf mit 76 Punkten und Monika Lüchtefeld mit 54,5 Punkten. „Damit liege ich schon weit hinter den Profis“, sagt Lüchtefeld.

Zu guter Letzt wird der Spezialcup gespielt, bei dem jeden Monat ein anderes Themenfeld vertieft wird. In diesem Monat geht es um das Thema „Film und Fernsehen“, für diese 60 Fragen haben die Teilnehmer 30 Minuten Zeit. Auch hier liegt Waldenberger vorn, Platz zwei und drei belegen wieder Knauf und Lüchtefeld – anscheinend macht sich hartes Training bezahlt. Doch nicht nur die drei klügsten Köpfe verlassen den Raum glücklich. Auch alle anderen Teilnehmer wollen wiederkommen.

Der nächste Deutschland-Cup in Bremen findet am 13. August, um 14 Uhr im Fischers Treff, Friedrich-Karl-Str. 101 statt. Interessierte können sich bei Monika Lüchtefeld unter 04205/3197555 oder per Email: monika.luechtefeld@gmx.de anmelden. Für Mitglieder des Quiz-Vereins kostet die Teilnahme 2 Euro, für Nichtmitglieder 5 Euro.

Tipps und Tricks vom Profi-Quizzer

Holger Waldenberger ist seit 2009 bei jeder Weltmeisterschafte stets bester deutscher Teilnehmer. Im Oktober hat er wieder einen Fernsehauftritt und die Chance, 250000 Euro zu gewinnen. Dafür trainiert er hart, spielt Quizze am Computer und liest sich Wissen an. Jedem Anfänger rät er zunächst beim Deutschland-Cup mitzuspielen. „Wichtig sind die Runden zwei und drei, also die Einzelwettbewerbe, um sich vergleichen und einschätzen zu können“, sagt er. Er spielt ebenfalls regelmäßig mit, denn auch durch die Fragen, die man nicht beantworten könne, lerne man dazu.
Waldenberger lernt jeden Tag, besonderes Augenmerk legt er dabei auf Großstädte: „Ich lege mir für jede Stadt eine Datei an und schreibe alles auf.“ Es sei wichtig, Informationen nicht nur zu lesen, sondern aufzuschreiben. „Nur so merkt man sich die Sachen dauerhaft.“ Dabei ist Papier nicht zu empfehlen, meint der Profi: „Das ist zu sperrig und man kann schlecht ergänzen oder korrigieren.“ Besser, man schreibt gleich alles in den Computer, um es jederzeit abrufen und verändern zu können. Noch verdient Waldenberger nicht ausreichend Geld mit dem Quizzen, aber langfristig will er die Leidenschaft zum Beruf machen. Dann will er auch Bücher mit Fragen veröffentlichen, damit andere sich auf ihre Karriere als Quizzer vorbereiten können.
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