Gefallener Soldat aus Bremen

Die Suche nach dem verschollenen Denkmal

Seit Jahrzehnten ist die Erinnerung an Hermann von Kapff verschwunden. Dessen Nachfahre Philipp von Kapff nimmt den 200. Jahrestag von Waterloo zum Anlass, Nachforschungen anzustellen.
15.06.2015, 00:00
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Von Frank Hethey
Die Suche nach dem verschollenen Denkmal

Das verschollene Denkmal.

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Philipp von Kapff gibt nicht auf. Vielleicht gibt es das Denkmal noch irgendwo, das 1816 zu Ehren seines Vorfahren Hermann von Kapff errichtet wurde. Der hatte von 200 Jahren im Kampf gegen Napoleon sein Leben gelassen – bei der legendären Schlacht von Waterloo. In Bremen errichtete man dem gefallenen Soldaten ein Denkmal.

Bis in die frühen 1960er Jahre befand sich das Denkmal – ein Eisernes Kreuz auf einem Sandsteinsockel – im heutigen Nelson Mandela-Park an der Gustav-Deetjen-Allee, nicht weit entfernt vom Antikolonialdenkmal. Doch in den 1960er Jahren verschwand es. Und niemand weiß wohin.

Hermann von Kapff wurde am 1. Mai 1794 als ältester Sohn der bekannten Bremer Weinhändlerfamilie geboren. Als Kriegsfreiwilliger schloss er sich nach der Rückkehr Napoleons aus der Verbannung der preußischen Armee an, die damals als Teil einer internationalen Allianz gegen Frankreich kämpfte. Zwei Tage vor der eigentlichen Schlacht von Waterloo wären die preußischen Truppen am 16. Juni 1815 im heute belgischen Ligny fast vernichtet worden. Bei ihrem überstürzten Rückzug in den Abendstunden wurde Hermann von Kapff das Opfer eines französischen Scharfschützen. Seine Leiche wurde niemals geborgen, an seine Taten aber erinnerte das nun seit Jahrzehnten verschollene Denkmal.

Wer auch immer in der Sache recherchierte, allenthalben herrschten Ratlosigkeit und Achselzucken. Sämtliche Anfragen bei Ämtern und Institutionen liefen ins Leere. Als leidenschaftlicher Familienforscher will Philipp von Kapff den Verlust nicht einfach hinnehmen. „Die öffentliche Verwaltung ist doch in Bremen gut organisiert“, sagt der 49-jährige Jurist, der als Mitarbeiter des Europäischen Markenamts im spanischen Alicante lebt. Sein großer Traum ist, das verschollene Denkmal bis zum nächsten Familientag 2017 in Bremen aufzuspüren. Oder wenn schon nicht das ganze Denkmal, so doch wenigstens ein paar prägnante Reste. Das Eiserne Kreuz zum Beispiel.

Von Verzagtheit hält von Kapff nichts. „Ein Denkmal, das 150 Jahre das Straßenbild mitprägte, kann doch nicht einfach verschwinden“, sagt er. Viel wahrscheinlicher sei es, dass es „in irgendeinem Depot vor sich hinrostet“. Seine Zuversicht schöpft er nicht zuletzt aus einer leicht angestaubten schriftlichen Verpflichtung der Stadt vom Oktober 1871.

Damals sicherte Bremen zu, das Denkmal instand zu halten und alljährlich am Todestag des gefallenen Kriegers mit einem Kranz zu schmücken. Und vor allem, für einen geeigneten Standort zu sorgen, falls der bisherige anderweitig gebraucht würde.

Zumindest beim ersten Ernstfall hat sich Bremen an seine Zusage gehalten. Als der ohnehin ungeliebte, weil abgelegene Standort auf dem Vorplatz des längst aufgegebenen Herdentorsfriedhofs 1923 für den Bau des Postamts 5 benötigt wurde, verlegte man das Denkmal in den rückwärtigen Teil des früheren Gottesackers, schon damals eine kleine Grünanlage. Das war bereits der zweite Umzug, nachdem der ursprüngliche Aufstellungsort in Rockwinkel nach einem Streit mit dem Grundstückseigentümer 1860 geräumt worden war.

Doch was dann in den 1960er Jahren geschah, liegt völlig im Dunkeln. Diesmal verschwand das Denkmal, ohne dass es an anderer Stelle wieder aufgestellt wurde. Kein Wort darüber in der Presse, kein Wort auch in den städtischen Akten. Es ist nur schwer vorstellbar, dass das Denkmal ohne Auftrag entfernt wurde.

Wenn sich darüber und auch zum weiteren Verbleib keine Angaben mehr finden lassen, dann vielleicht aus ganz banalen Gründen. Behörden entrümpeln regelmäßig ihre Aktenbestände, dabei könnte der Vorgang auf der Strecke geblieben sein. Oder bei einer Neustrukturierung der Ressortzuständigkeiten Ende der 1970er Jahre.

Auch über die Beweggründe für den Abbruch lässt sich nur spekulieren. Spielten politische Motive eine Rolle, war ein Kriegerdenkmal nicht mehr opportun? Oder gab es ganz profane Gründe, haperte es an der Standfestigkeit des Denkmals? Alles müßige Fragen ohne schriftliche oder mündliche Hinweise. Bleibt die vage Hoffnung, dass das Denkmal oder zumindest ein Teil davon in einem städtischen Lager erhalten ist. Doch ein Blick in die Inventarliste des Focke-Museums fällt ernüchternd aus. „Wir haben keinerlei Hinweise“, sagt der Kurator für Stadtgeschichte, Dr. Jan Werquet. Ähnlich klingt die Antwort von Jens Tittmann, Sprecher des Bausenators: Ein solches Depot sei der Bauverwaltung unbekannt. Und so bleibt das Denkmal verschwunden.

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