Campus in der Bremer City Die Universität will an den Brill

Die Universität Bremen hat einen Plan für eine "Business School Bremen" auf dem verkauften Gelände der Sparkasse vorgelegt. Universität und Hochschule würden ihre Fachbereiche zusammenlegen.
03.06.2018, 19:40
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Die Universität will an den Brill
Von Jürgen Hinrichs

Ein Campus mitten in der Stadt, Tausende von Studenten, die Bremens City beleben und Kaufkraft mitbringen – das ist der Plan, für den jetzt massiv geworben wird. Gespräche mit dem Senat hat es bereits gegeben, auch Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) ist eingeweiht. Die Initiative des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften der Universität zielt auf das Sparkassengelände am Brill, das an einen Investor aus Israel verkauft worden ist. Nach einem ausgefeilten Konzept, das dem WESER-KURIER vorliegt, soll dort eine „Business School Bremen“ entstehen, ein Zusammenschluss der Wirtschaftswissenschaftler von Universität und Hochschule.

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„Ich bin sehr optimistisch, dass daraus etwas wird“, sagt Jochen Zimmermann, Dekan des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften an der Bremer Universität. Von ihm stammt die Idee, er hat das Konzept verfasst und wird es am Montag nächster Woche dem Bürgermeister vorstellen. Einen Tag später findet eine Podiumsdiskussion statt, an der Vertreter aller Fraktionen der Bremischen Bürgerschaft teilnehmen. Eingeladen sind außerdem die Leitungsorgane von Hochschule und Universität, die Kammern von Arbeitgeber und Arbeitnehmern, die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und Vertreter der Studenten.

5000 Studenten eingeschrieben

An den Standorten der Hochschule und der Universität sind zusammen etwa 5000 Studenten eingeschrieben, die von rund 150 Professoren und wissenschaftlichen Mitarbeitern unterrichtet werden. „Die Wirtschaftswissenschaften gehören wie nur wenige Studienfächer zu den Wachstumspotenzialen des Wissenschaftsbetriebs“, heißt es in dem Konzept. In dem Fachbereich werde frequenzstark gelehrt, geforscht und studiert, will heißen: viel Betrieb von morgens bis abends.

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In dem achtseitigen Papier wird die geplante „Business School Bremen“ als Chance dargestellt, mit der Fusion der Einrichtungen, die bislang getrennt arbeiten, Synergien zu heben und Ressourcen für neue Projekte freizusetzen. Es entstehe eine größere Flexibilität in Forschung und Lehre. „Der Standort wird attraktiver für die besten Köpfe.“ Bremen könne darüber hinaus ein wissenschaftspolitisches Zeichen setzen, universitäre und fachhochschulische Formate würden ineinandergreifen. „Die Durchlässigkeit der Systeme wächst.“

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„Das ist ein Projekt, wie wir es in der Bremer Wissenschaft lange nicht mehr hatten“, erklärt Zimmermann. Unterstützung bekommt er unter anderem von Rudolf Hickel, dem ehemaligen Direktor des Bremer Instituts für Arbeit und Wirtschaft. „Eine tolle Idee“, sagt Hickel. Er hat früh Werbung dafür gemacht und seine Verbindungen in die Politik spielen lassen. Neben den Vorteilen für das Fach Wirtschaftswissenschaften sieht der Professor in dem Vorhaben vor allem die Gelegenheit, die Innenstadt urbaner zu machen. „Dort wird richtig was los sein, und aus der schrecklichen Kreuzung am Brill könnte ein schöner Platz werden.“

Die Vorteile für Bremen

Auch Zimmermann hebt die Vorteile für Bremen hervor: „Ein belebtes Stephani­viertel flankiert die Entwicklungsprojekte der Innenstadt unmittelbar“, schreibt der Dekan in seinem Konzept. Ein attraktiver Standort und neue Ausbildungskonzepte würden deutlich mehr junge Menschen zum Studium nach Bremen führen. „Dies stabilisiert die demografische Struktur und legt das Fundament für weitere Entwicklungsschritte.“

Die Hürden für den Plan werden die ­Finanzierung sein und das Einverständnis des neuen Eigentümers des Sparkassengeländes. Das 11.000 Quadratmeter große Grundstück an der Nahtstelle zwischen City und Stephaniviertel ist vor einem halben Jahr an ein Brüderpaar aus Israel verkauft worden. Es will dort nach eigenen Angaben zwischen 200 und 300 Millionen Euro investieren. Ein Vertreter des Käufers hatte im April erklärt, dass kein Einkaufszentrum geplant sei. Einiges an Fläche solle der öffentlichen Nutzung zugeschlagen werden. Ob diese Aussage das Einfallstor für die Absichten der Wirtschaftswissenschaftler sein könnte, ließ der Investorensprecher auf Anfrage des WESER-KURIER aber unbeantwortet.

Als Finanzierung stellt sich Jochen Zimmermann einen sogenannten Mietkauf vor. Demnach würde ein Vertrag abgeschlossen, der dem Mieter erlaubt, innerhalb einer bestimmten Frist das Gebäude zu einem vorher festgelegten Preis zu kaufen, die bis dahin gezahlten Mieten würden angerechnet. „Dieses Modell hat sich bei universitären Gebäuden bewährt“, sagt der Dekan. Die erforderliche Nutzfläche für eine „Business School Bremen“ beziffert Zimmermann auf rund 20.000 Quadratmeter.

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