Center-Management beantragt mehr Ladenfläche Die Waterfront soll größer werden

Bremen. Die Waterfront auf Wachstumskurs: Wie das Management des Einkaufscenters in Gröpelingen bestätigt hat, sollen dort zusätzliche Ladenflächen entstehen – und zwar über das Maß hinaus, das im Bebauungsplan festgelegt ist.
14.06.2012, 05:00
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Die Waterfront soll größer werden
Von Jürgen Hinrichs

Bremen. Die Waterfront auf Wachstumskurs: Wie das Management des Einkaufscenters in Gröpelingen am Mittwoch bestätigte, sollen dort zusätzliche Ladenflächen entstehen – und zwar über das Maß hinaus, das im Bebauungsplan festgelegt ist. Die Kaufleute in der Innenstadt laufen Sturm dagegen, sie befürchten einen weiteren Abzug von Kaufkraft.

Erst vor ein paar Tagen war bekannt geworden, dass der Weserpark in Osterholz deutlich vergrößert werden soll. Der Investor plant nach eigenen Angaben mit einem hohen zweistelligen Millionenbetrag. Keine gute Nachricht für die Kaufleute in der Innenstadt, denen die Kunden weglaufen, weil sie lieber in den großen Märkten am Stadtrand oder im niedersächsischen Umland einkaufen. Doch nun könnte es für die City-Händler noch dicker kommen: Nach dem Weserpark will auch die Waterfront in Gröpelingen noch einmal aufrüsten. Geplant ist nach Darstellung des Center-Managements eine zusätzliche Ladenfläche von 5000 Quadratmetern.

"Wir haben beim Bausenator einen Antrag gestellt", bestätigt Waterfront-Chef Peter Schneider. Er will damit nach seinen Worten Klarheit für die Zukunft schaffen. "Wenn wir nicht wissen, ob wir weiter wachsen dürfen, können wir keine Verhandlungen mit möglichen Mietern führen." Die Nachfrage sei da, mehr als je zuvor, und deswegen müsse rechtzeitig vorgesorgt werden. Noch allerdings gebe es Luft nach oben, rund 6000 Quadratmeter, die noch nicht belegt seien, "aber im kommenden Jahr werden alle Ladenflächen weg sein", so Schneider.

Die Waterfront, entstanden gleichsam aus den Ruinen des Pleiteprojekts Space Park, hatte zum Start vor vier Jahren von der Politik klare Vorgaben bekommen. Die Verkaufsfläche darf demnach nicht größer als 44000 Quadratmeter sein. Streng festgezurrt ist auch die Verteilung auf die einzelnen Sortimente, Schuhe, zum Beispiel, oder Oberbekleidung, beides ist jeweils mit einem Limit versehen.

Die Regelungen finden sich im Bebauungsplan, sind also keine losen Verabredungen, sondern verbindliche Auflagen, die erst einmal wieder verändert werden müssten. Hintergrund ist die Sorge, dass die Waterfront andere Anbieter in der Stadt langfristig verdrängen könnte.

Tatsächlich hat das Einkaufscenter mit Mietern wie der britischen Bekleidungskette Primark, die allein 5500 Quadratmeter in Beschlag nimmt, oder dem Elektronikriesen Media Markt in den vergangenen Jahren eine erhebliche Sogkraft entwickelt. "Wir werden in diesem Jahr an die Marke von sieben Millionen Besuchern kommen", sagt Center-Manager Schneider. Vor zwei Jahren seien es noch 5,5 Millionen gewesen.

Ein Erfolg, der offenbar Appetit auf mehr macht. "Die Flächen sind ja da", sagt Schneider, "wäre doch schade, sie nicht zu nutzen." Außerdem müsse sich ein Center wie die Waterfront permanent weiterentwickeln, wolle es weiter in der Spur bleiben. Im Bestand seien zurzeit mehr als 90 Geschäfte mit insgesamt rund 1000 Beschäftigten. Noch nicht mitgerechnet die 20 gastronomischen Betriebe im sogenannten Food Court.

Mit dem Weserpark und den Expansionsplänen dort habe sein Vorstoß nichts zu tun, erklärt Schneider. "Wir würden das so oder so machen." Und von der viel beschworenen Gefahr für die Geschäfte in der Innenstadt will der Center-Manager schon überhaupt nichts wissen: "Es gibt Kunden, die gehen gerne in ein großes Center und andere, die kaufen lieber in der Innenstadt ein."

Die City-Initiative, eine Vereinigung von 150 Kaufleuten in der Innenstadt, hat da eine andere Wahrnehmung. Sie wehrt sich vehement gegen eine weitere Stärkung der Märkte in der Peripherie und sieht sich im Fall der Waterfront auf der sicheren Seite: "Der Bebauungsplan ist eindeutig, und Gesetze müssen eingehalten werden", betont Jan-Peter Halves, Geschäftsführer der Organisation. Die Läden in der Innenstadt und in Walle und Gröpelingen würden sonst Schaden nehmen. "Wenn die Politik immer wieder beteuert, der City und den Stadtteilzentren helfen zu wollen, kann sie den Antrag der Waterfront nur ablehnen", sagt Halves.

Die Pläne für das Einkaufscenter in Gröpelingen fallen in eine Zeit, in der für die Innenstadt über ein City-Center nachgedacht wird. Grund ist die vergleichsweise geringe Ladenfläche um Roland und Rathaus herum. Konkret geht es bei der Ansiedlung um eine Fläche am Ansgarikirchhof, ein Projektentwickler ist aber noch nicht gefunden.

Die Baubehörde bestätigt, dass von der Waterfront eine Anfrage gestellt wurde, wertet dies aber noch nicht als Antrag. "Wenn es einer wäre, müssten wir ihn ablehnen, weil er nicht dem Bebauungsplan entspricht", sagt ein Behördensprecher. Der Plan könne natürlich verändert werden, darüber sei aber noch nicht gesprochen worden.

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