Neues Wohnprojekt auf Bremer Mondelez-Gelände

Die "Weser-Höfe" als Puzzleteil

Zwei Höfe, grüne Dächer und bis zu achgeschossige Häuser sollen künftig auif dem ehemaligen Mondelez-Gelände in der Alten Neustadt entstehen. Wie das aussehen wird, zeigt eine Ausstellung.
10.09.2018, 10:29
Lesedauer: 3 Min
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Von Karin Mörtel
Die "Weser-Höfe" als Puzzleteil

Der heutige Büroturm an der Bürgermeister-Smidt-Brücke bleibt erst einmal stehen, auch wenn auf den Entwürfen ein möglicher Neubau zu sehen ist. Der öffentliche Durchgang bekommt grüne Inseln.

Visualisierung: Moka-Studio Hamburg / Entwurf: léonwohlhage Architekten Berlin

Wenn Bauen so einfach wäre, wie ein altes gegen ein neues Haus auf dem großen Innenstadtmodell der Baubehörde auszutauschen, wären viele Investoren sicherlich zufriedener als sie es heute sind. Schwupp – ehemaliges Mondelez-Gelände rausnehmen – und Zack – neues Wohnquartier "Weser-Höfe" einfügen. Was auf dem 3D-Puzzle im Erdgeschoss des Siemenshochhauses reibungslos in zwei Minuten klappt, braucht in der Realität sicherlich noch ein paar Jahre. Wer die neue Stadtansicht bereits jetzt sehen möchte, kann sich die neue Ausstellung zu dem entsprechenden städtebaulichen Wettbewerb an der Contrescarpe 72 ansehen.

Spätestens dort wird den Besuchern klar werden, wie stark sich die ehemalige Gewerbefläche des Nahrungsmittelherstellers insbesondere im Innenhof verändern wird. Wie berichtet, gehört das insgesamt etwa 14 000 Quadratmeter große Areal zwischen Bürgermeister-Smidt-Brücke und Lucie-Flechtmann-Platz seit vergangenem Jahr wieder der Kaffee-Dynastie Jacobs in Form der Hanseatischen Projektentwicklung (HPE) zusammen mit dem Immobilienunternehmen Justus Grosse.

Während die HPE sich um die Bestandsimmobilien wie den Büroturm an der Langemarckstraße kümmert, plant Justus Grosse hinter den Gewerbegebäuden etwa 290 Wohnungen in bis zu achtgeschossigen Häusern. Allerdings abgestuft bis runter auf vier Geschosse in lockeren Blöcken, versicherte kürzlich Architektin Hilde Léon dem Neustädter Beirat während einer öffentlichen Präsentation. Dieser Siegerentwurf des Berliner Büros Léonwohlhage Architekten wird ebenso im Siemenshochhaus zu sehen sein, wie die Beiträge von drei weiteren Architekturbüros aus Hamburg und Bremen, die an dem Wettbewerb teilgenommen haben.

Lob für grüne Dächer

"Uns hat das Konzept überzeugt, einen grünen, lebenswerten Wohnstandort an dem heutigen tristen und grauen Platz zu erschaffen", lobte Clemens Paul, geschäftsführender Gesellschafter bei Justus Grosse, den Lösungsvorschlag des Berliner Architekturbüros. Auf Wohlwollen stieß unter den Zuhörern aus der Neustadt die geplante intensive Begrünung der Dächer mit Gemeinschafts-Dachterrassen für die Mieter. Außerdem sieht der siegreiche Entwurf einen durchgrünten, privaten Hof in Richtung Häschenstraße vor sowie einen weiteren, öffentlichen Hof zwischen Wohnhäusern und Gewerbe, der mit bepflanzten Bauminseln ausgestattet ist. Letzterer wird einen neuen Durchgang vom Lucie-Flechtmann-Platz bis zur Straße Am Deich abseits der viel befahrenen Langemarckstraße ermöglichen.

Entstehen soll in den neuen Häusern eine Mischung aus Eigentums- und Mietwohnungen, aber auch Platz für Studenten und andere Menschen, die nicht so viel Geld für Mieten aufbringen können. "Wir sind dazu bereits im Austausch mit der Gewoba", informierte Paul die Neustädter. Außerdem hat Justus Grosse vor, für die neuen Bewohner eine Tiefgarage unter die Häuser bauen zu lassen. Direkt am Lucie-Flechtmann-Platz ist für die Bauherren auch ein Café denkbar. "Wir versuchen dort, unseren Beitrag für den Stadtteil zu leisten", so Paul.

Irritiert reagierten einige Stadtteilbewohner auf die gezeigten Visualisierungen des Vorhabens, auf denen auch der ehemalige Mondelez-Turm nicht mehr zu sehen ist. Stattdessen ist ein etwas höherer Neubau abgebildet. "Trotzdem bleibt der Büroturm erst einmal so stehen, wie er heute ist", versicherte Paul. Erst wenn dieser aus baulichen Gründen eines Tages abgerissen werden müsse, greife der neue Entwurf an dieser Stelle. "Wohngebiet und Turm heute bereits zusammen aus einem Guss zu denken, war Aufgabe des Wettbewerbs", erklärte der Projektentwickler.

Des Weiteren plane die HPE, alle Zugänge der ansässigen Unternehmen hin zur Langemarckstraße zu öffnen – ein lang gehegter Wunsch der Stadtteilpolitik. Zur Zeit läuft bereits auf dem „Jacobs-Teil“ des Geländes der Umbau am Sitz des Kaffee- und Teeherstellers Jacobs Douwe Egberts. Außerdem wird perspektivisch noch ein Altbau zur Weser hin abgerissen.

Kritik an hohen Häusern

Denn bis ans Ufer der kleinen Weser soll das neue Quartier reichen, was insbesondere Beiratsmitglied Wolfgang Meyer (Linke) mit gemischten Gefühlen beurteilte: "Sie stellen das Projekt als offen und luftig vor, aber acht Geschosse am Deich gibt es da bisher nicht." Architektin Léon verwies dazu erneut auf die abgestufte Bauweise, "die kleinteiliger aussehen wird als Sie sich das heute vielleicht vorstellen", so Léon. Wolfgang Schnecking (SPD) fand es dagegen absolut richtig, an dieser Innenstadtlage in die Höhe zu bauen, "weil wir es uns nicht mehr leisten können, weitere Flächen zu versiegeln."

Gleich mehrere Beiratsmitglieder und Stadtteilbewohner wünschten sich mehr als das bisher geplante Grün im öffentlichen Innenhof. "Diese Botschaft haben wir aufgenommen", versicherte die Architektin. Auch wenn sie zu bedenken gab, dass zur Zeit die komplette Fläche versiegelt ist. Durch seine Funktion als Feuerwehrzufahrt gebe es zwar deutliche Zwänge für breite, befahrbare Bereiche im Hof, "aber die Idee ist, dort soviel Grün wie möglich umzusetzen", so Léon.

Weitere Informationen

Zu sehen sind die vier Wettbewerbsbeiträge ab sofort bis Donnerstag, 11. Oktober, im Foyer des Siemenshochhauses, Contrescarpe 72. Öffnungszeiten: montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr. Offiziell eröffnet wird die Ausstellung mit Vertretern der Bauherren und Architekten am Dienstag, 10. September, um 11 Uhr.

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