Flüchtlingshilfe in Bremen

Die wichtigsten Organisationen und Adressen

Es gibt viele Möglichkeiten für die Bremer Bürgerinnen und Bürger, den ankommenden Flüchtlingen in der Hansestadt zu helfen. Wir haben die wichtigsten Projekte und Organisationen zum Thema Flüchlingshilfe gesammelt.
09.09.2015, 00:01
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Die wichtigsten Organisationen und Adressen

Ein Flüchtlingskind macht Seifenblasen.

dpa

Es gibt viele Möglichkeiten für die Bremer Bürgerinnen und Bürger, den ankommenden Flüchtlingen in der Hansestadt zu helfen. Wir haben die wichtigsten Projekte und Organisationen zum Thema Flüchlingshilfe gesammelt.

REFUGIO: Hilfe für Traumatisierte

Der Verein Refugio bietet Flüchtlingen und Überlebenden von Folter psychosoziale Unterstützung an – mehrsprachig, kostenlos und immer vertraulich. Neben Beratungen und psychotherapeutischer Betreuung werden unter anderem auch Bewegungstherapie, ein Fußballtraining in Kooperation mit Werder Bremen, Gewaltprävention sowie diverse zeitlich begrenzte und fortlaufende Gruppen angeboten. Refugio arbeitet bereits seit dem Jahr 1989.

GEMEINSAM IN BREMEN: Anbieten und suchen

„Du engagierst dich, diese Seite koordiniert es.“ Nach diesem Motto funktioniert das kostenlose Flüchtlingshilfe-Internetportal www.gemeinsam-in-bremen.de. Unterteilt in Sach- und Zeit-Spenden können Nutzer dort ihre Angebote und Gesuche einstellen. Das Ganze funktioniert sehr niedrigschwellig. Es ist keine Registrierung notwendig. Lediglich Nutzungsbedingungen müssen anerkannt werden. Von Fahrrädern über Deutschkurse bis hin zu Babybekleidung ist dort alles zu finden, was Bremer zu verschenken haben. Der Vorteil ist, dass die Hilfe schnell dort ankommt, wo sie benötigt wird.

INNERE MISSION: Vor Ort engagieren

Die Innere Mission betreibt mehrere Übergangswohnheime in Bremen. Unter anderem die Zelte am Überseetor. „An den einzelnen Standorten gibt es natürlich die Möglichkeit, sich ehrenamtlich zu engagieren. Dazu muss man sich einfach nur vor Ort bei den Einrichtungsleitungen melden“, sagt Berthold Reetz, Bereichsleiter Flüchtlingshilfe bei der Inneren Mission. Zukünftig würde er gerne eine Koordinationsstelle in der Inneren Mission für Sach- und Zeit-Spenden einrichten. „Doch dieses Projekt ist jetzt noch in der Findungsphase.“

FLÜCHTLINGSRAT BREMEN: Gestiegene Nachfrage

„Wir merken, dass es großen Informationsbedarf bei Geflüchteten, aber auch bei ehrenamtlichen Helfern gibt“, sagt Marc Millies vom Flüchtlingsrat Bremen. Der Flüchtlingsrat Bremen versteht sich seit dem Jahr 2003 als ein unabhängiges Netzwerk von Aktivisten, Gruppen, Initiativen, Organisationen und Einzelpersonen, die sich politisch für eine Verbesserung der sozialen und rechtlichen Rahmenbedingungen von Flüchtlingen und Migranten einsetzen. Unter anderem werden Beratungen zu allen Fragen rund ums Asylverfahren angeboten.

Aufgrund der steigenden Flüchtlingszahlen steigt auch die Nachfrage in der Beratungsstelle. Deshalb werden Termine aktuell nur nach telefonischer Vereinbarung unter der Nummer 835 61 52 vergeben.

DEUTSCHES ROTES KREUZ: Vormundschaften vermitteln

Bremer, die Vormundschaften für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge übernehmen wollen, sind beim Deutschen Roten Kreuz an der richtigen Adresse. Das zugehörige Projekt heißt „ProCuraKids“. Dabei können Ehrenamtliche auch die entsprechenden Qualifikationen erwerben.

FLUCHTRAUM BREMEN: Vormünder und Mentoren

Der Verein Fluchtraum kümmert sich seit dem Jahr 2004 ehrenamtlich um die Vermittlung von Vormündern und Mentoren für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Außerdem bietet er entsprechende, qualifizierende Fortbildungen an. „Das Engagement der Bremer ist im Augenblick unglaublich groß“, erklärt Sylvia Pfeifer von Fluchtraum. Zurzeit gebe es rund 900 unbegleitete Minderjährige und zahlreiche Bremer, die sich für sie einsetzen wollen. „Für etliche von ihnen ist die aktuelle Situation in Zelten schwierig. Deshalb würden sie eine Betreuung um so mehr benötigen.“ Viele junge Geflüchtete würden sich eine private Vertrauensperson wünschen. Allerdings sei der Verein im Augenblick absolut am Limit. Zum jüngsten Informationsabend seien 90 Interessenten für eine Vormund- oder Mentorenschaft erschienen. „Deshalb würden wir gerne noch zusätzlich jemanden einstellen, aber das ist zurzeit finanziell für uns nicht möglich.“

ZUFLUCHT: Lobby für Flüchtlinge

Der ökumenische Verein Zuflucht informiert über die Lage von Flüchtlingen in Bremen. Er begleitet bei allen Fragen rund um das Thema Kirchenasyl und betreibt politische Lobbyarbeit für Flüchtlinge. Außerdem werden diverse Projekte für Flüchtlinge unterstützt.

  • Telefon 800 70 04

BREMER FLÜCHTLINGSHILFE: Spenden am richtigen Ort

Die Fähigkeiten des sozialen Netzwerks Facebook, Menschen unkompliziert mit anderen Menschen zu verbinden, lassen sich exemplarisch an der Facebook-Gruppe „Bremer Flüchtlingshilfe“ aufzeigen. Ohne Vereinszugehörigkeit oder Allgemeine Geschäftsbedingungen können Bremer dort auf ständig aktualisierten Listen erfahren, was wo benötigt wird. Das können in der Neustadt Fahrräder in verschiedenen Größen, in Huchting Hygieneartikel und ein Kickertisch auf dem Stadtwerder sein. Das Entscheidende ist, dass in den jeweiligen Einrichtungen immer das ankommt, was aktuell benötigt wird. Praktisch ist daran, dass bei der Bremer Flüchtlingshilfe auch Transportfahrten organisiert werden. Angebunden ist auch die Möglichkeit, Zeit zu spenden. Benötigt werden unter anderem Ehrenamtliche, die Flüchtlinge am Bahnhof begleiten, die Sprachkurse geben oder Kinder betreuen.

FLÜCHTLINGSINITIATIVE: Beratung in Rechtsfragen

Seit mehr als zwei Jahrzehnten bietet die Flüchtlingsinitiative Beratungen für Flüchtlinge und Migranten ohne Papiere an. Die Initiative unterstützt bei Problemen mit der Ausländerbehörde, dem Sozialamt, dem Jobcenter und Vermietern. Außerdem umfasst das Hilfsangebot Fragen der Abschiebung, Duldung und Residenzpflicht. Zusätzlich werden Anhörungen in Asylverfahren vorbereitet. Die Beratungen sind kostenlos, anonym und vertraulich.

PFLEGEKINDER IN BREMEN: Hilfe für Kinder im Exil

Weltoffene Familien sucht „Pflegekinder in Bremen“ für das Projekt „Kinder im Exil“. Dabei geht es um die Betreuung von unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlingen. Die Familien sollten Erfahrung mit unterschiedlichen Lebensstilen und anderen Kulturen haben und sich im Umgang mit jungen Menschen auskennen. Als Pflegeeltern kommen nicht nur klassische Familien in Frage. Es können sich auch interessierte Paare, Singles oder Lebensgemeinschaften melden.

  • 95 88 20 44

HELP A REFUGEE: Wohnungsvermittlungen

Grundsätzlich bietet der Verein ehrenamtliche Alltagshilfe für geflüchtete Menschen an. Basis dafür sind so genannte „freundschaftliche Patenschaften“. Die Paten geben Unterstützung bei Behördengängen, Arztbesuchen oder beim Ausfüllen von Anträgen. „Unser Hauptaugenmerk liegt mittlerweile im Bereich Wohnungsvermittlung“, sagt Help a Refugee-Vorstandsmitglied Hanni Meisen. Ein weiterer Schwerpunkt in der Arbeit seines Vereins sei die Familienzusammenführung. „Der Aufwand ist in diesem Bereich sehr hoch und bindet viele Kräfte bei uns. Es ist einfach so viel Papierkram damit verbunden“, so Meisen. Das Zusammentragen der entsprechenden Dokumente, wie beispielsweise Geburtsurkunden oder Zeugnisse, stelle viele Geflüchtete vor große Schwierigkeiten. Grund dafür können unter anderem die Zustände in ihrem Herkunftsland, aber auch die Anerkennungspraxis deutscher Behörden sein.

Weil die Nachfrage nach diesem Angebot mit steigenden Flüchtlingszahlen permanent zunimmt, werden auch immer wieder zusätzliche Paten gesucht.

Sie kennen noch eine weitere Initiative, die sich erst kürzlich gegründet hat oder hier nicht aufgelistet ist? Dann melden Sie sich bei einfach uns: onlineredaktion@weser-kurier.de

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