Sonnabendmusik in St. Ansgarii: Werke von John Dowland und britische Volksweisen mit dem Trio "widerklang"

Die zeitlose Melancholie alter Musik

Östliche VorstadtSchwachhausen. Auf Tournee waren sie bereits im Norden unterwegs, jetzt machen sie Halt in St. Ansgarii: Benjamin Faber, Johanna Schönbeck und Margarete Thyssen spielen als Folk-Ensemble "widerklang" alte Musik, die von ihnen zum Leben erweckt ganz neu klingt.
15.09.2011, 05:00
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Von Kerstin Thompson

Östliche VorstadtSchwachhausen. Auf Tournee waren sie bereits im Norden unterwegs, jetzt machen sie Halt in St. Ansgarii: Benjamin Faber, Johanna Schönbeck und Margarete Thyssen spielen als Folk-Ensemble "widerklang" alte Musik, die von ihnen zum Leben erweckt ganz neu klingt.

Ihr erstes und aktuelles Konzertprogramm besteht aus eigenen Bearbeitungen britischer Volksweisen sowie Lautenliedern John Dowlands (1563-1626), darunter bekannte Stücke wie "Greensleeves", "The Salley Gardens" oder "Come Again". Durch die Bearbeitungen des Jahrhunderte alten Stoffes und durch die Wahl der Instrumente wie Westerngitarre und Violincello interpretieren sie die Musik nicht entsprechend der historischen Aufführungspraxis, sondern eher in einem folkigen Kontext - zu sehen und zu hören am kommenden Sonnabend um 18 Uhr in der St. Ansgarii Kirche im Rahmen der Reihe "SonnAbendMusik". Die künstlerischen Gesamtleitung hat wieder Kantor Kai Niko Henke.

Die Liedtexte, die von Liebe und Treue, vom Verlassenwerden und von Sehnsucht erzählen, werden von Benjamin Faber mit sehr viel Gefühl und Leidenschaft gesungen. "Glow my tears" ist das Herzstück dieser melancholischen Musik und auch auf der neuen CD des Trios zu hören.

Gesucht und gefunden

Benjamin Faber, Jahrgang 1977, ist in Sottrum aufgewachsen. Dort hat er auch seine ersten musikalischen Erfahrungen gesammelt. Von der Blockflöte zur Klarinette war der Weg relativ kurz, von der Klarinette zur Rockmusik hingegen zu lang. So wechselte er mit 15 Jahren zur E-Gitarre und stieg in die Welt der Saiteninstrumente ein. Nach vier Semestern Musikpädagogik an der Universität Bremen kam 2002 der Wechsel an die Hochschule für Künste Bremen, wo er bis 2007 klassische Gitarre und Gesang studiert hat. Inzwischen unterrichtet er an zwei privaren Musikschulen in Sottrum. Benjamin Faber war es auch, der das Ensemble im Frühjahr 2009 gegründet hat.

Im CD-Booklet lesen sich die Anfänge so: "Traue ich mich überhaupt, die Träume dem Tageslicht auszusetzen? Oder lasse ich sie lieber dort, wo ihnen nichts geschehen kann? Mal schauen, ob die Telefonnummer noch stimmt - und wie sie reagiert ?" - "Sie", Johanna Schönbeck, war von der Idee Benjamin Fabers begeistert. Beide kennen sich vom Studium. "Wir sind musikalisch und menschlich gleichberechtig", sagt sie. Die begabte Flötistin wohnt im Viertel, studierte Musikerziehung mit Hauptfach Blockflöte an der Hochschule für Künste Bremen und anschließend im Zusatzstudium Elementare Musikpädagogik. Mittlerweile ist sie Lehrbeauftragte an der Hochschule für Künste Bremen.

Gesucht und gefunden:

Schon das erste Zusammenspiel der Blockflötenmusik von Johanna Schönbeck und seiner Stahlsaitengitarre hat Benjamin Faber überrascht und sofort überzeugt. "Das sind Klänge, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten, und die sich doch zum Besten ergänzen", findet er. Als Dritte ergänzt die Musikerin Margarethe Thyssen das Ensemble. Sie absolvierte zuerst ein geisteswissenschaftliches Studium (Musikwissenschaften, Romanistik, Literatur) an der Universität Rom, bevor sie Viola da gamba bei Paolo Pandolfo und Blockflöte an der staatlichen Musikhochschule in Latina bei Rom studierte. Jetzt spielt sie auch Violoncello, um andere musikalische Möglichkeiten auszuloten, etwa im Streichquartett und im Orchester oder eben als Teil der Gruppe "widerklang".

Hinsichtlich ihrer gemeinsamen Musik fällt die ausdrucksstarke, energiegeladene Stimme des Sängers auf. Im klaren, hellen Tenor trifft Benjamin Faber den Ton der englischen Renaissance und lässt zugleich seine eigene Note einfließen. Seine Gitarrenklänge umhüllen Johanna Schönbecks Spiel auf Sopranflöte, Alt- und Tenorflöte, die mal hell jubilierend, dann wieder dunkel melancholisch die Texte ummanteln, das Ganze weich begleitet von Margarete Thyssens Cello.

Die CD mit dieser Musik trägt ürbigens den Titel "Clear and Cloudy" - heiter bis wolkig, könnte man das übersetzen. "Früher zu Zeiten John Dowlands wurde die Frau mit dem Wetter verglichen", sagt Johanna Schönbeck. In der alten Musik habe die Natur als Bild für Stimmungen und Gefühle in einer Liebesbeziehung gegolten. So sei die Frau mal mild wie der Frühling und dann wieder zornig wie Gewitter in Noten gefasst worden. Auf die Umsetzung am Sonnabend kann man gespannt sein.

Das Ensemble "widerklang" spielt am Sonnabend, 17. September, um 18 Uhr in der Kirche St. Ansgarii Bremen, Schwachhauser Heerstr. 40. Der Eintritt ist frei.

Informationen zum Ensemble gibt es im Internet unter www.widerklang.de, zur regelmäßigen Sonnabendmusik unter www.ansgarii.de.

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