St.-Petri-Domgemeinde besucht die Tiere im Stall des Sportgartens

Die Ziege spielt den Ochsen

Peterswerder. Die Esel, Ziegen und Pferde im Stall in der Pauliner Marsch bekommen am zweiten Weihnachtsfeiertag Besuch. Wie schon in den vergangenen Jahren macht sich dann eine Gruppe Kinder und Erwachsene von der St.-Petri-Domkapelle am Osterdeich aus auf den Weg, um mit im Stall zu feiern. Tiergerechte Leckereien sind natürlich mit inbegriffen.
23.12.2010, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Bastienne Ehl

Peterswerder. Die Esel, Ziegen und Pferde im Stall in der Pauliner Marsch bekommen am zweiten Weihnachtsfeiertag Besuch. Wie schon in den vergangenen Jahren macht sich dann eine Gruppe Kinder und Erwachsene von der St.-Petri-Domkapelle am Osterdeich aus auf den Weg, um mit im Stall zu feiern. Tiergerechte Leckereien sind natürlich mit inbegriffen.

Seit 17 Jahren organisiert die St. Petri Domgemeinde nun schon den weihnachtlichen Spaziergang in die Pauliner Marsch. Zwischen 50 und 100 Kinder und Erwachsene sind regelmäßig dabei, eingeladen sind nicht nur Gemeindemitglieder.

"Wir knüpfen damit an eine alte norddeutsche Tradition an. Bei der ,Lütten Wiehnacht' geht der Bauer mit seinen Kindern an Weihnachten in den Stall und bringt den Tieren etwas besonderes zu essen. In Süddeutschland gibt es diese Tradition auch, dort nennt man sie Waldweihnacht", sagt Henner Flügger, der Pastor der St.-Petri-Domgemeinde. Dahinter stehe die Vorstellung, dass Ochse und Esel bei der Geburt Jesus mit dabei waren und dass die ganze Welt, und damit eben auch die Tiere, merken sollen, dass Weihnachten ist. "Dieser Gedanke geht zurück auf Franziskus von Assisi." Der Überlieferung zufolge feierte der Heilige 1223 im Wald nahe Greccio in einem Stall in einer Felsgrotte mit Ochs und Esel und einer mit Stroh gefüllten Krippe die Geburt Christi, um so der Bevölkerung die Geburtsgeschichte Jesu näher zu bringen.

Ziel für den zweiten Feiertag

Einen Esel gibt es zwar im Stall in der Pauliner Marsch, einen Ochsen allerdings nicht. "Früher gab es dort schottische Hochlandrinder. Aber jetzt müssen eben die Ziegen den Part des Ochsen übernehmen", sagt Flügger.

Den zweiten Weihnachtsfeiertag haben die Organisatoren des Spaziergangs aus ganz pragmatischen Gründen ausgewählt. "Viele haben in den Tagen zuvor viel drinnen gesessen und viel gegessen und das ist dann eine gute Gelegenheit für sie, mal wieder ein bisschen rauszukommen." Auf dem Weg von der St.-Petri-Domkapelle am Osterdeich aus, wo der Spaziergang startet, bis zu den Tieren des Sportgartens werden Weihnachtlieder gesungen und eine weihnachtliche Geschichte erzählt. Auch der neugegründete Posaunenchor ist mit dabei. "Wir werden wohl so zwei, drei Stopps einlegen und gegen 18 Uhr beim Stall eintreffen", sagt der Pastor.

Dort angekommen, wird den Tieren das Weihnachtsevangelium vorgelesen, und zwar auf Platt damit sie auch alles richtig verstehen. "Das passt einfach viel besser. Im Stall auf dem Land wird eben Platt gesprochen." Dann noch ein Gebet, ein Segen und dazu gibt es Musik vom Posaunenchor, sowie heißen Punsch gegen kalte Füße und Weihnachtsgebäck.

Größeren Wert als auf die feierlichen Worte legen die Esel, Pferde und Ziegen aber auf ihren eigenen Weihnachtsbaum, der schon am Nachmittag bei ihnen aufgestellt und mit essbarem Weihnachtsschmuck dekoriert wird. "Die Tiere sind immer sehr neugierig und vor allem die Ziegen freuen sich weil sie den Baum samt Schmuck am Ende auffressen dürfen", sagt der Pastor. Damit sie das aber nicht schon vor den Feierlichkeiten tun, stehen sie und der Baum vorher unter strenger Beobachtung.

Die Äpfel am Baum sind für die Tiere einfach nur lecker, aber sie haben auch einen kirchlichen Hintergrund. "Der 24. Dezember ist nach dem alten kirchlichen Heiligenkalender der Tag Adams und Evas", sagt Flügger. "Die Äpfel am Baum symbolisieren, dass das Paradies wieder aufgeschlossen ist und dass das Heil allen gilt."

Der weihnachtliche Spaziergang startet am Sonntag, 26. Dezember, um 17 Uhr. Treffpunkt ist die St.-Petri-Domkapelle am Osterdeich 70. Da der Weg nicht überall gut ausgeleuchtet ist, empfiehlt Flügger, Windlichter oder eine Stalllaterne aber keine Taschenlampen mitzubringen.

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