Tag der Architektur Diese Bremer-Architektur bleibt in Erinnerung

Bauherren und Planer bieten am 30. Juni Führungen durch Gebäude und über Gelände an. Auch die Bürgerschaft kann vor dem Umbau nochmal besichtigt werden, bevor sie für eineinhalb Jahre geschlossen bleibt.
28.06.2019, 05:54
Lesedauer: 5 Min
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Von Kornelia Hattermann

Architektur bewegt die Menschen – und das häufig schon, bevor es überhaupt konkrete Entwürfe für ein Bauwerk gibt. Noch trefflicher lässt sich über bereits fertiggestellte Baukultur streiten. Interessierte können darüber wieder mit Planenden und Bauherren ins Gespräch kommen. Unter dem Motto „Räume prägen“ werden zum Tag der Architektur am Sonntag, 30. Juni, Führungen durch Gebäude und Landschaften angeboten – und durch die Bürgerschaft, bevor sie für eineinhalb Jahre für den Umbau geschlossen bleibt.

Gut gestaltete Räume wirken sich positiv auf alle Lebensbereiche aus, auf das Wohnen, Arbeiten und Lernen genauso wie auf das Erleben von Kultur, Sport und Erholung, betont die Bundesarchitektenkammer. In Bremen werden zum Tag der Architektur neun Objekte und ein Gebäude in Bremerhaven vorgestellt, in Niedersachsen weitere 81. Ausgewählt wurden sie nach ihrer gestalterischen und der Nutzungsqualität und dem besonderen Interesse für die Bürger, erklärt Kristin Kerstein, Projektleiterin bei der Bremer Architektenkammer.

Biotop als Ausgleichsfläche

Zum ersten Mal ist eine Ausgleichsfläche unter den Objekten. In Alt-Arsten ist auf dem früher landwirtschaftlich genutzten Areal „Zu den Holzackern“ ein 8000 Quadratmeter großes Biotop entstanden, als Kompensationsfläche für ein neues Baugebiet in Arsten Süd-West. „Eine spannende Sache“, sagt Kristin Kerstein.

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Das Gestaltungskonzept knüpfe an die dörfliche Landschaftsstruktur an: Es gibt kleinteilige Grünlandinseln für die extensive Pferdehaltung, Gehölzinseln, Hecken, Wasser- und Sumpfbereiche und Obstbaumwiesen mit historischen Obstbäumen und einem Bienenstand. Circa 36 000 Kubikmeter Boden mussten dafür mit Raupen und Baggern bewegt werden. Landschaftsarchitekt Gerd Schwagereit hat das Gelände beackert, Führungen gibt es am Sonntag um 12, 14 und 16 Uhr, Treffpunkt: Zu den Holzackern.

Mit der Parkanlage Waller Sand ist ein weiterer öffentlicher Raum ein Anlaufpunkt am Sonntag. Rund um das Wendebecken in der Überseestadt entsteht derzeit ein Erlebnisraum mit Stadtstrand, Tidegarten, Boulevard und weiteren Aufenthalts- und Rückzugsorten. „Der neue, urbane Deichbau verbindet die technischen Erfordernisse eines Landesschutzdeichs mit hoher landschaftsarchitektonischer Qualität und alltäglicher Benutzbarkeit“, lobt die Bremer Architektenkammer. Führungen gibt es um 12, 14 und 16 Uhr, Treffpunkt ist am Gustaf-Erikson-Ufer/Kommodore-Johnsen-Boulevard.

Aus Supermarkt wird eine Kita

Als spannendes Projekt stuft Kristin Kerstein die Kindertagesstätte Koblenzer Straße in Tenever ein. Das Kinderhaus für sieben Gruppen für unter und für über Dreijährige wurde in einen bestehenden Verbrauchermarkt gebaut, der bis Oktober 2016 von Aldi genutzt worden war. Die Beleuchtung und die Wegeführung in dem großen Raum stellten laut Kerstein eine besondere Herausforderung dar.

Die breite Dachfläche wurde komplett erneuert und erhielt viele Oberlichter, sodass auch die Innenräume des Flachbaus hell beleuchtet werden. Der gesamte Bau wurde mit Holz verkleidet, der komplette Farbenkreis zieht sich im Farbverlauf um die ganze Fassade. Alle Gruppenräume haben direkten Zugang auf die Terrasse und in den großzügigen Außenbereich. Führungen gibt es um 11, 12, 14 und 15 Uhr, Treffpunkt an der Einfahrt zum Parkplatz, Koblenzer Straße 2a.

Das Kinder- und Familienzentrum Schwedenhaus in Osterholz, 1951 vom Schwedischen Roten Kreuz gestiftet und mit der für Schweden typischen roten Holzfassade verkleidet, bekam beim Neubau eine Verkleidung aus rotem Trapezblech. Die Freianlagen greifen in Form und Farbe das Fassadenmotiv auf und fügen sich in die parkähnliche Gesamtanlage ein. Führungen in der Osterholzer Heerstraße 100 um 11, 13 und 15 Uhr, Treffpunkt am Eingang.

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Der zweigeschossige Neubau des Bürger- und Sozialzentrums Huchting in der Amersfoorter Straße 8 ist nah der Grundstückszufahrt positioniert, um mehr Aufmerksamkeit auf das Gelände zu lenken, erklären die Architekten. Der Neubau des Bürger- und Sozialzentrums umfasst Veranstaltungshalle, Verwaltung, Café und Kindertagesstätte. Führungen um 11, 13 und 15 Uhr, Treffpunkt am Eingang.

Den Verbrauchermarkt an der Universität, Enrique-Schmidt-Straße 1/Max-von-Laue-Straße 1, stellt die Architektenkammer ebenfalls vor. Zwei Gebäude und ein Parkhaus gliedern sich um einen nach Westen geöffneten Hof. Führungen um 11, 12.30 und 14 Uhr, Treffpunkt vor dem Café Enrique-Schmidt-Straße.

An der Oberschule an der Egge in Blumenthal wurde ein Jahrgangshaus mit neun Klassenräumen und Nebenräumen in Passivbauweise erstellt. Führungen um 11, 13 und 15 Uhr, Treffpunkt am Haupteingang Neubau, Rüdelskamp 20/Ecke Eggestedter Straße.

Alles was das Architekturinteressierte begeistert

Auch neue Büro- und Wohnhäuser werden vorgestellt: Das frei stehende Bürogebäude mit Arztpraxen in der Bürgermeister-Spitta-Allee 49 können sich Interessierte bei Führungen um 11 und 14 Uhr anschauen, Treffpunkt vor dem Haupteingang. 149 geförderte und 54 frei finanzierte Wohnungen, die sich um einen begrünten Innenhof anordnen, finden sich im Wohn- und Geschäftsgebäude Hafenpassage, Konsul-Smidt-Straße 33-39/Überseetor 24. Führungen gibt es dort um 11, 13 und 15 Uhr. Und in Bremerhaven können sich Architekturinteressierte ein Wohngebäude an prominenter Stelle zwischen Weser und Neuem Hafen ansehen. Führungen dort gibt es um 12 und 13 Uhr, Treffpunkt vor dem Eingang, Am Neuen Hafen 5-7.

Bis Sonntag, 30. Juni, 10 bis 17 Uhr, ist im Haus der Bürgerschaft, Am Markt, die Ausstellung zum Architekturführer „Architektur in Bremen und Bremerhaven“ zu sehen. Das Haus der Bürgerschaft öffnet zudem von 12 bis 17 Uhr für eine „Parlamentarische Architek-Tour“.

Bremerinnen und Bremer können ein letztes Mal vor dem Umbau das Parlament erkunden oder sich von Abgeordneten und Beschäftigten durch die Bürgerschaftskanzlei und den Plenarsaal führen lassen. Um 12.30 Uhr schneidet Bürgerschaftspräsidentin Antje Grotheer die Festtagstorte an, die stückweise gegen Spende an die Gäste verteilt wird.

Auf einem kleinen Basar können die Besucher Gläser, Bücher und andere Dinge erwerben, die nicht mit der Verwaltung in den Börsenhof umziehen. Und zum Abschluss seiner Ausstellung signiert Cartoonist Til Mette von 13 bis 15 Uhr seine Bücher, die auch vor Ort erworben werden können. Alle Einnahmen des Tages gehen als Spende an das Projekt „Dem Hass keine Chance“.

Weitere Informationen

Alle Objekte sind zu finden im Internet auf www.tag-der-architektur.de sowie in der kostenfreien App „Tag der Architektur 2019“. Die 91 Objekte in Bremen und Niedersachsen werden auch in einer Broschüre vorgestellt. Die Broschüre kann bei der Architektenkammer Bremen kostenfrei angefordert werden unter ­Telefon 04 21 / 1 62 68 90 oder per E-Mail an info@akhb.de.

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