Bluesmusiker Adam Franklin in Vegesack „Diese Musik darf nicht verloren gehen“

An diesem Sonnabend, 9. Juni, gastiert Adam Franklin im Gewoelbe in Vegesack. Zuvor spricht er über Musiktraditionen und seine umfassende Blues-Sammlung.
08.06.2018, 14:08
Lesedauer: 4 Min
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Von Christian Pfeiff
Herr Franklin, will man über Sie im Internet recherchieren, stößt man zunächst auf einen Namensvetter, nämlich den Sänger der Band...

Adam Franklin: ...Swervedriver, ich weiß, aber das bin nicht ich (lacht). Wenn man mich über Suchmaschinen finden will, muss man schon zusätzlich das Wort „Blues“ eingeben.

Können Sie sich noch an Ihren erste Begegnung mit dem traditionellen Roots-Blues erinnern?

Mein Vater war ein Jazzmusiker, wir hörten als Kinder also eine Menge Bigband-Jazz, wenn wir im Familienauto unterwegs waren. Das war wahrscheinlich das erste mal, dass ich mit Musik aus den 1930ern in Berührung kam. Als Teenager war ich ein riesiger Fan von David Bowie, der 1973 ein Album „Pin Ups“ veröffentlichte, das Coverversionen zahlreicher Sixties-Bands wie beispielsweise den „Pretty Things“ enthielt. Durch dieses Album bin ich auf die Originale gestoßen und entdeckte unter anderem die „Yardbyrds“, deren Adaptionen und Coverversionen mich schließlich noch weiter zurück in die Fünfziger und schließlich sogar in die Zwanziger führten. Ich war also im Teenager-Alter, als ich zum ersten Mal mit dem Blues der 50-er und auch 30-er in Berührung kam.

Sie haben sich also, statt dem Zeitgeist zu folgen, in die Vergangenheit begeben?

Das mache ich nach wie vor. Ich mag es, in der Vergangenheit zu forschen. Natürlich höre ich auch moderne Musik, aber für mein eigenes Tun bevorzuge ich den alten Stil und die Spielweisen, damit diese nicht verloren gehen – ansonsten würden die Menschen diese Künstler und diese Musik möglicherweise irgendwann vergessen.

Betrachten Sie ihre Konzerte und CDs demnach als musikalische Museen?

Nein. Ich bewege mich eindeutig im Hier und Jetzt und spiele die Songs auch etwas anders, als sie vor 80 oder 90 Jahren gespielt wurden. Wenn ich unterrichte, halte ich mich natürlich exakt an die Vorlagen – aber nein, meine Konzerte sind keine musealen Ausstellungen. Wenn wir heutzutage auf alte Musikarten zurückschauen, ist es offenbar eine weitläufige Meinung, dass diese Musik exakt so wieder entdeckt und aufgeführt werden sollte, wie sie damals war – so wie bei einem klassischen Konzert. Dieser Meinung bin ich jedoch nicht: Ich möchte diese Musik frisch und aufregend halten, es soll Spaß machen, sie zu spielen und zu hören.

Worin besteht für Sie die Faszination des Roots-Blues, die in Ihrem Fall bereits seit Jahrzehnten anhält?

Meine Eltern, speziell mein Vater, hörten sehr viel Musik, was mich als Kind offenbar auch unterbewusst sehr stark geprägt hat. Als Teenager habe ich natürlich rebelliert und in Rockbands gespielt, aber als ich den Blues hörte, sprach dieser offenbar etwas an, was ohnehin die ganze Zeit in meinen Gedanken vorhanden war. Diese Musik mit ihrer Seele und ihrem Swing fühlte sich für mich immer sehr natürlich an.

Wie entdecken Sie selbst die Songs und Künstler, die Sie in Ihr Repertoire aufnehmen?

Es gibt zwei Arten, auf die ich Songs entdecke, die ich selbst performen möchte: Die erste ist natürlich Musik hören. Ich habe eine große Sammlung mit etwa 7000 CDs, 6000 Langspielplatten sowie viele Singles und auch Schellackplatten. Ich sammle alles an Blues und Jazz, was ich kriegen und was ich mir leisten kann – mittlerweile ist dies zu einem sehr teuren Hobby geworden. Eine weitere Art, Musik zu entdecken, hat sich für mich ebenfalls als sehr fruchtbar heraus gestellt: Ich unterrichte Gitarre, Mandoline und Ukulele und komme oft auch durch Schüler mit Songs in Berührung, die ich vorher nicht kannte. Überwiegend entstammt mein Repertoire jedoch meiner eigenen Musiksammlung.

Wie kam es zustande, dass sie als Engländer mittlerweile regelmäßig auch in Deutschland zu hören sind?

Im Laufe meiner Karriere habe ich festgestellt, dass eigentlich alles zufällig passiert, so auch dies. Auf der Suche nach einem neuen Slide stieß ich über das Internet auf Jan Simon, dessen Slides für den jeweiligen Spieler passgenau aus speziellen Materialien handgefertigt werden. Ich bestellte gleich ein paar Slides und schickte ihm einige meiner CDs, woraufhin mich Jan mit Thomas Schleiken bekannt machte. Hierduch kam es zustande, dass ich seit 2014 regelmäßig in Deutschland spiele, was mir jedes Mal großen Spaß bereitet.

Auf Schleikens Blueslabel „Blind Lemon“ veröffentlichten Sie 2016 die in Bookholzberg live aufgenommene CD „Outside Man“. Sind Ihre Vorgängeralben ebenfalls in Deutschland erhältlich?

Vor „Outside man“ entstanden bereits sechs Albumveröffentlichungen. Diese Alben sind jedoch nur über mich erhältlich: Ich kümmere mich sowohl um die Pressungen als auch um den Vertrieb. Sie sind also nur auf meinen Konzerten und über meine Homepage erhältlich.

Was dürfen Konzertbesucher am Sonnabend von Ihnen erwarten?

Eine gute Zeit, eine spaßbetonte Show, viele Songs aus der Vergangenheit, aber auch viele eigene Kompositionen mit vielen Slideeinlagen und heißem Fingerpicking. Ich spiele überwiegend solistisch, aber Regina Mudrich, die das Konzert veranstaltet, ist eine fantastische Violinistin und wir haben in der Vergangenheit bereits häufiger zusammen gespielt – das könnte dieses Mal auch passieren.

Das Interview führte Christian Pfeiff.

Info

Zur Person

Adam Franklin

wurde als Sohn eines Jazzmusikers in Sussex ­geboren. Wenn er nicht gerade auf Konzertbühnen sowohl mit eigenen Kompositionen als auch Interpretationen seiner Vorbilder dem rootslastigen Akustikblues huldigt, ist er überwiegend als Dozent und Workshopleiter für verschiedene Saitenintrumente tätig. Am Sonnabend, 9. Juni, beschließt Franklin seine diesjährige Deutschland-Tournee mit einem Konzert im Vegesacker Gewölbe. Beginn ist um 20 Uhr, der Eintritt kostet an der Abendkasse 20 Euro.

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