Digitale Fortbildung

Bremer Lehrkräfte werden im Umgang mit neuen Tablets fit gemacht

Inzwischen sind die Lehrkräfte in Bremen mit Tablets ausgestattet. Mit den iPads muss man aber auch umgehen können. Um das zu gewährleisten, gibt es zahlreiche Aktivitäten.
17.09.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Bremer Lehrkräfte werden im Umgang mit neuen Tablets fit gemacht
Von Frank Hethey
Bremer Lehrkräfte werden im Umgang mit neuen Tablets fit gemacht

Hat sich mit dem iPad vertraut gemacht: Jenny Baden, Lehrerin an der Gesamtschule West.

Frank Thomas Koch

Der digitale Unterricht ist für Jenny Baden kein Neuland. Die 35-Jährige arbeitet schon länger mit der Lehr- und Lernplattform Itslearning, nicht erst seit den corona-bedingten Schulschließungen im März. Dennoch sieht die Klassenlehrerin einer sechsten Klasse in der Gesamtschule West (GSW) noch Nachholbedarf in eigener Sache. Zu tun hat das vor allem mit den Tablets von Apple – den iPads – , mit denen das Bildungsressort kürzlich die Bremer Lehrkräfte versorgt hat. „Ich bin kein Apple-Fan, iPads sind ganz neu für mich“, sagt Jenny Baden.

Umso mehr kam ihr die zweiwöchige iPad-Fortbildung entgegen, die der US-Technologiekonzern in Abstimmung mit dem Zentrum für Medien im Landesinstitut für Schule (Lis) allen Bremer Lehrkräften in der ersten Monatshälfte angeboten hat. Das erklärte Ziel lautete, den Lehrenden grundlegende Funktionsweisen und Einsatzmöglichkeiten des Tablets zu vermitteln. „Das war eine Super-Fortbildung“, so Jenny Baden. „Vieles davon könnte ich sofort umsetzen.“

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Einen weiteren Schritt in Richtung digitalen Unterricht hat die GSW am Dienstag im Rahmen einer schulinternen Lehrerfortbildung mit dem Titel „Zukunftswerkstatt“ gemacht. Erstmals war das gesamte Kollegium per Videokonferenz zu einer digitalen Fortbildung versammelt, bisher hatte es zum elektronischen Lernen nur kleinere Teambesprechungen gegeben. „Wir wollten kein weiteres Webinar machen“, sagt Katrin Hütter, didaktische Leiterin an der GSW. „Es ging nicht um ganz viel Input, sondern darum, uns über den digitalen Unterricht abzustimmen.“

Dass digitaler Unterricht an Bremer Schulen künftig stark aufgewertet werden soll, hat die Bildungsbehörde bereits deutlich gemacht. Er soll nicht nur ein Notbehelf im Falle eines möglichen zweiten Lockdowns sein, sondern zu einem festen Bestandteil des normalen Präsenzunterrichts werden. „Die Schule der Zukunft wird digitaler sein als vor der Corona-Krise“, betont Annette Kemp, Sprecherin des Bildungsressorts.

Lehrende laut Umfrage hoch motiviert

Doch fühlen sich die Lehrkräfte für diese Herausforderung gewappnet? Darüber gibt eine Umfrage zum digitalen Lernen an der GSW zumindest ansatzweise Aufschluss. Die Leiterin der Fortbildung, Syrina Laubvogel vom Zentrum für Medien, hat im Vorfeld der Veranstaltung eine Reihe von Fragen an die rund 60 Lehrenden gerichtet. Insgesamt sieht Laubvogel, die bis zum Sommer selbst an der GSW unterrichtete, die Schule im digitalen Unterricht „weit vorne“, ihren früheren Kollegen attestiert sie eine „große Kompetenz“.

Tatsächlich trauen sich fast zwei Drittel der Lehrkräfte zu, mit dem iPad erfolgreich zu arbeiten. Ein Viertel beurteilt die eigene Kompetenz als „sehr hoch“, fast die Hälfte als „hoch“. Noch größer fällt die Motivation aus, das iPad überhaupt im Unterricht zu verwenden. Deutlich mehr als zwei Drittel der Lehrkräfte gaben zu Protokoll, ihre Motivation sei „sehr hoch“ oder „hoch“.

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Von einem „extremen Fortbildungsbedarf“ für Lehrkräfte spricht denn auch Oliver Bouwer vom Landesinstitut für Schule. Die Bildungsstätten in Bremen seien gerade eifrig dabei, die Lehrenden fit zu machen im Umgang mit den iPads. „Im Moment findet gerade die Grundbetankung statt.“ In seinen Augen ist das auch dringend notwendig, immerhin sollen die Tablets schon bald ebenfalls an die Schüler ausgeliefert werden.

Power-Point und Excel werden nur wenig genutzt

Was Itslearning angeht, offenbart die Laubvogel-Umfrage jedoch auch, dass nicht alle Ressourcen in gleichem Maße genutzt werden. Rund 85 Prozent verwenden die Plattform zum Hochladen von Dateien, etwa 64 Prozent, um Arbeitsaufträge zu erteilen. Dagegen werden Diskussionen mit etwa 15 Prozent eher selten in Gang gebracht, in einem ähnlichen Bereich bewegen sich die Nutzung von Power-Point-Präsentationen und Excel-­Tabellen.

Unterdessen freut sich Jenny Baden auf englische Wetterberichte ihrer Schüler. Mit dem iPad gebe es ganz viele Möglichkeiten, die mündliche Kompetenz im Sprachunterricht zu verbessern. Eine grundsätzliche Offenheit gegenüber digitalen Anwendungen im Unterricht ist bei ihr wenig erstaunlich: Die 35-Jährige zählt zu jener Generation, die schon mit dem Computer aufgewachsen ist – sie ist ein „Digital Native“. Einen Vorteil gegenüber älteren Kollegen mag sie daraus aber nicht ableiten. Sie selbst profitiert von den Kenntnissen ihrer Schüler. „Ganz oft wissen die mehr als wir Lehrer, dadurch lernt man auch.“

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Der Schulleiter der Gesamtschule West, Matthias Schmuhl, kann das nur zu gut nachempfinden. „In meinem Alter fängt der Problembereich an“, sagt er 46-jährige. Den Generationswechsel habe die Schule aber schon hinter sich. Den Altersdurchschnitt der Lehrkräfte schätzt er auf 45 Jahre. Mögliche Vorbehalte gegenüber digitalem Lernen sieht er deshalb auch nicht als Frage des Alters.

Jenny Baden hat bislang überwiegend positive Erfahrungen mit dem digitalen Unterricht gemacht. Die Spanisch- und Englischlehrerin sieht nicht zuletzt Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf gestärkt. Erst recht, wenn digitaler Unterricht als Distanzunterricht erteilt wird. „Das klappt besser als im Präsenzunterricht. Vorm Rechner etwas zu sagen, fällt diesen Kindern leichter, als vor der Klasse vorzutragen.“

Info

Zur Sache

4500 Teilnehmer bei iPad-Fortbildung

Nach Angabe des Zentrums für Medien im Landesinstitut für Schule (Lis) sind für die freiwillige zweiwöchige iPad-Fortbildungsreihe 7360 Anmeldungen eingegangen. Teilgenommen haben an den 30 Online-Sitzungen zwischen dem 31. August und dem 11. September 4500 Lehrkräfte. Zur Relation: Laut Bildungsbehörde gibt es derzeit 5384 Lehrkräfte an den öffentlichen Schulen der Stadt Bremen, davon 1079 an berufsbildenden Schulen. Dennoch spricht Oliver Bouwer vom Lis von einer gewaltigen Resonanz.

Davon unabhängig bietet das Lis weiterhin Fortbildungen rund um die Lehr- und Lernplattform Itslearning an. Zu Beginn der Pandemie sei die Teilnahme stark gestiegen, berichtet Bouwer. Bei den letzten Webinaren sei der Zuspruch zwar zurückgegangen, aber immer noch relativ hoch gewesen. Von einer verpflichtenden Teilnahme an Itslearning-Fortbildungen rät er ab. „Nach unserer Erfahrung bringt das nichts.“

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