Notebooks und Tablets

Digitaler Schub für Schulen in Bremen und Niedersachsen

Von den Finanzmitteln des Digitalpakts Schule hat Bremen bisher überdurchschnittlich profitiert. Niedersachsen und der Bund stellen zusätzliche 52 Millionen Euro für mobile Endgeräte zur Verfügung.
08.09.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Peter Mlodoch, Markus Peters und den Regionalredaktionen
Digitaler Schub für Schulen in Bremen und Niedersachsen

Ein Schüler der achten Klasse tippt in einer Schule auf einem iPad.

Rolf Vennenbernd

Von den fünf Milliarden Euro des Digitalpakts für die Schulen haben bisher Bremen und Hamburg überdurchschnittlich profitiert. Die beiden Hansestädte hatten bis Ende Juni 6,6 Millionen beziehungsweise 5,6 Millionen Euro vom Bund abgerufen. In Bremen bewarben sich bisher 75 Schulen um Geld.

13,75 Prozent des gesamten Fördervolumens, das bei über 50 Millionen Euro für das Land Bremen liegt, wurden für die Verbesserung der digitalen Infrastruktur in den Schulen ausgegeben. ­Angeschafft wurden Präsentationsmedien wie Beamer und Leinwände sowie Notebooks und Tablet-Computer. Weiter wurde die Einrichtung von Schulnetzwerken (WLAN) gefördert.

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Sechs Wochen von der Beantragung bis zum Bescheid

Damit liegt Bremen bundesweit an der Spitze. Durchschnittlich sechs Wochen dauert es von der Beantragung bis zum Bescheid. „Bei uns läuft es vielleicht deshalb relativ gut, weil es bereits seit mehreren Jahren ein standardisiertes Antragsverfahren für pädagogische Schul-IT gibt“, erklärt Annette Kemp, Sprecherin der Bildungssenatorin.

Was über die Standardausstattung hinausgehe, müsse mit einem strukturierten Medienkonzept inhaltlich begründet werden. Dieses Verfahren habe relativ leicht an die Anforderungen des Digitalpakts angepasst werden können. „Die Zeit der Schulschließungen wurde dazu genutzt, Online-Fortbildungen zum Digitalpakt und zum Antragsverfahren für alle Schulen durchzuführen“, ergänzt Kemp.

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Bundesweit wurden bis Ende Juni erst 15,7 Millionen Euro ausgezahlt

Was in Bremen gut klappt, läuft andernorts eher schleppend. Bundesweit sollen bis Ende Juni 15,7 Millionen Euro aus dem Digitalpakts tatsächlich ausgezahlt und 242 Millionen Euro bewilligt worden sein. Das hatte das Bundesbildungsministerium jüngst auf Anfrage von Katja Suding (FDP) mitgeteilt. Suding machte dafür – der WESER-­KURIER berichtete – bürokratische Hürden verantwortlich, an denen angeblich viele Schulen und Schulträger scheiterten.

„Insgesamt sind die Anforderungen des Bundes für die Antragsverfahren sehr hoch und komplex“, bestätigt auch Annette Kemp. In Bremen werden die Anträge regelmäßig begutachtet. Wenn sie noch nicht schlüssig seien, erhielten die Schulen gezielte Hilfe, sodass sie in der jeweils nächsten Runde zum Zug kommen könnten, so die Sprecherin.

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1165 Anträge wurden in Niedersachsen gestellt

Etwa 500 Millionen Euro stehen in Niedersachsen für die Schulen bereit. Insgesamt seien bislang 1165 Anträge von Schulträgern gestellt und rund 42,8 Millionen Euro bewilligt worden, so die Sprecherin des Kultusministeriums, Jasmin Schönberger. Der Anteil an Schulen, die über den Schulträger einen Antrag gestellt haben, liege bei derzeit rund 22 Prozent.

„Es tut sich etwas, und zwar in hohem Tempo. Die Entwicklung der Zahlen zeigt, dass wir mittlerweile auf einem guten Weg sind“, so Schönberger. Zudem haben Bund und Länder ein „Sofortausstattungsprogramm“ aufgestellt. Daraus stellte Niedersachsen den Schulträgern zusätzliche Mittel in Höhe von 52 Millionen Euro für die Anschaffung mobiler Endgeräte für benachteiligte Schüler zur Verfügung. 4,7 Millionen Euro trägt das Land Niedersachsen selbst.

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Nachholbedarf beim digitalen Lernen

Das Programm ist zu 98 Prozent ausgeschöpft – die Schulträger haben Fördermittel in Höhe von mehr als 50 Millionen Euro beantragt. „Die Corona-Krise hat offengelegt, dass es bundesweit großen Nachholbedarf in Sachen Infrastruktur für das digitale Lernen gab. Wir waren und wir sind in Deutschland noch nicht so weit, wie wir es sein sollten“, betont Jasmin Schönberger.

Einer der Nutznießer ist die Integrierte Gesamtschule Delmenhorst (IGS). Dort wurden drei Koffer mit Tabletcomputern angeschafft. Die Pandemie und der Heimunterricht hätten deutlich gemacht, dass nicht in allen Familien Tablets oder Computer verfügbar gewesen seien, sagt Stadtsprecher Timo Frers. Das habe die Verteilung von digitalen Arbeitsmaterialien erschwert. Diese bisher benachteiligten Schüler könnten nun Tablets mit nach Hause nehmen.

Domgymnasium in Verden ist nicht ans Glasfasernetz angeschlossen

Auch das Cato Bontjes van Beek-Gymnasium in Achim hat 61 Whiteboards und 80 Notebooks aus den Mitteln des Digitalpakts Schule erhalten. In der Gemeinde Stuhr sind in den vergangenen Jahren ebenfalls Schulen mit interaktiven Displays und Tablets ausgestattet worden – zunächst aus Haushaltsmitteln der Gemeinde. Das solle sich voraussichtlich bis Ende dieses Jahres noch ändern, erklärt Kerstin Frohburg, Fachbereichsleiterin für Bildung bei der Gemeinde Stuhr.

An anderer Stelle wiederum wird in den Netzzugang investiert, zum Beispiel am Domgymnasium in Verden. Die Schule ist zwar digital gut ausgestattet, das WLAN-Netz ausgebaut, der Server ausgetauscht – doch das hilft wenig. „Bislang“, erklärt der stellvertretende Direktor Michael Spöring, „besitzen wir keinen Glasfaserkabelanschluss.“

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