Neue Online-Plattform hilft Geflüchteten

Digitaler Kompass fürs Ankommen

Die neue Online-Plattform „Welcome to Bremen“ will Geflüchteten helfen, sich in Bremen zurechtzufinden. Mit Grafiken und mehrsprachigen Texten möchte das Portal den Einstieg in den Alltag erleichtern.
21.03.2017, 21:06
Lesedauer: 2 Min
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Digitaler Kompass fürs Ankommen
Von Nico Schnurr
Digitaler Kompass fürs Ankommen

Als Teil des Projektteams haben Anette Klasing, Jann-Hendrik Tjards und Sandra Ahlers (von links) die neue Online-Plattform „Welcome to Bremen“ am Dienstag vorgestellt.

Christina Kuhaupt

Die neue Online-Plattform „Welcome to Bremen“ will Geflüchteten helfen, sich in Bremen zurechtzufinden. Mit Grafiken und mehrsprachigen Texten möchte das Portal den Einstieg in den Alltag erleichtern.

Wie finde ich Arbeit, wie funktioniert das Bildungssystem? Jeder Neuanfang beginnt mit Fragen. Erst recht, wenn er in einer fremden Stadt, in einem fremden Land mit einer fremden Kultur stattfindet. Dann können die Fragen so groß, so zahlreich werden, dass sie den Neuanfang erschweren, das Ankommen zur Last werden lassen. Eine neue Online-Plattform will das für Bremen nun verhindern.

„Welcome to Bremen“, Willkommen in Bremen, heißt die Seite, die Geflüchteten und Migranten helfen will, bei all den Fragen zu Ämtern, Arbeit und Freizeitangeboten nicht den Überblick zu verlieren. Als digitaler Kompass will das Portal den Weg in den ungewohnten Bremer Alltag weisen.

Die Leute werden online abgeholt

„Smartphones sind da, und sie werden auch von Geflüchteten genutzt. Da macht es einfach total Sinn, die Leute online abzuholen“, sagt Lars Kaempf von der Bremer Medienagentur „vomhörensehen“. Im Sommer 2015 hat seine Agentur das Projekt zusammen mit der Jugendbildungsstätte Lidicehaus und dem Quartiersmanagement Kattenturm und Arsten ins Leben gerufen.

Über anderthalb Jahre hat es gedauert, die Hilfe von mehr als hundert Ehrenamtlichen und die Unterstützung der Integrationsbeauftragten Silke Harth gebraucht, um aus der Idee eine Seite werden zu lassen. Sie soll nun alles bündeln, was Geflüchteten und Migranten beim Ankommen und Leben in Bremen hilft.

Die Plattform erklärt ihren Nutzern etwa das deutsche Gesundheits- und Rechtssystem, nennt aber auch ganz konkret Anlaufstellen bei Ärzten und Anwaltsvereinen in Bremen. Rund 300 Angebote listet die Seite momentan auf, filtern lässt sich die Suche bis in die einzelnen Stadtteile hinein. Ergänzt wird das digitale Angebot des Projekts durch gedruckte, mehrsprachige Pläne mit Angeboten und Anlaufstellen für bislang acht Stadtteile.

Allgemeine Infos und ganz konkrete Hinweise

„Diese Verknüpfung von allgemeinen Infos und ganz konkreten Hinweisen vor Ort ist bislang einmalig“, betont Silke Harth, Integrationsbeauftragte von Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne). Schon jetzt gebe es erste Anfragen zur Seite aus anderen Städten, sagt Kaempf. Das Bremer Projekt könnte womöglich zur Blaupause werden.

Dabei will das Portal vor allem eines: verständlich sein. Die Texte gibt es auf Deutsch, Englisch und Arabisch zu lesen, Französisch und Farsi sollen bald folgen. Die einzelnen Themenbereiche sind mit Symbolen und Grafiken illustriert. Eine Straße mit bunten Koffern, Pflastern und Büchern am Wegrand soll die ersten Schritte nach der Ankunft ergänzend zum Text verbildlichen.

„Schlicht und trotzdem einladend, verspielt, aber nicht zu albern-kindlich“ solle die Seite daherkommen, sagt Kaempf. „Wir wollen so möglichst vielen Menschen Zugang zu den Inhalten verschaffen.“ Damit das gelingt, wurden Geflüchtete in die Arbeit an der Plattform einbezogen. Sie sollten aus ihren Erfahrungen berichten und schildern, welche Fragen sie nach ihrer Ankunft in Bremen besonders beschäftigten.

Für Lars Kaempf ist das Projekt dabei nicht nur eine Reaktion auf Migration im digitalen Zeitalter. „Wir liefern mit der Seite auch eine Antwort auf die heutige Geschwindigkeit, in der Informationen ihre Gültigkeit verlieren“, sagt der Medienagentur-Mitgründer. Oft änderten sich wichtige Informationen für Geflüchtete so rasch, dass gedruckte Angebote kaum hinterherkämen, sagt Kaempf. „Wir wollen die Seite fortlaufend aktualisieren und so ein lebendes Produkt für ganz Bremen schaffen.“

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