Unbekannte Täter bringen riesige Abbildungen in Kreuzform an St. Stephani an / Pastorin reagiert gelassen Dildos am Kirchturm

Bremen. Ein Kreuz auf einem Kirchturm? Passt doch eigentlich. Wenn es nur nicht ausgerechnet zwei riesige Dildos wären, aus denen das Kreuz zusammengesetzt wurde.
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Dildos am Kirchturm
Von Ralf Michel

Bremen. Ein Kreuz auf einem Kirchturm? Passt doch eigentlich. Wenn es nur nicht ausgerechnet zwei riesige Dildos wären, aus denen das Kreuz zusammengesetzt wurde.

Bislang unbekannte Täter haben in der Nacht zum Freitag mit zwei acht Meter großen Abbildungen von Vibratoren den eingerüsteten Turm der Kulturkirche St. Stephani dekoriert. Die Abbildungen waren in derselben Nacht aus einem Werbeplakat der Fun Factory ausgeschnitten worden. Das Unternehmen distanzierte sich sofort von der Aktion und erstattete noch am Freitag Anzeige wegen Sachbeschädigung. Vergleichsweise entspannt kommentierte dagegen die Leiterin der Kulturkirche, Diemut Meyer, den nächtlichen Coup. „Da hat wohl jemand gedacht: Bei euch an der Kirche fehlt ein Kreuz“, sagte die Pastorin. „Ich sehe das als Impuls für unsere Arbeit.“

Diemut Meyer wohnt direkt gegenüber der Kirche im Pfarrhaus. Und staunte nicht schlecht, als sie Freitagmorgen aus dem Haus ging. Da prangte plötzlich ein großes Kreuz auf einer Seite des wegen Renovierungsarbeiten mit Planen eingekleideten Kirchturms. Sie musste schon etwas genauer hinschauen, um zu erkennen, um was es sich dabei handelte: zwei Dildos von gut acht Metern Länge, zu einem Kreuz zusammengesetzt.

Deren Herkunft war unschwer zu ermitteln. Nicht weit von der Kulturkirche ist der Sitz der Fun Factory mit mehreren Gebäuden. Die Dildos stammten von der Außendekoration einer Lagerhalle, erklärte Kristy Stahlberg, Pressesprecherin des Unternehmens, das Sexspielzeuge herstellt. Unbekannte Täter hätten die beiden Abbildungen der Dildos aus dem Plakat herausgeschnitten.

Die Fun Factory stehe zwar generell für Meinungsfreiheit und Kreativität, nehme dabei jedoch zu keiner Zeit Bezug auf religiös oder politisch motivierte Themen, erklärte Stahlberg und betonte, dass „wir von dieser Tat zu keinem Zeitpunkt Kenntnis hatten“. Sie könne nachvollziehen, dass sich Menschen durch die Verbindung von Kreuz und Dildos verunglimpft fühlten. „Auch deshalb ist die Aktion nicht in unserem Sinne.“

Pastorin Diemut Meyer, Leiterin und Geschäftsführerin der Kulturkirche St. Stephani, sieht dies alles deutlich gelassener. Natürlich, die Täter hätten mit der widerrechtlichen Aktion provozieren wollen. Und ja, sicher gebe es eine ganze Reihe von Menschen, die sich daran stören, sagte sie. „Aber ich sehe das eher mit einem Augenzwinkern, als dass ich mich da jetzt von distanzieren oder moralisch drüber auslassen müsste.“

Sie verstehe die Aktion eher als ein Zeichen. „Da hat jemand das urchristliche Symbol an die Kirche gebracht.“ Dies sei im Grunde ja nicht verwerflich, und gerade die Kulturkirche stehe für Demokratie und Freiheit der Künste. Außerdem könne man die Aktion durchaus auch als Aufforderung verstehen. Als Auftrag an die Kirche, mit der Kunst in Dialog zu treten. Der Kirchturm werde schließlich noch zwei Jahre lang eingerüstet bleiben, erklärte die Pastorin. Sie nehme das Ganze daher positiv auf. Als Idee und Impuls: „Was machen wir mit dieser Freifläche?“

Wie lange allerdings die Dildos ihre Funktion als Bindeglieder zwischen Kunst und Kirche wahrnehmen würden, konnte Diemut Meyer am Freitagmittag nicht sagen. Es werde auf jeden Fall entfernt, die Bauabteilung der Bremischen Evangelischen Kirche sei bereits informiert. „Aber wir haben schon Freitag, und dann ist erst mal Wochenende.“

Doch hier irrte die Pastorin. Schon zwei Stunden nach dieser Einschätzung war das Dildo-Kreuz verschwunden. Von der Bauabteilung entfernt, die die Aktion weniger von der künstlerischen als vielmehr von der sicherheitstechnischen Seite betrachtet haben dürfte. Beim Anbringen des Kreuzes hatten die vermeintlichen Spaßvögel große Löcher in die Sicherheitsplane geschnitten. Die aber sollte Passanten vor herabstürzenden Steinen des maroden Kirchturm-Mauerwerks schützen.

„Man kann das auch als Impuls sehen: Was machen wir mit der Freifläche?“ Pastorin Diemut Meyer
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