S-Bahn-Anschluss in Bremen-Nord Direktverbindung nach Farge ist verschoben

Bremen-Nord. Zum Fahrplanwechsel im Dezember sollte sie Wirklichkeit werden, die direkte S-Bahn-Verbindung zwischen Hauptbahnhof und Farge. Doch jetzt wirft ein technisches Detailproblem das Projekt um mehrere Monate zurück.
16.09.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Direktverbindung nach Farge ist verschoben
Von Jürgen Theiner

Bremen-Nord. Zum Fahrplanwechsel im Dezember sollte sie Wirklichkeit werden, die direkte S-Bahn-Verbindung zwischen Hauptbahnhof und Farge. Doch jetzt wirft ein technisches Detailproblem das Projekt um mehrere Monate zurück. Noch voraussichtlich bis ins Frühjahr 2012 werden die Bahnpassagiere in Vegesack umsteigen müssen.

Das erfuhren gestern die Mitglieder der Bau- und Verkehrsdeputation der Bürgerschaft. Hintergrund: Im Sommer war an der Einfahrt zum Vegesacker Bahnhof eine neue Weichenanlage installiert worden. Sie ermöglicht überhaupt erst die durchgängige Schienenverbindung zwischen Verden und Farge über Hauptbahnhof und Vegesack, die als Linie RS 1 den Hauptstrang des S-Bahn-Netzes für Bremen und das Umland darstellt. Erstmals kann durch die neue Weiche das Gleis 1 aus Richtung Farge angefahren werden. Was allerdings nicht rechtzeitig klappen wird, ist die Ausrüstung dieser Weiche mit neuer Signaltechnik. Die Farge-Vegesacker Eisenbahn GmbH hatte mit der Deutsche Bahn AG 2010 einen Vertrag über die erforderlichen Leistungen abgeschlossen. Doch Ende August, so entnahmen es jetzt die Deputierten ihren Unterlagen, musste die DB passen. Schriftlich teilte sie mit, dass die Signale nicht termingerecht aufgestellt werden können. Mit der Inbetriebnahme der noch fehlenden Anlage seit für das erste Quartal 2012 zu rechnen. Bis dahin müssen die Reisenden wie bisher in Vegesack die Züge wechseln.

Schwarzer Peter bei Planungsbüro

Die Deputierten waren von dieser Nachricht gestern nicht gerade begeistert. Unter anderem wurde die Verwaltung gefragt, ob die DB AG für diesen Schnitzer in Regress genommen werden kann. Wenn überhaupt, dann nicht von der Stadtgemeinde Bremen, lautete die Antwort eines Abteilungsteilers aus dem Verkehrsressort. Ansprüche könne nur die Nordwestbahn als Betreiberin der S-Bahn-Linie geltend machen.

DB-Sprecher Egbert Meyer-Lovis reichte den Schwarzen Peter an ein Planungsbüro weiter. Auf Anfrage der NORDDEUTSCHEN teilte Meyer-Lovis mit, die mit der sogenannten Ausführungsplanung beauftragte Fachfirma habe "leider die Terminkette nicht eingehalten". Die Deutsche Bahn AG setze nun jedoch "alles an die schnelle Realisierung".

Für Blumenthals Ortsamtsleiter Peter Nowack ist die Verschiebung ein Ärgernis. "Das erfreut mich ganz und gar nicht", sagte Nowack im Gespräch mit dieser Zeitung, "denn die Bürgerinnen und Bürger in Blumenthal warten schließlich auf die Durchbindung der S-Bahn." Mit Schuldzuweisungen wollte er sich indes nicht lange aufhalten. Ihn interessiere viel mehr, ob die sonstigen Zusagen zum künftigen S-Bahn-Verkehr von den Betreibern eingehalten werden können, insbesondere der 15-Minunten-Takt zu den Hauptverkehrszeiten. Nowack prophezeite an diesem Punkt Probleme, da das Schienennetz im Bremer Eisenbahnknoten schon jetzt Überlastungserscheinungen zeige.

Auch die SPD-Abgeordnetengemeinschaft Bremen-Nord meldete sich zu Wort. Ihre neue Sprecherin Insa Peters-Rehwinkel rügte das Verhalten der DB AG: "Dass die Züge der Bahn Verspätung haben, sind wir ja gewohnt. Doch in diesem Fall muss sie ihre Zusagen einhalten. Es kann nicht angehen, dass den Bürgern weiterhin das Umsteigen in Vegesack zugemutet wird, weil die Signale fehlen." In einer Pressemitteilung forderte Peters-Rehwinkel Verkehrssenator Joachim Lohse (Grüne) auf, bei der DB darauf hinzuwirken, dass sie ihre vertraglichen Verpflichtungen einhält. Insgesamt sei es allerdings erfreulich, dass sich der öffentliche Nahverkehr in Bremen-Nord bald weiter verbessert. "Damit er perspektivisch noch attraktiver wird, halten wir an unserer Forderung nach einem einheitlichen Bahntarif für das gesamte Stadtgebiet ohne den bisherigen Aufschlag für Bremen-Nord fest", so Peters-Rehwinkel.

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