Runder Tisch in Bremen Diskussion um Lösungsvarianten für die A 281

Bremen. Die Mitglieder des runden Tisches zu den weiteren Autobahnplanungen in Kattenturm sind am Donnerstag zu ihrer vierten Sitzung zusammengekommen. Es waren letztendlich die abschließenden drei Minuten, die für erstaunte Reaktionen sorgten: Der Bund will zurzeit keine Grundstücke für den Bauabschnitt 2/2 mehr kaufen.
11.02.2011, 05:00
Lesedauer: 5 Min
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Diskussion um Lösungsvarianten für die A 281
Von Michael Brandt

Bremen. Die Mitglieder des runden Tisches zu den weiteren Autobahnplanungen in Kattenturm sind gestern zu ihrer vierten Sitzung zusammengekommen. Dabei waren es die abschließenden drei Minuten, die nach mehr als zweistündigen Beratungen erst für Schweigen, dann für erstaunte Reaktionen sorgten: Der Bund will zurzeit keine Grundstücke für den Bauabschnitt 2/2 mehr kaufen.

"Das ist in der Tat eine schlechte Nachricht." Fast wortgleich nahmen Moderatorin Annemarie Czichon und der Sprecher der Bürgerinitiativen, Norbert Breeger, die knappen Worte der Verkehrsverwaltung zur Kenntnis. Die Frage, welche Konsequenzen aus dem Kauf-Stopp folgen, blieb gestern unbeantwortet.

Und noch eine weitere Nachricht sorgte im Sitzungszimmer 301 für bestürzte Reaktionen: Das schriftliche Urteil des Bundesverwaltungsgerichts liegt noch immer nicht vor. Eine Sprecherin des Gerichts schätzt, dass der Text in zwei bis drei Wochen verfügbar sein wird. Die Verhandlung über die Klagen der Anlieger hatte am 24. November 2010 stattgefunden. Ergebnis: Die Planungen für den Abschnitt 2/2 wurden als rechtswidrig eingestuft. Der Senat hat daraufhin im Januar entschieden, einen runden Tisch einzusetzen und so nach einer einvernehmlichen Lösung für die Autobahntrasse zu suchen.

22 Personen nehmen - neben den Moderatoren Annemarie Czichon und Hans-Christoph Hoppensack - am runden Tisch Platz. Sie gehören zu verschiedenen Interessengruppen. So sind etwa Bau- und Wirtschaftsverwaltung mit je zwei Personen dabei. Außerdem wurde eine Reihe von Vertretern benannt. Denn der runde Tisch hat sich ein Marathon-Programm verordnet. Bis zu den Osterferien gibt es wöchentlich eine Sitzung, möglicherweise kommen noch Klausurtagungen hinzu. Ende April ist die Schlussphase vorgesehen.

Bürgerinitiativen und Stadtteile:Bürger und Kommunalpolitik sind sich in ihrer Haltung - zumindest was die grobe Richtung angeht - einig. Für die "Vereinigung der Bürgerinitiativen für eine menschengerechte A281" sitzen Norbert Breeger, Günter Jüchter, Jens Körber und Hartmut Sturhann in der Runde. Sie sind praktisch die Vertreter der Klage-Seite. Ihr kurzfristiges Ziel ist es, den jetzigen Autobahntorso über eine vierspurige Rampe an die Neuenlander Straße anzubinden. Mittelfristig treten sie dafür ein, den Autobahnring unter dem Flughafen hindurch zur A1 zu schließen. "Nur das wird den Anforderungen der nächsten Generation gerecht."

Beinahe deckungsgleich sind die Aussagen des Beirats und Ortsamts Neustadt. Ortsamtsleiter Klaus-Peter Fischer sowie die Kommunalpolitiker Ingo Mose (Grüne) und Reinhard Nierentz (SPD): "Der Beirat Neustadt hält es für unverzichtbar, die Planungen für den Bauabschnitt 2/2 mit denen für den Abschnitt 5 inhaltlich und zeitlich zu verknüpfen." Ortsamt und Beirat Obervieland schließlich betonen außerdem: "Im Vordergrund steht der Lärmschutz für die Anwohner." Ortsamtsleiter Ingo Funck vertritt den Stadtteil gemeinsam mit Erich Peters (SPD) und Volkhard Sachs (CDU).

Wirtschaft und Handelskammer:Die Unternehmen im Güterverkehrszentrum wollen vor allem eine schnelle Lösung. In der Stellungnahme der GVZ-Entwicklungsgesellschaft lautet es an erster Stelle: Mit einem Provisorium solle der Verkehr ampelfrei von der jetzigen Autobahn auf die Neuenlander Straße fließen. Hier deckt sich das Wirtschafts- mit dem Bürgerinteresse. Das GVZ wird durch Ralf Langhorst vom gleichnamigen Logistikunternehmen und Jens Engelmann von Hellmann vertreten. Für die Handelskammer sitzen Airbus-Chef Kai Brüggemann und Olaf Orb am Tisch. Die Kammern bringen einen zusätzlichen Aspekt in die Diskussion, der mit den zentralen Aufgaben der Runde nichts zu tun hat: Sie weisen darauf hin, dass eine Lösung notwendig ist, um dann zügig einen Investor für den Wesertunnel zu finden.

Verkehrs- und Wirtschaftsbehörde, Autobahnplaner:Die Behörden äußern sich in diesem Stadium der Beratungen eher zurückhaltend. Die Verkehrsbehörde, vertreten durch Abteilungsleiter Thomas Wunderlich und Sprecher Michael Ortmanns stellt fest: zügig und anwohnerverträglich muss der Ringschluss erfolgen. Das Wirtschaftsressort - hier sind Abteilungsleiter Dirk Kühling und Büroleiter Holger Bruns abgeordnet - betont: Bremen brauche eine zügige, rechtssichere Lösung, die auch vom Bund mitgetragen werde.

Über Jahre hat die GPV die A281 in Bremen geplant. Inzwischen ist die Gesellschaft in der Deutschen Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH aufgegangen, kurz Deges. Die Fachleute Andreas Irngartinger und Jörn Kück übernehmen am runden Tisch eine beratende Funktion, mit abstimmen können sie nicht.

Fraktionen der Bürgerschaft:Die Fraktionen sind mit je einem Abgeordneten dabei. Maike Schaefer (Grüne) betont, dass auf Querspange und Monsterknoten vor Huckelriede auf alle Fälle verzichtet werden müsse. Jürgen Pohlmann (SPD) erwartet, dass das GVZ endlich angebunden wird und die neue Autobahn außerdem die Wohngebiete im Süden entlastet. Heiko Strohmann (CDU), sagt: "Wir setzen uns dafür ein, dass die Bremer Unternehmen eine verlässliche Perspektive erhalten, um Abwanderungen von Betrieben und Arbeitsplätzen zu verhindern." Magnus Buhlert von der FDP legt einen Schwerpunkt auf die Entlastung der Anwohner im Bereich der Georg-Wulff-Straße und die Linke, vertreten durch Peter Erlanson, stellt klar, dass ihrer Ansicht nach die Privatgrundstücke der Familien Plate und Wähmann an der Neuenlander Straße nicht angetastet werden dürfen.

Gestern befassten sich die Teilnehmer mit Trassenvorschlägen. Inzwischen umfasst die Liste knapp ein Dutzend Varianten. Das schließt zum einen die bereits geplante Version ein, aber auch die Wunsch-Varianten der Bürgerinitiativen, die sich eine gemeinsame Planung mit dem sogenannten 5. Bauabschnitt in Richtung Brinkum wünschen. Selbst die sogenannte Nordvariante auf der Neuenlander Straße, die vor rund 15 Jahren erstmals in der Debatte auftauchte und inzwischen seit zehn Jahren wieder verschwunden ist, kommt formal erneut ins Spiel. Denn: Laut Deges-Planer Jörn Kück ist dies die Version, die sich am ehesten mit dem geltenden Flächennutzungsplan deckt. Die Teilnehmer haben sich Hausaufgaben verordnet: Sie wollen sich bis zum kommenden Mittwoch Gedanken darüber machen, welche Möglichkeiten von vornherein ausscheiden. Die nächste Sitzung beginnt am 16. Februar, um 17 Uhr, in der Bürgerschaft.

Im Zentrum der Diskussionen stand am frühen Abend zunächst auch die Frage, nach welchen Kriterien die Lösungsmöglichkeiten bewertet werden sollen. Mehr als 60 Faktoren stehen zur Auswahl. Moderator Hans-Christoph Hoppensack filterte gemeinsam mit den Anwesenden die Aspekte heraus, die tatsächlich zum Tragen kommen sollen. Dabei geht es zum Beispiel um die Frage, welche Auswirkungen die jeweiligen Trassen auf die ansässigen Unternehmen haben - vom Bäcker in Huckelriede über Airbus bis hin zu den Speditionen im Güterverkehrszentrum. Es geht auch darum, welche Folgen die unterschiedlichen Varianten auf den Verkehr im Umfeld vorhersehen lassen, wie sich der Lärm entwickelt und welche Grünflächen versiegelt werden. Ingo Mose wies zum Beispiel darauf hin, dass sich die Autobahn seiner Ansicht nach auch städtebaulich einfügen muss. "Wir dürfen die Stadt an dieser Stelle nicht verhunzen."

Die aktuellen Ergebnisse des runden Tisches und die allgemein zugänglichen Planunterlagen sind im Internet unter www.bauumwelt.bremen.de unter Aktuelles, Projekte und dann Autobahneckverbindung zu finden.

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