Kleingartenverein „Zum Kuhhirten“ wehrt sich gegen Abwasser-Tanks / Alternativen zur Sickergrube gesucht Diskussion um ökologisches Örtchen

Ein pikantes Problem beschäftigt Gärtner, die eine Parzelle bewirtschaften: Wohin mit den Hinterlassenschaften auf dem "stillen Örtchen"? Eine Anbindung an die Kanalisation gibt es nicht. Seit 2012 bietet der Landesverband der Bremer Gartenfreunde eine Lösung an: Nun sind Abwassertanks erlaubt, die abgepumpt werden müssen. Doch auf dem Stadtwerder regt sich dagegen Widerstand. Der Verein "Zum Kuhhirten" kritisiert die hohen Kosten und befürchtet, die Kleingärten könnten dadurch langfristig zu Bauland werden.
30.05.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Karin Mörtel

Ein pikantes Problem beschäftigt Gärtner, die eine Parzelle bewirtschaften: Wohin mit den Hinterlassenschaften auf dem "stillen Örtchen"? Eine Anbindung an die Kanalisation gibt es nicht. Seit 2012 bietet der Landesverband der Bremer Gartenfreunde eine Lösung an: Nun sind Abwassertanks erlaubt, die abgepumpt werden müssen. Doch auf dem Stadtwerder regt sich dagegen Widerstand. Der Verein "Zum Kuhhirten" kritisiert die hohen Kosten und befürchtet, die Kleingärten könnten dadurch langfristig zu Bauland werden.

Neustadt. Eine Toilette mit Wasserspülung im Kleingarten? Diesen Luxus haben sich mittlerweile über 100 Bremer gegönnt, die in einem Kleingartenverein Mitglied sind. Denn seit 2012 hat der Landesverband der Bremer Gartenfreunde in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung die rechtlichen Voraussetzungen dafür geschaffen, dass Abwasser in großen Tanks gesammelt werden darf, die dann je nach Bedarf geleert werden müssen. Die Gartenfreunde haben sich zuvor mit Trockentoiletten beholfen, in die Mulch eingestreut wird und die über den Kompost zu Erde verarbeitet werden. Oder mit Sickergruben, die heute verboten sind, weil sie das Grundwasser verschmutzen.

Die Freude der einen über die neue Entsorgungsmöglichkeit von Abwasser ruft bei manchen Kleingärtnern jedoch auch Bedenken hervor. Der Verein "Zum Kuhhirten" auf dem Stadtwerder lehnt sich nun als einziger Bremer Kleingartenverein gegen die Abwassertanks auf. Die Begründung: Es gebe ökologisch einwandfreie Alternativen, die ohne Wasser und teure Installationskosten von etwa 2000 Euro auskommen. Die Kleingärten würden außerdem durch die Tanks zu teuer, sozial Schwächere könnten sich diese dann nicht mehr leisten. Aus diesen und weiteren Gründen fürchten die Gegner der neuen Abwasser-Entsorgung sogar um ihre Existenzberechtigung als Kleingärtner: "Wir glauben, dass die Tanks im Konflikt mit dem Bundeskleingartengesetz stehen", sagt Viola Eilts, die einen Garten im Verein "Zum Kuhhirten" hat. Denn wenn sich eine regelmäßige Abwasserentsorgung in den Gärten erst einmal etabliert habe, sei nur noch schwer nachzuweisen, dass die Lauben nicht zum dauerhaften Wohnen geeignet seien. "Doch genau das fordert das Gesetz ein, sonst verlieren wir den besonderen Schutz, den es uns bietet", so Eilts.

"Die Pacht kann deutlich steigen, wenn uns nichts mehr von einem Wochenendhausgebiet unterscheidet", meint Maike Hildebrand. Die fehlende Abwasserentsorgung sei bislang einer der größten Unterschiede gewesen. Außerdem sei vorgeschrieben, dass die Kleingärten möglichst günstig sein sollen, damit auch ärmere Menschen sich einen Stück Land leisten können.

Wenn die Kleingärten aufgrund dieser Tatsachen nicht mehr als solche anerkannt werden sollten, bedeute dies nach ihren Recherchen, dass aus einer planungsrechtlichen Grünfläche dann Bauland werde. Einhergehend mit dieser Befürchtung betrachtet sie auch die besondere Situation auf dem Stadtwerder: "Die Handelskammer und die Bauwirtschaft haben oft genug betont, dass sie Interesse an den Kleingartengebieten als Bauland haben", so Hildebrand.

Landesverband weist Kritik zurück

Angesichts dieser Horrorszenarien stehen dem Vorsitzenden des Landesverbandes der Bremer Gartenfreunde fast die Haare zu Berge: "Das ist Angstmache und hat mit der Wirklichkeit nichts zu tun", sagt Hans-Ulrich Helms. Wenn die Zulassung der Tanks derartige rechtliche Folgen hätte, hätte der Landesverband sich niemals dafür stark gemacht, versichert er. "Das ist alles gemeinsam mit der Stadt erarbeitet und abgesichert, da wird es auch keine Pachtzinserhöhung geben und das Bundeskleingartengesetz bleibt gewahrt", betont Helms. Die Sprecherin des Senators für Bau, Umwelt und Verkehr, Gudrun Eiden, bestätigt zudem, dass "der Status des Kleingartens sich durch die Zulässigkeit der Fäkaliensammelgruben in bauordnungsrechtlicher Hinsicht nicht geändert hat." Die Tanks müssten beantragt werden und die Entsorgung des Inhalts durch einen Fachbetrieb werde überprüft.

Helms ärgert sich darüber, dass nach vierjähriger Planungsphase, Mitgliederinformationen und demokratischer Abstimmung mit den Delegierten der Kleingartenvereine nun eine Diskussion aufkommt, die seiner Ansicht nach auf falschen Tatsachen beruht. "Wir haben daher beschlossen, obwohl bereits alles gesagt worden ist, nochmals zu einer weiteren Mitgliederversammlung einzuladen, um die letzten offenen Fragen zu klären", sagt Helms.

Aus seiner Sicht bedeuten die Abwassertanks einen Fortschritt: "Wir leben im Jahr 2013, da sollte niemand mehr dazu gezwungen sein, eine Mulchtoilette zu benutzen." Es werde aber niemand gezwungen, sich einen Tank einbauen zu lassen. Die Übernahmekosten für nachfolgende Gärtner müssten allerdings geregelt werden. Viele Kleingärtner seien froh gewesen, endlich eine hygienische Alternative zu den illegalen Sickergruben zu bekommen. "Wir wollen natürlich auch nicht zurück zur Sickergrube, sondern wollen am Sonntag über Alternativen aufklären, die ohne die Abwassertanks auskommen und trotzdem umweltverträglich sind", erklärt Eilts.

Am Sonntag, 2. Juni, ab 11 Uhr , findet im Vereinsheim des Kleingartenvereins "Zum Kuhhirten", Auf den Bleichen 15, der Vortrag "Toiletten im Kleingarten, umweltgerechte Lösungen, praktisch umgesetzt" statt. Der Eintritt ist frei.

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