Brückenspringer DLRG musste mehrere Verletzte versorgen

Neustadt·Obervieland. Die Brückenspringer am Deichschart gehören im Sommer genauso zum Bild des Werdersees wie überquellende Mülltonnen. Hauptsächlich Jugendliche verwechseln den Fußgängerübergang mit einem Sprungturm - und verkennen dabei die Gefahren.
19.07.2010, 06:51
Lesedauer: 3 Min
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Von Christian Meyer

Neustadt·Obervieland. Lässig schwingen sich Nadine und Monique über das Geländer der Deichschartbrücke. Gleich wollen sie die etwa vier Meter in die Tiefe springen, um sich im Werdersee abzukühlen. 'Achtung, Polizei', ruft Monique und klettert über die Brüstung, Nadine kommt hinterher. Als der Streifenwagen aus dem Blickfeld der Mädchen ist, kraxeln die Neustädterinnen wieder zurück.

Die Brückenspringer am Deichschart gehören im Sommer genauso zum Bild des Werdersees wie überquellende Mülltonnen. Hauptsächlich Jugendliche verwechseln den Fußgängerübergang mit einem Sprungturm - und verkennen dabei die Gefahren. 'Der Werdersee ist nur etwa zwei Meter tief', sagt Stefan Mau von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). 'Springen ist sehr gefährlich. In diesem Sommer gab es schon Verletzte.'

Monique und Nadine scheint das wenig zu kümmern. 'Was kann schon passieren', fragen sie. Schließlich würden sie immer in der Mitte der Brücke springen, also dort, wo das Wasser am tiefsten ist. 'Außerdem ist es am Strand langweilig', findet Monique. 'Da gibt es nichts. Da sind nur die Kinder', wirft Nadine ein. Dann beginnt Monique einen Countdown zu zählen. Bei drei stoßen sie sich vom Geländer ab und landen einen Augenaufschlag später mit einem lauten Platsch im Wasser. Für kurze Zeit ist es erschreckend ruhig. Doch dann durchbricht das Glucksen und Lachen der Teenager die Stille. 'War cool, ne', ziehen sie sich schnaufend an Land.

Astrid, die mit drei Freunden gerade ein Kubb-Spiel aufbaut, findet es nicht langweilig am See. Sobald es warm ist, kommen sie fast jeden Tag hierher. 'Hier ist es viel angenehmer als am Osterdeich. Es gibt mehr Schatten.' Viel auszusetzen am Werdersee hat das Quartett nicht. Nur eines: Die Toilettenhäuschen könnten besser sein, und 'ein Beachvolleyballfeld wäre cool.'

Wenige Meter von den Brückenspringern haben es sich Emmi und Lukas auf einem Steg bequem gemacht. Neben ihnen glänzt eine der Badeinseln, die am Sonnabend die Weser kurzzeitig in ein rotes Meer verwandelt haben. 'Wir üben hier für die Badeinselregatta', erklärt die 20-jährige Emmi. 'Im Moment ist es eher mentales Training', korrigiert Lukas sie. Irgendwann werde man sich aufs Wasser wagen. Schließlich hätten sie ehrgeizige Ziele: 'Wir wollen Erster werden', meint Emmi und kann ihr Lachen nicht unterdrücken. 'Okay, ein Platz unter den ersten Drei wäre auch schön.' Das hat nicht ganz geklappt, aber immerhin hat das Duo einen beachtlichen achten Platz bei den Mixed-Teams belegt.

In der Nähe des Sandstrands hat sich Jan List auf einer Decke niedergelassen: 'Ich werde gleich ins Wasser springen.' Ganz sicher scheint sich der 40-jährige Neustädter nicht zu sein, denn noch liegt er vollständig angezogen herum. Etwa dreimal in der Woche komme er hierher. Wirklich einladend finde er es aber nicht: 'Zu viel Dreck und Müll.' Oft sammle er auf dem Weg zum Wasser die eine oder andere Flasche ein. 'Aber das ist ein verlorener Kampf.'

Das Herz des Werdersees ist der Bereich rund um das DLRG-Häuschen. Ziehen Wolken auf, werden die Lücken auf den Wiesen größer. Verziehen sich die Wolken, werden Liegeplätze zum raren Gut. Die Beliebtheit hat einen Grund: Hier ist die einzige offizielle Badestelle des See. Stefan Mau von der DLRG rät, auch nur hier ins Wasser zu gehen. Alle anderen Bereiche werden nicht überwacht. Im Notfall sei dort eine Rettung schwierig.

Einfach super zum Schwimmen

Leon kommt gerade aus dem Wasser und hat sich ein Handtuch übergeworfen. Das hat er auch bitter nötig. Seine Lippen sind violett. Erst in der Sonne kehrt wieder Farbe in Leons Lippen zurück. 'Das Wasser hier ist schön flach und warm. Einfach super zum Schwimmen', bringt der Zehnjährige aus dem Peterswerder auf den Punkt, warum er so gerne an den Werdersee kommt. 'Wir sind gerade jeden Tag hier', sagt Leons gleichaltrige Freundin Emma. 'Wir machen nämlich einen Segelkursus.'

Eine gute Gelegenheit für Leons Mutter Nina Gerlach, ihren Sohn vormittags beim Kursus abzuliefern und ihn nachmittags wieder abzuholen. 'Da bleib ich natürlich noch ein bisschen hier.' Gerlach schätzt besonders die tolle und natürliche Seeatmosphäre. 'Das ist wie Urlaub hier.' Ihr falle nichts ein, was sie störe. Dafür weiß Leon ein Sache, die er so richtig doof findet: 'Der Müll und die Scherben. Ich bin schon zweimal in Glas getreten.'

Auch Stefan Mau kennt das Problem. 'Wir hatten dieses Jahr mehr Verletzungen durch Müll als durch unvorsichtiges Schwimmen.' Es sei eine Unart geworden, leere Flaschen wegzuwerfen. Beim Umweltbetrieb Bremen ist der Unmut ebenfalls groß. 'Es ist gigantisch', beschreibt eine Mitarbeiterin die Müllmengen, die täglich weggekarrt werden müssten.

Und das, obwohl viele Eimer aufgestellt sind und an der Deichschartbrücke zusätzliche Müllbeutel hängen. 'Die Leute sollen ihren Abfall mit nach Hause nehmen.' Größere Müllgefäße könnten keine Lösung sein: 'Das wäre für viele eine Einladung, ihren Hausmüll dort zu entsorgen.' Im August versuchen Umweltbetrieb, Umweltbehörde, Ortsamt und Polizei an einem Runden Tisch eine Lösung für das stinkende Problem zu finden.

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