Rose Gerdts-Schiffler und Axel Petermann servieren kriminalistische Realität und faktenbasierte Fiktion

Doppelte Krimispannung im Rathaus

120 Gäste kamen anlässlich des Weltfrauentages ins Schwaneweder Rathaus. Geboten wurde ihnen eine literarische Melange aus realen Ermittlungsarbeiten und kriminalistischer Fiktion. Spannung pur. Bisweilen offenbarten die Geschichten erschreckende menschliche Abgründe.120 Gäste kamen anlässlich des Weltfrauentages ins Schwaneweder Rathaus. Geboten wurde ihnen eine literarische Melange aus realen Ermittlungsarbeiten und kriminalistischer Fiktion. Spannung pur. Bisweilen offenbarten die Geschichten erschreckende menschliche Abgründe.
10.03.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Christian Pfeiff
Doppelte Krimispannung im Rathaus

Profiler Axel Petermann berichtete seinen Zuhörern, dass seine Arbeit darin besteht, Tat und Fundstücke am Tatort in einen plausiblen Zusammenhang zu bringen.

Christian Kosak

120 Gäste kamen anlässlich des Weltfrauentages ins Schwaneweder Rathaus. Geboten wurde ihnen eine literarische Melange aus realen Ermittlungsarbeiten und kriminalistischer Fiktion. Spannung pur. Bisweilen offenbarten die Geschichten erschreckende menschliche Abgründe.

Dass das weibliche Geschlecht bei Veranstaltungen zum internationalen Frauentag im thematischen Mittelpunkt steht ist offensichtlich. Dass ihm hierbei eine Position als Mörderin oder Mordopfer zukommt, ist indes eher ungewöhnlich – im Rahmen der Berichte des bekannten Kriminalisten, Profilers und Autoren Axel Petermann jedoch der Regelfall. Er gastierte auf Einladung der Schwaneweder Gleichstellungsbeauftragten Dörthe Klepper im Rathaus, um gemeinsam mit der Bremer Kriminalautorin Rose Gerdts-Schiffler ein literarisch-kriminalistisches Doppel zwischen Fiktion und Realität darzubieten.

Petermann schreibt Tatsachenberichte aus seinem Berufsleben als polizeilicher Fallanalytiker. Für den Abend in Schwanewede hatte er exemplarische Fälle zwischengeschlechtlicher Tötungsdelikte ausgewählt. „Unsere Arbeit besteht darin, die Tat und die Fundstücke am Tatort in einen plausiblen Zusammenhang zu bringen“, berichtete Petermann den rund 120 Zuhörern. Dies sei nicht immer allzu schwierig: „Im Regelfall töten Männer andere Männer. Die Gründe für solche Taten sind jedoch zumeist so offensichtlich, dass es aus der Sicht eines Autors kaum lohnenswert erscheint, diese Fälle noch einmal literarisch aufzuarbeiten.“

Die von Petermann geschilderten und anhand von Tatortfotos illustrierten Tötungsdelikte führten die Ermittler hingegen in Bereiche sexueller Perversionen. Mit berufsbedingter Detailakribie schilderte Petermann Fälle, bei denen die Ermittler einem Lustmörder auf die Spur kamen, der seine Opfer willkürlich auswählte, um durch seine Tat sadistische Sexualfantasien auszuleben.

Ein anderer Fall schilderte die Geschichte eines männlichen Opfers, das seine geistig zurückgebliebene Haushälterin regelmäßig sexuell bedrängte, bis sich diese mit todbringender Gegengewalt zur Wehr setzte. Obwohl sich „Sex and Crime“ als roter Faden durch die geschilderten Fälle zogen, schilderte Petermann die Ermittlungsschritte in nüchterner Sachlichkeit.

Nach der Pause folgte der kriminalistischen Realität die faktenbasierte Fiktion. Vor zwei Jahren gastierte die Bremer Kriminalautorin Rose Gerdts-Schiffler erstmalig im Rahmen des Frauentags in Schwanewede. Dabei gewann sie so viele Sympathien, dass sich viele Besucher eine Wiederholung wünschten, so Dörthe Klepper. Gerdts-Schiffler war es, die eine Doppellesung vorschlug.

Kennengelernt hatte Rose Gerdts-Schiffler Axel Petermann berufsbedingt. Vor ihrem Start als Kriminalautorin arbeitete die Sozialwissenschaftlerin zwanzig Jahre lang als Polizei- und Gerichtsreporterin für den Weser-Kurier. Sie greift für die Entwicklung ihrer Geschichten auf langjährige praxisnahe und fundierte Faktenkenntnisse zurück.

Die Leser – oder in diesem Fall: Zuhörer - ihres im Vorjahr erschienenen Romans „Morgengrauen“ begleiten die fiktiven Bremer Polizeiermittler Frank Steenhoff und Navideh Petersen auf den Spuren zusammenhängender Fälle, welche die Ermittler nicht nur durch vier Länder, sondern auch weit in die Vergangenheit führen. Nach Litauen im Jahr 1941. Der Grund: Die Motive der aktuellen Mordfälle resultieren aus den dortigen Handlungen Bremer Polizeibataillone.

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