Am Torfkanal bleiben Wassersportler auf dem Trockenen

Dornröschenschlaf am Weidedamm

Weidedamm. Der Stand der Dinge am Torfkanal sowie die Anwesenheit von Stadtplanerin Georgia Wedler: Diese Ankündigungen auf der Einladung des Findorffer Bauausschusses genügten, um bei vielen Findorffern die Alarmglocken klingen zu lassen. Gleich zu Beginn der überdurchschnittlich gut besuchten Sitzung im Ortsamt nahm Stadtplanerin Georgia Wedler den Wind aus den Segeln: einen neuen Sachstand und konkrete Pläne könne sie nicht verkünden.
21.12.2017, 00:00
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Von Anke Velten
Dornröschenschlaf am Weidedamm

Das Bootshaus Steinforth am Weidedamm: Ein privater Investor würde das Haus gerne restaurieren und wieder zugänglich machen.

Roland Scheitz

Weidedamm. Der Stand der Dinge am Torfkanal sowie die Anwesenheit von Stadtplanerin Georgia Wedler: Diese Ankündigungen auf der Einladung des Findorffer Bauausschusses genügten, um bei vielen Findorffern die Alarmglocken klingen zu lassen. Gleich zu Beginn der überdurchschnittlich gut besuchten Sitzung im Ortsamt nahm Stadtplanerin Georgia Wedler den Wind aus den Segeln: einen neuen Sachstand und konkrete Pläne könne sie nicht verkünden. Vor zwölf Jahren war ihr Ressort mit einem Bebauungsplanentwurf für das Uferareal in Findorff durchgefallen. Doch es wächst neues Interesse, die kleine Insel auf der Findorffer Seite des Torfkanals sanft aus ihrem Dornröschenschlaf zu wecken. So lange die rechtlichen Voraussetzungen nicht geschaffen sind, bleiben die Wassersportler allerdings auf dem Trockenen.

Um den rund 7000 Quadratmeter großen Streifen zwischen der Straße am Weidedamm und dem Torfkanal ist es in den vergangenen Jahren sehr ruhig geworden. Hinter einer großen zugewucherten Brachfläche westlich vom Utbremer Ring liegen mehrere Parzellen im Winterschlaf. Brach liegt auch das ehemalige Grundstück der Bootswerft von Erich Schober: Das Gebäude und die charakteristische kleine Brücke mit den Bremer Stadtmusikanten waren im Sommer 2014 mit dem Argument der Baufälligkeit abgerissen worden. Leer und unbelebt ist mittlerweile auch die ehemalige Bootswerft von Diedrich Steinforth am Weidedamm 163. Die Familie des 1964 verstorbenen Bootsbaumeisters hatte sich noch erfolgreich der Kündigung im Zuge der Weidedamm-Bebauung in den 1990-er Jahren widersetzen können, und das Gebäude weiterhin für einen Tischlereibetrieb und als Lager- und Wohnraum gepachtet. Im November 2016 hatte der Bremer Unternehmer Carsten Klapproth vor dem Findorffer Bauausschuss sein Interesse an dem Grundstück in bester Wasserlage angemeldet: Er wolle das stark sanierungsbedürftige Haus erwerben, restaurieren und als Bootshaus mit Einliegerwohnung nutzen. Laut Klapproth hat das Bremer Landesamt für Denkmalpflege ein interessiertes Auge auf das geschichtsträchtige Stück Findorffer Historie geworfen. Das Sitzungsprotokoll vermerkt, dass der Ausschuss seinen Plänen „wohlwollend“ gegenüber stand. Doch seitdem sei das Projekt kein Stück vorangekommen, berichtete die Ehefrau des potenziellen Investors bei der aktuellen Sitzung. Das Angebot stehe nach wie vor – doch man habe keinerlei Neuigkeiten aus der Behörde.

Mit Ausnahme des knapp 1800 Quadratmeter großen Areals um das Bootshaus Bolte, das sich in Familienhand befindet, gehören sämtliche Grundstücke zum sogenannten „Sondervermögen Infrastruktur“ der Freien Hansestadt Bremen, das beim Senator für Umwelt, Bauen und Verkehr angesiedelt ist. Wie viele Pächter es gibt, wie lange ihre Verträge laufen, und wie die Stadt danach damit verfahren möchte: All das ist in der Behörde aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht zu erfahren. Von einer „wilden Gemengelage“ von genutzten und aufgegebenen Kleingärten, Wochenend- und Wohnhäusern sprach die Stadtplanerin. Mit ihrem letzten Versuch, planungsrechtlich Ordnung auf der kleinen Insel am Weidedamm zu schaffen, war die Baubehörde 2006 auf großen Protest gestoßen. Die Stadtplaner stellten sich ein Sondergebiet „Wassersport am Torfkanal“ vor, das eine geringe Bebauung, die Nutzung durch Wassersportvereine, viel Grün, aber auch gastronomische Angebote vorgesehen hatte. Eine Gruppe von Anwohnern übersetzte das als „Schlachte II“, prophezeite Lärm, Verkehr und Trubel, legte schriftlich Widerspruch ein und kippte das Projekt im Anfangsstadium. Daraufhin habe man sich „nicht noch einmal verhauen“ lassen wollen, so Wedler. Hohe Priorität habe die Entwicklung dieses Areals für die Baubehörde derzeit nicht – mit den Bereichen Schulausbau und Flüchtlingsunterkünfte sei man ausreichend ausgelastet. Allerdings: „Eine Grünfläche neben einer riesigen Grünfläche“ sei auch nicht das, was sich die Stadtplanung unter einer sinnvollen Nutzung vorstelle. Grundsätzlich könne sie sich auch Wohnen in dieser privilegierten Lage vorstellen, erklärte die Stadtplanerin auf Nachfrage. „Darüber muss man sprechen. Ich würde da offen herangehen“.

Das Areal erwachte zum Leben, nachdem der Torfhandel versiegte. Tatsächlich könne der Torfkanal als eine der „Keimzellen des Bremer Wassersports“ bezeichnet werden, erklärt Karl-Heinz Hoffmann, der vor drei Jahren im Eigenverlag eine ausführliche Abhandlung über die Geschichte der Bootswerften am Torfkanal herausgab. Mit Beginn der 1920-er Jahre entstanden am Weidedamm diverse Werften, Bootshäuser und kleine Gaststätten. Die Namen talentierter Bootsbaumeister wie Bremermann, Bolte, Langer, Steinforth oder Meyer sind vielen Findorffern noch ein Begriff. Hoffmann erinnert sich an Zeiten, als es in fast jeder Findorffer Familie ein kleines Boot gab.

Den Wassersport wiederbeleben: Das hat sich der „Wander-Kanuverein am Torfkanal e.V.“ (WKT) vorgenommen. Der junge Verein mit rund 30 Mitgliedern, gegründet Ende 2015, möchte vor allem Kinder und Jugendliche für den Wassersport begeistern. Seit dem Frühjahr 2016 darf der Verein eine der Garagen auf dem Bolte-Gelände als Bootshaus nutzen. Kürzlich kam die überraschende Kündigung: Zum 31. März muss die Garage mit Stegzugang geräumt werden. Auf der Suche nach einer alternativen Bleibe für die Vereinsboote gebe es „offiziell keine vernünftigen Antworten“, sagt die Vereinsvorsitzende Iris Eggeling. „Keiner weiß, wem hier was gehört und wer zuständig ist.“

Auf dem privaten Grundstück der Familie Schwenke, ein paar hundert Meter kanalaufwärts, wäre Platz. Bereits im August 2016 hatte sie die Baubehörde gebeten, einen Kanu-Verleih mit kleinem Kiosk zu genehmigen, berichtet Manuela Schwenke. Zwei Tage vor der geplanten Eröffnung im April dieses Jahres kam die behördliche Ablehnung. Auch hier, am Weidedamm 209, habe der Wassersport eine fast jahrhundertelange Geschichte, erklärt sie. Bis in die 1990-er Jahre wurde der kleine Hafen mit Steganlage von Vereinskanuten genutzt. „Wir würden das hier gerne wieder aufleben lassen“, sagt die Findorfferin. „Aber wir wissen überhaupt nicht, was wir dürfen oder nicht.“ Am Torfkanal vor der Findorffer Haustür herrschten ideale Bedingungen zum Paddeln, sagt Iris Eggeling und fragt sich: „Warum können wir das nicht besser nutzen?“. Auch für CDU-Beiratsmitglied August Kötter ist das unverständlich. Der Wassersport habe in Findorff nicht nur eine lange Tradition. Die Förderung des „sanften Tourismus“ sei auch der Grundgedanke bei der aufwendigen Sanierung des Torfhafens gewesen. „Schließlich wurde der Torfhafen vor elf Jahren genau dafür gebaut und durch EU-Mittel gefördert, damit sich Boote hier bewegen können.“

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