Ab 2022

Kreuzung am Doventor wird umgebaut

Die nächste Großbaustelle: Die Kreuzung am Doventor wird ab 2022 für mehrere Millionen Euro umgebaut. Die Verkehrsbehörde prüft derzeit die Varianten. Es soll mehr Platz für den Rad- und Fußverkehr geben.
27.07.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Kreuzung am Doventor wird umgebaut
Von Pascal Faltermann
Kreuzung am Doventor wird umgebaut

Mehrere Fahrspuren für die Autos – Fußgänger und Radfahrer teilen sich aber schmale Wege. Das soll sich am Doventor ändern.

Christina Kuhaupt

An zentraler Stelle steht Bremen eine weitere Großbaustelle bevor. Der Doppelknoten am Doventor wird laut Verkehrsressort in den kommenden Jahren neu gestaltet und umgebaut. Dafür steht eine Machbarkeitsstudie vor dem Abschluss. Es soll mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer geschaffen, den Autofahrern eine Spur weggenommen werden. Zudem führen der Wallring und die Rad-Premiumroute über die Kreuzungen. Insgesamt belaufen sich die Kosten auf mindestens drei Millionen Euro, so Gunnar Polzin, Leiter der Verkehrsabteilung im Bremer Mobilitätsressort. 2022 sollen die Arbeiten mit den Fahrradwegen starten.

Die Kreuzung am Doventor ist unübersichtlich, fast chaotisch. Autofahrer müssen sich beim Einfädeln sehr konzentrieren, um die richtige der vier Fahrspuren zu erwischen. Teilweise stehen die Fahrzeuge, die aus der Hans-Böckler-Straße kommen, quer auf den Fahrstreifen, blockieren Nachkommende. Andere versuchen, wild blinkend die Spur zu wechseln, und manchmal geht es gar nicht mehr voran.

Studie weist auf zahlreiche Kritikpunkte hin

Bei Fußgängern und Radfahrern ist die Situation nicht besser. Wenn es der Autoverkehr zulässt, heißt es, möglichst schnell über die Straßen zu gelangen. Doch nicht immer ist dort dann zwangsläufig ein Radweg vorhanden. An einigen Ecken teilen sich Fahrradfahrer und Fußgänger einen 1,5 Meter engen Weg. Eine Analyse der Mängel in der Machbarkeitsstudie zählt zahlreiche weitere Kritikpunkte auf: Schmale Seitenräume, nicht genutzte Sperrflächen oder nicht ausgezeichnete Radwege, unübersichtliche Dreiecksinseln in der Mitte der Kreuzung oder zu kleine Stehbereiche an den Ampeln finden sich an vielen Ecken. Radfahrer, die aus dem Stephaniviertel kommen und Richtung Doventor fahren, müssen an der Eduard-Schopf-Allee beispielsweise vier Straßenbahn-Gleise überqueren – das alles soll anders und sicherer werden.

Kritik an der ungünstigen Aufteilung der Fahrspuren, an der Beschilderung und insgesamt an der Verkehrsführung gab es in den vergangenen Jahren häufig vor allem aus dem Beirat. Im Verkehrsentwicklungsplan 2025 heißt es: „Der Kreuzungsbereich Doventorscontrescarpe/Daniel-von-Büren-Straße/Doventor ist bislang für Fuß- und Radverkehr eine Barriere und stellt eine unübersichtliche Verkehrsführung für den Kfz-Verkehr dar.“ Der Knoten soll daher so umgestaltet werden, dass es sichere, direkte und übersichtliche Wege für den Fuß-, Rad- und Kfz-Verkehr gibt.

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„Die Kreuzung ist sehr autoaffin gebaut worden, es fehlt ausreichender Raum für Radfahrer und Fußgänger“, sagt Sandra Reinert, Referentin für Verkehr und Projektleiterin im Team Nahmobilität der Verkehrsbehörde. Bei den Planungen für die Knotenpunkte Anfang der 60er-Jahre habe damals das Auto und der Schwerlastverkehr zu den Häfen im Mittelpunkt gestanden. Über den nördlichen Knotenpunkt (Daniel-von-Büren-Straße/Doventorscontrescarpe/Doventor) fahren laut Reinert hochgerechnet pro Tag etwa 19 500 Kraftfahrzeuge. Für den südlichen Knoten (Eduard-Schopf-Allee/Doventorstraße/Am Wall/Doventor) sind es 21.400 Fahrzeuge.

Insgesamt drei Varianten sind in der Machbarkeitsstudie durch das Planungsbüro SHP Ingenieure aufgestellt worden. Eine orientiert sich stark am derzeitigen Zustand, zwei weitere beinhalten weitergehende Ideen für eine Umgestaltung. „Diese beiden letzten Varianten sind daher auch aktuell hauptsächlich in der Diskussion“, sagt Projektleiterin Reinert. Eine Vorzugsvariante gebe es noch nicht, diese werde sich aus den Rückmeldungen und Überarbeitungen anschließend ergeben.

Öffentliche Bürgerbeteiligung am September

Das betont auch Gunnar Polzin: „Wir sprechen mit allen Beteiligten und wollen weitere Hinweise aufnehmen.“ Nach den Sommerferien starten die Diskussionen in den Beiräten. Eine öffentliche Bürgerbeteiligung ist für September geplant. Die Ziele sind in der Machbarkeitsstudie aber bereits klar definiert. Für den Fußverkehr soll es eigenständige Anlagen, relevantere Querungen mit genügend Platz an den Wartebereichen sowie kürzere Wartezeiten an den Ampeln und auf den Mittelinseln geben.

Für den Radverkehr gelten ähnliche Ziele. Hinzu kommt die Rad-Premiumroute, die vom Osterdeich und Altenwall kommend über die Straße Am Wall auf die Kreuzung Doventor und Daniel-von-Büren-Straße führt, dann über Doventorscontrescarpe vorbei am Bildungszentrum und der Erwachsenenschule in Richtung Walle verläuft. Damit werden die Arbeiten auch starten, weil es für den Wallring Bundesmittel gibt (3,8 Millionen Euro), die bis 2022 verwendet werden müssen. Die insgesamt 43 Kilometer lange Rad-Premiumroute soll Farge und Mahndorf miteinander verbinden.

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Was den öffentlichen Nahverkehr angeht, sollen die Haltestellen besser erreichbar und das Umsteigen erleichtert werden. „Der gesamte Knotenpunkt soll kompakter und übersichtlicher gestaltet werden“, sagt Polzin. Dadurch könnten Autos die Kreuzungen schneller wieder räumen und frei machen. Das Überangebot an Fahrstreifen werde verringert – es fallen Spuren weg.

Geplant ist auch, dass das ganze Erscheinungsbild der Knotenpunkte deutlich grüner, übersichtlicher und mit den Wall anlagen verknüpft wird. So werde laut Studie auch die Aufenthaltsqualität gesteigert. Die Bauarbeiten sollen insgesamt in mehreren Abschnitten erfolgen.

Das markante, denkmalgeschützten Gebäude des ehemaligen Berufsbildungszentrums an der Doventorscontrescarpe, das jetzt unter anderem das Aus- und Fortbildungszentrum für den öffentlichen Dienst in Bremen beheimatet, prägt die Umgebung der beiden Knotenpunkte. Die Fahrgäste, die hier an der Haltestelle der Bremer Straßenbahn AG (BSAG) aussteigen, wollen meist zu Ämtern, Jobcenter, der Polizei oder den Bildungseinrichtungen.

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