Drehbeginn am 24. April im Bremer Westen Dreharbeiten zum inklusiven Spielfilm „Mae goes away“

"Achtung – Klappe!“, heißt es demnächst im Bürgerpark, in der Handels­kammer und an unterschiedlichen Orten in Gröpelingen, der Überseestadt, in Oberneuland und im Bremer Umland: Ab 24. April laufen dort Dreharbeiten für den Spielfilm „Mae goes away“.
13.04.2017, 00:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Anne Gerling

"Achtung – Klappe!“, heißt es demnächst im Bürgerpark, in der Handels­kammer und an unterschiedlichen Orten in Gröpelingen, der Überseestadt, in Oberneuland und im Bremer Umland: Ab 24. April laufen dort Dreharbeiten für den Spielfilm „Mae goes away“.

„Achtung – Klappe!“, heißt es demnächst im Bürgerpark, in der Handels­kammer und an unterschiedlichen Orten in Gröpelingen, der Überseestadt, in Oberneuland und im Bremer Umland: Ab 24. April laufen dort Dreharbeiten für den Spielfilm „Mae goes away“. Er erzählt die ­Geschichte einer Frau, die mühsam versucht, sich aus der Abhängigkeit von ihrem Mann zu befreien und ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.

Verantwortlich für den rund 90 Minuten langen Streifen ist die „Compagnons Coope­rative inklusiver Film“, ein internationaler Zusammenschluss von Menschen mit und ohne Handicap, der 2014 mit „Apostel und Partner“ seinen ersten inklusiven Spielfilm produziert hatte. Das neue Filmprojekt der Gruppe stieß dabei sofort auf großes Interesse. Rund 100 Teilnehmer aus der ganzen Stadt kamen im November zum Casting. Und, so Schauspielerin und Drehbuchautorin Liz Dinh: „Wir haben keinen nach ­Hause geschickt. Das ist nicht unsere Art“, deshalb sei für jeden Bewerber schließlich die passende Aufgabe gefunden worden.

Am Drehbuch hat das siebenköpfige Autorenteam schon vorher zweieinhalb Jahre lang mit Unterstützung von Lektorin und Dramaturgin Regina Weber gearbeitet. „Da wurde nicht gerade nach Waldorf-Pädagogik diskutiert, und es sind auch schon mal Fetzen geflogen“, erzählt Regisseur und Projektleiter Jürgen J. Köster aus Walle. Auch die Zusammensetzung der Gruppe habe sich während dieses Prozesses mehrfach geändert – überwiegend seien aber Männer am Script beteiligt gewesen: „Im Grunde ist es also ein Frauenfilm, der von Männern ­gemacht wurde, es gibt viele Frauen, die ­etwas Ähnliches erlebt haben. Wir wollen diesen Frauen dabei helfen, zu sich selbst zu stehen.“

Die „Grundausbildung“ dafür haben die Darsteller mittlerweile hinter sich: Von Dezember bis März wurde intensiv mit Köster und Schauspieltrainer Christoph Jacobi ­geprobt. Dabei habe sich das Team unter anderem an Nouvelle-Vague-Regisseur Claude Chabrol orientiert, so Köster: „Der hat sich auch immer zuerst die Rollen angeguckt und an den Biografien gearbeitet.“

Intensiv sei dabei zunächst an Stimmungen gefeilt worden. Etwa an der von Hauptfigur Mae, die mit einem Imbisswagen vor Ihrem eifersüchtigen Mann Chris zu fliehen versucht: „Sie war anfangs noch extrem traurig und ist dann langsam kämpferischer geworden, nach dem Motto ‚Ich bleibe cool, ich bleibe im Ring!’“, erzählt Köster. Auch die Figur der Clara, die Mae nicht ganz uneigennützig auf ihrer Flucht begleitet, sei anfangs noch viel zu traurig gewesen und habe sich allmählich entwickelt: „Jetzt will sie Abenteuer erleben, ist aber gleichzeitig auch sehr moralisch drauf. Beide Frauen kommen erst einmal relativ stark daher, haben aber immer wieder auch mal Einbrüche.“ Die Dritte im Bunde – Escort-Dame Magda – wiederum sei deutlich abgebrühter und lasse sich von nichts so schnell aus der Bahn werfen.

Dabei hat das Team auch seine ausgesprochen vielschichtigen Hintergründe und darauf basierende Lebensanschauungen in die Rollenbiografien einfließen lassen. Die asiatischen Wurzeln von Mae-Darstellerin Liz Dinh aus der Neustadt etwa gaben den Ausschlag für angeregte Diskussionen über „die asiatische Mentalität“. Herausgekommen ist schließlich eine Figur, deren Familie als „Boat People“ nach Deutschland kam und die von ihrer Mutter vor diesem Hintergrund zu absoluter Disziplin erzogen ­wurde.

„Mae ist deshalb das Gegenteil von hysterisch“, erklärt Köster dazu und Hauptdarstellerin Liz Dinh ergänzt: „Sie ist unemotional, aber das macht es für den Zuschauer gerade interessant.“

Keine reine Komödie

Auch wenn es in der Story durchaus komische Momente gibt, eine reine Komödie soll der Film ausdrücklich nicht sein, wie Jürgen J. Köster betont: „Wir sind nicht der Meinung, dass das die Filmgattung ist, die mit Menschen mit Behinderung am besten zu machen ist.“ Der Film soll an einigen Stellen und auch tragische Szenen enthalten.

Am 24. April beginnen die Dreharbeiten, für die Regisseur Köster insgesamt vier Monate veranschlagt hat. Einerseits, weil viele im Team berufstätig sind und nur an den Wochenenden können. Es gibt aber noch einen zweiten Grund. „Eigentlich wollten wir sehr kompakt drehen. Aber die Drehs machen den Leuten so viel Spaß, deshalb wollen wir es genießen, uns Zeit dafür nehmen und währenddessen das Ganze auch reflektieren können. Dabei wollen wir bloß keine hektische Stimmung aufkommen lassen“, so Köster.

Nun werden die letzten Detailfragen geklärt – etwa ob das separate „Making-of“-Team, das die Dreharbeiten für einen eigenen Dokumentarfilm mit der Kamera begleitet, bei allen Szenen mit am Set sein soll. Und, ob bei einer Bettszene unter der Decke Boxershorts oder Jeans getragen werden.

Wie viel Spaß die gemeinsame Arbeit dem Team bereitet, zeigt ein Video von den ersten Proben im „Hart Backbord“ in Walle auf der Crowdfunding-Plattform „Startnext“. Das Vorhaben wird von der ­Initiative zur sozialen Rehabilitation und der „Aktion Mensch“ gefördert; die benötigte Fördersumme soll dabei durch die finanzielle Unterstützung einzelner möglichst gering gehalten werden. Die Kampagne läuft noch bis zum 18. April. Wer 150 Euro spendet, der kann als Dankeschön einen Tag lang als Statist bei dem Film dabei sein.

Die Kinopremiere ist für Februar im ­Kommunalkino City 46 geplant; anschließend soll der Film auch über Bremen hinaus im deutschsprachigen Raum präsentiert werden. Gerne würde das Team „Mae goes away“ auch im Fernsehen zeigen.

Weitere Informationen gibt es unter www.startnext.com/may-goes-away und unter www.compagnons-film.com.
Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+