Der Nordbremer Filmemacher Matthias Sabelhaus produziert Werbe- und Infofilme für Bremen-Airport-TV

Drehort Flughafen

Der Nordbremer Filmemacher Matthias Sabelhaus dreht Info- und Werbestreifen für Bremens Airport-TV. Nach einem Film über die anstehende Sanierung der Landebahn hat er jetzt die Eröffnungen neuer Flugverbindungen auf dem Programm. Im April hat die Turkish Airlines den Reigen eröffnet. Sabelhaus war dabei. Wir haben ihm über die Schulter geschaut.
15.05.2012, 05:00
Lesedauer: 6 Min
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Von Albrecht-joachim Bahr
Drehort Flughafen

Die Delegation von Turkish Airways steigt die Werder-Gangway herab.

Ajb

Der Nordbremer Filmemacher Matthias Sabelhaus dreht Info- und Werbestreifen für Bremens Airport-TV. Nach einem Film über die anstehende Sanierung der Landebahn hat er jetzt die Eröffnungen neuer Flugverbindungen auf dem Programm. Im April hat die Turkish Airlines den Reigen eröffnet. Sabelhaus war dabei. Wir haben ihm über die Schulter geschaut.

Vegesack·Neuenland. "Bitte, nur bis zur blauen Linie." Flughafen Bremen. Auf dem Vorfeld. Das Sicherheitspersonal hier ist unerbittlich. Nicht unbedingt was die angesprochene blaue Linie betrifft, denn die soll der Kamera-Meute offensichtlich nur als Anhaltspunkt dienen. Zwei Meter weiter dürfen es dann doch sein, bis zur nächsten Asphaltfuge. Hier stehen jetzt gut 20 Kameraleute, Schulter an Schulter, der übliche Ellenbogencheck ist programmiert. Und wer sich mit einem Schritt nach vorn etwas Luft verschaffen will, wird augenblicklich zurückgepfiffen, freundlich zwar, aber deutlich.

Für Matthias Sabelhaus nicht die besten Voraussetzungen. Er steckt zusammen mit seinem Ton-Assistenten Oliver Perrone mittendrin im Gedränge. Er wartet wie die anderen auf die Ankunft eines Fliegers aus Istanbul. Die Fluggesellschaft Turkish Airlines nimmt den Liniendienst nach Bremen auf. Heute ist der Erstflug. Sabelhaus soll das für Airport-TV filmen: Landung, Ankunft, Händeschütteln, Blumen, Pressekonferenz, Reden, Sekt und Häppchen, Austausch von Geschenken.

Aber noch heißt es warten – Standby. Denn Anflug heute ist von Südost her, das heißt, der Flieger wird plötzlich hinter den Gebäuden links hervorkommen und dabei schon auf Umkehrschub geschaltet haben. Da bleibt nichts mehr übrig von einem adlergleichen Einschweben mit qualmenden Reifen beim Aufsetzen. Was man von hieraus mitbekommt, ist nur noch Schongang am Boden. Wie eben der eine Flieger von Ryanair, der plötzlich auftaucht und die Teleobjektive hochschnellen lässt. Die aber werden gleich wieder enttäuscht abgesenkt.

Da sah es für Sabelhaus einige Wochen vorher schon ganz anders aus. Er sollte für Airport-TV einen Streifen zur Erneuerung der gut 2000 Meter langen Start- und Landebahn im August drehen. Die Flughafengesellschaft wollte über Notwendigkeit, Umfang und Zeitablauf des 5,6 Millionen Euro teuren Projektes informieren. Schließlich müssen dann mehr als 450 Flüge abgesagt und knapp 40000 Passagiere umgeleitet werden.

Auch was die eigentliche Bauphase betrifft, sollten sich die umliegenden Anwohner erkundigen können. Und Sabelhaus holte sich dafür Marco Pfleging, Leiter der Planungs- und Bauabteilung des Flughafens, ebenso vor die Kamera, wie er sich auch in Köln beim Konstruktionsbüro ACE (Airport Consulting Engineers) umschaute. Neben vielen Worten brauchte er natürlich auch Aufnahmen von der Landebahn selbst.

"Die Sicherheitsvorkehrungen auf dem Vorfeld sind dagegen Kinderkram", erinnert sich Sabelhaus. "Da draußen, da liegt dir ständig eine Hand auf der Schulter." Nein, stopp, nicht hierher, bitte nur hier, gut so, ’nen Moment noch ... Schritt für Schritt nur hat er sich damals an die Landebahn vorarbeiten dürfen. Verlieren, zum Beispiel eine kleine, und sei es eine noch so klitzekleine Schlaufe von der Kameratasche ("Die Concorde ist wegen nicht viel mehr abgestürzt") – nichts wird übersehen, keine Chance: "Die achten auf alles, was den Flugbetrieb gefährden könnte."

Außerdem, während das Sicherheitspersonal, was das Vorfeld betrifft, mit der Bundespolizei in Kontakt steht, hängen die Menschen auf dem Flugfeld an der Leine der Flugüberwachung im Tower. Von dort aus wird auch die Crew einer im Landeanflug befindlichen Maschine über "Personen auf dem Rollfeld!" informiert – "und der Kapitän gefragt, ob seine Maschine bei der Landung gefilmt werden darf".

"Das reinste Inferno"

Durfte dann auch. So wie auch ein Start. Dabei ist Sabelhaus dann aber vom Krach der Düsen wie nie in seinem Leben vorher durchgeschüttelt worden. "Da helfen auch Ohrenschützer nichts. Da wühlt sich das Brüllen durch deine Eingeweide. Das ist gefühlt das reinste Inferno." In dem letztlich gut 18Minuten langen Streifen (zu sehen auf Youtube) ist von diesem Lärm allerdings nichts zu spüren. Aber der landende Jet schaut schon recht beeindruckend aus, wie auch die Szenen, in denen ein anderes Flugzeug übers Vorfeld bugsiert wird...

Also dort, wo jetzt der Flieger aus Istanbul sehnlichst erwartet wird. Und – schwupps! – bremst der vor den Augen der wartenden Fotografen ab. Noch weit hinten auf der Landebahn, zu weit um jetzt schon lohnende Bilder zu machen, obgleich auch jetzt wieder die Kameras hochgerissen werden. Es dauert. Langsam kriecht der Airbus A320 die Landebahn entlang. Schwenkt ein in Richtung Vorfeld. Kommt näher.

Schließlich schiebt sich der Flieger durch die Lücke, die zwei Löschfahrzeuge gebildet haben, um den Neuankömmling mit Wasserfontänen zu begrüßen, taucht in den Wasserschleier ein, schiebt sich gleichsam durch einen Vorhang, erst die Nase, dann nach und nach der Rumpf, und kommt zum Stehen. Rund um Sabelhaus und Ton-Mann Perrone klickt und klackert es. Das Gedränge geht los. Die Fotografen sind auf den Punkt fixiert. Sabelhaus dagegen muss Platz haben für einen gelegentlichen Schwenk. Aber den Platz darf er sich nicht schaffen, der gedachten Linie wegen. Auch wenn er hier im Auftrag von Bremen Airport arbeitet, es gibt keine Extrawurst.

Wie auch vorher schon nicht. Nun gut. Sabelhaus hat sein Equipment erst einmal im Büro der Turkish Airlines parken können, dort die Kamera eingestellt und die Scheinwerfer bereitgelegt, während Perrone am Lautstärkepegel gebastelt hat. Auch in der Halle konnten sich dann beide frei bewegen, ohne vom Sicherheitspersonal argwöhnisch beäugt zu werden. Noch ein paar Aufnahmen von der Balustrade herab, dann wird die Presse (orangenes Leibchen) von der Sicherheit (grellgelbes Leibchen) zum Sicherheits-Check gebeten.

Hier geht es wie beim Boarding zu: Schlüssel, Uhr, Gürtel – alles Metall muss durch den Scanner. Jacke auch. Die Fototasche sowieso. Auch Sabelhaus und Co. legen ihre Ausrüstung aufs Laufband. Und wenn es unterm Detektor piept, wird man zur Leibesvisitation herausgewunken. Eigentlich schade um die Urlaubsgefühle, die jetzt – allerdings vergeblich – aufkeimen. Hinter dem Check heißt es dann wieder warten. Auch Wirtschaftssenator Günthner muss warten. Er wird die türkische Delegation mit willkommen heißen. "Meine Herrschaften, bitte ...", die Tür zum Vorfeld öffnet sich, "aber nur bis zur blauen Linie ...".

Im krassen Kontrast zum Turkish-Rot des Leitwerks wird die – "offizielle" – Werder-Gangway an die Maschine herangeschoben. Die Tür oben öffnet sich und die Kameraleute werden auf das Flugzeug losgelassen. Auch Sabelhaus schraubt seine Kamera von Stativ ab, schultert sie und mit dem Mikro-Mann an der Seite geht‘s im Laufschritt zum Flieger. Hier sind inzwischen die Fluggäste die Stufen herabgestiegen. Unter ihnen Akif Konar, Marketingchef der Turkish Airways. Händeschütteln wie gesagt, Blumen, freundliche Worte. Und Sabelhaus schiebt sich seinen Weg durch das Knäuel von Gästen, Gastgebern und Presse: Die einen wollen gut gesehen werden, die anderen wollen gut sehen.

Das Gemisch aus EU-Bürgern und Nicht-EU-Bürgern, das zwangsläufig entsteht, macht, dass man anschließend besser seinen Personalausweis zur Hand haben sollte, denn ohne gibt es keine "Einreise". Plötzlich ist der Pass-Schalter nicht nur Barriere zwischen Flugfeld und Bremen-Saal, wo der eigentliche Empfang stattfinden soll, er ist für alle Grenze zwischen Deutschland und der Türkei. Nach der Ausweiskontrolle dürfen Kameramann und Tonassistent wieder hinein und dann den Fahrstuhl hinauf in den Saal, wo die Junkers W 33 von der Decke hängt.

Eine Stunde zehn im Kasten

In Front dieser ehrwürdigen Blechkiste ist alles für eine Pressekonferenz hergerichtet: Podium, TV-Schirm, Stühle. Weiter hinten Tischchen mit allen Kostbarkeiten von den Ufern des Bosporus. Zwischen volltönenden Werbespots über die Vorzüge des Fliegens mit Turkish Airways spielt eine kleine türkische Folkloregruppe. Die Akteure treten auf. Sabelhaus geht auf Position. Die er aber immer wieder wechselt. Die Szenerie ist optisch zu starr. Er muss sich selbst bewegen, um Bewegung hineinzubringen: Ansprache Flughafenchef Jürgen Bula. Wechsel: Jetzt aus anderer Perspektive der Wirtschaftssenator. Dann der Marketingleiter von Turkish Airways. Spot auf den Austausch von Willkommensgeschenken und Mitbringseln, unter anderem Modelle des A320. Später wird Sabelhaus die Akteure noch einzeln vor die Kamera bitten. Zuerst den Wirtschaftssenator. Bula und Konar kommen später.

Sabelhaus hat eine Stunde zehn im Kasten. Daraus werden später in etwa zehn Minuten. Zehn Minuten Werbung für den Flughafen Bremen, für Turkish Airways, für Direktflüge täglich nach Istanbul. Hinzukommen werden dieser Tage noch Erstflüge der Fluglinien "Germania" und "Eurolot". Sabelhaus ist zufrieden: "Ist schon toll, diese Art zu arbeiten ist spannend." Und die Arbeit geht weiter. Er hat Ideen, möchte der Airport-Presseabteilung Vorschläge machen, überlegen, wo die Reise hingeht. "Vielleicht komme ich auch mal mit der Kamera in einen Flieger rein. Aber das wird verdammt schwer."

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