Stolpersteine werden verlegt Drei Opfer der NS-Gewalt

Ostertor/Hulsberg. Drei weitere Stolpersteine werden am Donnerstag, 2. Februar, zur Erinnerung an NS-Opfer verlegt.
31.01.2017, 00:00
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Drei Opfer der NS-Gewalt
Von Monika Felsing

Ostertor/Hulsberg. Drei weitere Stolpersteine werden am Donnerstag, 2. Februar, zur Erinnerung an NS-Opfer verlegt. Der Bauhof Mitte wird den ersten Stein wird um 12.30 Uhr am Rudolf-Hilferding-Platz vor dem Haus des Reichs setzen. Auf der Messingplatte steht der Name des Finanzbeamten Friedrich Dreyer. Ein Stolperstein für den 1943 hingerichteten Kabarettisten und Filmschauspieler Robert Dorsay wird um 13 Uhr vor dessen Geburtshaus an der Wulwesstraße 15 gesetzt. Und am Diemelweg 6 wird um 13.30 Uhr des Widerstandskämpfers Hermann Matthäi gedacht.

Beim ersten Termin wird Finanzsenatorin Karoline Linnert sprechen, und wie beim zweiten Termin sind Angehörige dabei. Die dritte Verlegung wird vom Landesvorstand der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten, begleitet. Und das von Volkrat Stampa verfasste Buch über Robert Stampa wird am gleichen Tag um 19 Uhr in der Landeszentrale für politische Bildung, Birkenstraße 20/21, vorgestellt. Der Eintritt ist frei.

Ehrenamtliche aus dem Initiativkreis Stolpersteine Bremen haben unter Leitung von Barbara Johr die Biografien der NS-Opfer recherchiert. Der Finanzbeamte Friedrich Dreyer, Jahrgang 1883, stammte aus einer zum Christentum konvertierten jüdischstämmigen Familie. 1906 hatte er seine Doktorarbeit geschrieben. Der Wiesbadener hatte im Ersten Weltkrieg gekämpft und war im November 1918 lungenkrank aus Russland nach Deutschland zurückgekehrt. Mit seiner Frau Charlotte Sophie Lisette lebte er in der Weimarer Zeit in Schwerin, ab 1934 in Bremen in der Loignystraße 29. 1935 wurde Friedrich Dreyer zwangsweise in den Ruhestand versetzt. Einige Wochen nach der Pogrom­nacht 1938 nahm er sich das Leben.

Auch Hermann Matthäi scheint keinen anderen Ausweg gesehen zu haben. Der Arbeiter, der der KPD nahestand und sich im Widerstand gegen Hitler betätigte, war 1935 in das Gefangenenhaus Ostertorwache gesperrt worden, das heute eine Gedenkstätte ist. Er soll sich am 8. Juli 1935 in seiner Zelle erhängt haben. Hermann Matthäi wurde 28 Jahre alt. Der Bahnarbeiter und Landwirtschaftsgehilfe war am 11. März 1907 in Wulmstorf im Kreis Verden als Sohn von Heinrich Matthäi und Waltraud Feuße zur Welt gekommen, hatte in Holtum-Marsch gewohnt und war 1932 zu seiner Mutter nach Klein-Mexiko gezogen.

Der in Bremen geborene Schauspieler Robert Stampa, der sich Robert Dorsay nannte, hatte sich Joseph Goebbels zum Feind gemacht. Der Propagandaminister wartete, bis ihm regimekritische Äußerungen nachzuweisen waren, und ließ ein Exempel statuieren. Seine Freiheitsstrafe wurde in ein Todesurteil umgewandelt. Robert Dorsay starb 1943 in Plötzensee unter dem Fallbeil. Ein entfernter Verwandter ist vor Jahren zufällig auf Informationen über den Künstler gestoßen und hat ein Buch veröffentlicht, dessen Titel auf einen Film mit Dorsay anspielt: „Es ging um sein Leben“.

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