'Meine Haltestelle': St.-Jürgen-Straße Drei Straßenbahnlinien vor der Haustür

Steintor. Mit vielen schönen Erinnerungen an alte Zeiten verbindet Gisela Richter die Gedanken an 'ihre' Haltestelle St.-Jürgen-Straße. Nur wenige Schritte sind es bis zu ihrer Wohnung in der Lüneburger Straße. Dort lebt die Rentnerin seit 30 Jahren. 'Die günstige Lage zur Haltestelle St.-Jürgen-Straße unterstützt meine Mobilität', freut sich Gisela Richter, die schon seit 1950 in der Östlichen Vorstadt zu Hause ist.
11.02.2010, 11:50
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Niels Kanning

Steintor. Mit vielen schönen Erinnerungen an alte Zeiten verbindet Gisela Richter die Gedanken an 'ihre' Haltestelle St.-Jürgen-Straße. Nur wenige Schritte sind es bis zu ihrer Wohnung in der Lüneburger Straße. Dort lebt die Rentnerin seit 30 Jahren. 'Die günstige Lage zur Haltestelle St.-Jürgen-Straße unterstützt meine Mobilität', freut sich Gisela Richter, die schon seit 1950 in der Östlichen Vorstadt zu Hause ist.

Die 85-jährige Rentnerin kann in die Straßenbahnen 2,3 und 10 einsteigen. Früher hielt die Linie 3 noch in der Hamburger Straße, sie verkehrt jetzt bis zum Weserwehr. Und die Linie 10 bog früher mit ihrem alten Triebwagen in die St.-Jürgen-Straße ein und fuhr zu ihrer Endstation vor die Bismarckstraße neben dem Krankenhaus für Innere Medizin.

Weil der Platz für einen Wendekreis nicht reichte, wechselte der Fahrer einfach ans Ende der Bahn, der Schaffner stellte den Stromabnehmer mittels einer Leine um und zurück ging's auf dem einen Gleis in Richtung Steintor.

Was auf der Haltestelleninsel damals fehlte, waren die elektronischen Anzeigetafeln. 'Dann lief man auf dem Haltedreieck vom Platz der Linie 2 zur anderen Seite und schaute nach der Line 3', erinnert sich Gisela Richter. 'Und wenn die zuerst kam, versuchte man mit Winken und Rennen die Haltestelle in der Hamburger Straße zu erreichen.'

Ihre Haltestelle St.-Jürgen-Straße hat in all den Jahren einige Umbauten überstanden. 'Sie ist moderner und freundlicher geworden', stellt Gisela Richter fest. So seien die beiden Kioske in ein 'ansprechendes Gewand geschlüpft'. Und was regt Gisela Richter auf? 'Mich ärgert die Gedankenlosigkeit und Bequemlichkeit so vieler Menschen, die ihre Zigarettenkippen, Papier und Glas einfach fallen lassen und sich noch im Recht wähnen, weil ja alles wieder sauber gemacht werde.

Atemlos hinter der Bahn her

Ein ganz persönliches Erlebnis verbindet Angela Thies mit der Haltestelle St.-Jürgen-Straße. Es war an einem Sonnabend. Kurz vor dem Werderspiel, die Linie 3 war vollgestopft mit Fußballfans. Angela Thies und ihre sechsjährige Tochter wollten in der Brunnenstraße in die Linie 3 einsteigen.

'Ich hatte keine Lust, in der Menge eingequetscht zu werden, und wollte vorne an der Tür stehen', erinnert sich Angela Thies. Dann passierte es: Kurz vor dem Einsteigen passierte ein kleines Missgeschick, in der Hektik des Geschehens schlossen sich die Türen der Bahn. 'Meine Kleine drinnen, ich draußen.'

Dann fährt die Bahn los. Erschrocken blickt Angela Thies noch in die ängstlichen Augen ihrer Tochter. Sie steht an der Tür, hinter ihr eine junge Frau. 'Ich hoffe, dass sie meine panischen Gesten zu deuten weiß. Sie lächelt beruhigend zurück.' Die erschrockene Mutter läuft los. 'Die Steintormeile wird zu meiner persönlichen Marathonstrecke. Ich sehe nur das Ende der Bahn, alles andere verschwindet im Nebel meiner Gedanken.'

Angela Thies rennt und rennt. Endlich ist die Haltestelle St.-Jürgen-Straße erreicht. Völlig ausgepumpt sieht die Mutter ihre Tochter wieder, die sehr ernst dasteht, aber nicht weint. 'Ein Stein fällt mir vom Herzen. Mein Atem reicht kaum aus, um mich bei der jungen Frau zu bedanken. Glücklich nehme ich mein Kind in die Arme.'

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+