Das Südtiroler Trio Ganes tritt auf der Breminale auf Drei Wassernixen aus dem Gröden-Tal

Bremen. Das Südtiroler Trio Ganes stellt am Freitag sein Album 'Rai de sorëdl' auf der Breminale vor. Sie singen auf Ladinisch - einer Sprache, die auf dem Lateinischen fußt und nur von einer kleinen Minderheit in der Dolomitenregion gesprochen wird.
30.06.2010, 16:24
Lesedauer: 3 Min
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Von Christian Emigholz

Bremen. So sehen also Nixen aus. Da sitzen drei junge Sängerinnen, die sich Ganes nennen. Elisabeth und Marlene Schuen sowie ihre Cousine Maria Moling haben ihrer Gruppe diesen Namen gegeben, und in ihrer Sprache sind damit feenähnliche Wassergeister gemeint, die sich in den Märchen der Alpenregion an Bächen und Quellen aufhalten. 'Ihre Sprache', das ist das Ladinisch, die Südtiroler Variante jener alten, auf dem Lateinischen fußenden Sprache - besagte Ganes werden von den Ladinern auch Aganes genannt, worin das lateinische Aqua anklingt. In den Tälern der benachbarten Schweiz ist das Rätoromanische das Äquivalent zu Ladinisch.

Lediglich eine kleine Minderheit in der Dolomitenregion spricht diese Sprache, die darüber hinaus ein weiteres Problem aufweist: 'Das Ladinisch kann bereits von Dorf zu Dorf unterschiedlich klingen', sagt Elisabeth Schuen. Ihre Schwester Maria ergänzt: 'Wir zum Beispiel kommen aus dem Garda-Tal. Wenn man nun über den Pass fährt, kommt man ins Gröden-Tal. Selbst Leute, die nicht Ladinisch verstehen, können da schon hören, dass sich das Ladinisch hier und dort ganz anders anhören kann.'

Und in dieser, auch für Italiener kaum verständlichen Sprache singen die drei Ganes auf ihrer CD 'Rai de sorëdl' (gerade erschienen bei Sony). Dieser Titel hat freilich nichts mit nordafrikanischem Rai-Pop zu tun, sondern bedeutet schlicht 'Sonnenstrahl'. Ist den Musikerinnen die Verständlichkeit ihrer Texte denn nicht wichtig? Elisabeth Schuen legt sich bezüglich dieser Frage eindeutig fest: 'Das Wichtigste ist uns erst einmal, dass die Gefühle vermittelt werden, und die kommen durch die Musik, da muss man nicht unbedingt den Text verstehen, und bei den Konzerten erklären wir dann schon, um was es in den einzelnen Liedern geht. Außerdem haben wir jetzt auf Facebook unsere Texte in Übersetzung stehen, denn der Wunsch, mehr zu verstehen, ist bei manchen schon vorhanden.' Maria Moling ergänzt: 'Vielleicht ist es auch ganz gut so, denn wenn man eine Sprache nicht versteht, gibt es viel mehr Raum für Fantasien.' Eben das passt den Ganes bestens ins Konzept.

Die Schuen-Schwestern und ihre Cousine haben seit Kindertagen Musik gemacht, gesungen, aber auch Geige und Gitarre gespielt. Den Entschluss zur Gründung ihres Trios haben sie aber nicht im heimischen Südtirol gefasst, sondern auf der Donau. Die drei Frauen haben nämlich den Musiker Hubert von Goisern - einst bekannt geworden als Alpenrocker, der sich aber inzwischen zum Weltmusiker gewandelt hat - bei dessen Schiffstour auf der Donau begleitet. Zunächst abwärts, ein Jahr später aufwärts. Sie haben in seiner Band gesungen und Geige gespielt. Marlene Schuen gehört schon seit 2002 zur Goisern-Band, hat dann gewissermaßen ihre Verwandtschaft dazugeholt.

Während der monatelangen Schiffsreise auf der Donau wurden das erste Lied geschrieben, im vorigen Jahr kamen weitere dazu. Hubert von Goisern sind die drei Ganes natürlich für ihre damalige Aufnahme in die Band dankbar, er ist auf diese Weise zu so etwas wie einem dauerhaften Mentor für die Sängerinnen geworden. Immerhin an vier Songs der Ganes-CD ist der Musiker direkt beteiligt, diese wurden überdies in seinem Studio aufgenommen, außerdem hat sich das Trio eine paar Musiker der Goisern-Band ausgeborgt. Die Musik von Ganes pendelt zwischen eingängiger Pop- und gelegentlich entschiedener Rockmusik, und über all dem liegt ein Hauch von Folklore.

'Auf das Folkloristische haben wir nicht bewusst geschaut', sagt Elisabeth Schuen, die eine Ausbildung zur Opernsängerin absolviert hat. 'Was allerdings mit Folklore zu tun hat, ist die Dreistimmigkeit, und damit sind wir wirklich groß geworden, denn ladinische Lieder werden meist drei- oder vierstimmig gesungen.' Die meisten der Songs sind mit Gitarre und Klavier entstanden; dazu wurden sie dann dreistimmig entwickelt. 'Der Aufbau ist durch die Dreistimmigkeit anders als bei anderen Popsongs. Wobei Dreistimmigkeit nicht heißt, dass sich nicht Solopassagen herausschälen', sagt Marlene Schuen.

Eine schöne CD haben Ganes aufgenommen. Sie beginnt mit dem ersten Sonnenstrahl des Tages, zu dem der Kaffee ans Bett gebracht wird. Und sie endet mit einem Schlaflied - eine runde Sache. Am morgigen Freitag sind Ganes um 19.30 Uhr zu Gast im Weltbühne-Zelt auf der Breminale. Am 18. Juli, 20 Uhr, konzertieren sie beim Kultursommer in Oldenburg.

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