Interview mit Michael Kümmel

Drei Wochen ohne Klagen

Positiv denken! Wer das drei Wochen lang durchhalten kann, hat bei der Aktion „Meckerfreie Zone“ der St.-Michaelis-St.-Stephani-Gemeinde Freude am Leben. Michael Kümmel erklärt das Prinzip.
10.01.2018, 17:28
Lesedauer: 3 Min
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Von Gerald Weßel
Drei Wochen ohne Klagen

Michael Kümmel wirbt dafür, eine Zeit lang positiv zu denken.

Karsten Klama

Nörgeln Sie viel?

Michael Kümmel: Ich habe durch meinen Beruf sicher eine relativ negative Sichtweise auf die Welt. Nach 39 Jahren im Strafvollzug bekommt man die leider nur allzu leicht. Deshalb sind mir auch die Steffensbühne und die dortige Arbeit mit Kindern als Ausgleich sehr wichtig. Zudem habe ich ein sehr harmonisches privates Umfeld mit meiner Familie. Und das dank meiner Ehe, meinen Kindern und Enkelkindern. Aber manchmal färbt leider doch die Negativität meines Berufes auf die ehrenamtliche Arbeit in der Gemeinde ab. Deshalb bin ich auch persönlich sehr an der Aktion „Meckerfreie Zone“ und allem, was damit verbunden ist, interessiert.

Worum geht es denn in dieser Aktion der Kirche?

Es geht darum, sein eigenes Leben zu verändern und damit das aller Mitmenschen um einen herum. 21 Tage lang versuchen, nicht zu jammern, zu klagen, zu lästern und oder zu kritisieren, lautet die Aufgabe – und das ab dem 14. Januar. Um den Fortschritt zu kontrollieren, bindet man sich ein lila Armband um das Handgelenk. Jedes Mal, wenn man gegen die gemeinsam mit allen anderen vereinbarten Regeln verstößt, wechselt es auf das andere Handgelenk. Und erst wenn das Band 21 Tage lang auf ein und demselben Arm geblieben ist, hat man es geschafft und die Herausforderung bestanden. Denn so lange braucht das menschliche Gehirn, um neue Verhaltensweisen zu erlernen.

Was soll das letztlich bewirken?

Ziel dabei ist es, das Leben harmonischer und glücklicher zu gestalten, denn durch meckern und nörgeln ändert sich nichts. Es geht darum, seine Sichtweise auf und seine Herangehensweise an Probleme zu verändern. Man soll die positiven Dinge des Lebens sehen und wertschätzen. Ich kenne es zum Beispiel aus meinem beruflichen Alltag: Bei Konferenzen reden wir über Probleme und nehmen uns vor diese zu lösen. Das passiert dann auch, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg, aber irgendetwas tut sich immer. Doch wir nehmen uns selten bis nie die Zeit, den Erfolg anzuerkennen, sondern nehmen uns sofort dem nächsten Missstand an. Wir hetzen von einer Aufgabe zur nächsten und das macht etwas mit uns.

Was tut das denn?

Wir sehen immerzu nur Probleme, den Haken oder das Hindernis oder sehen nur die Fehler der anderen Menschen. Wir nehmen das Positive nur noch unterbewusst wahr. Wir können uns gar nicht mehr richtig freuen. Wir sehen immer nur, dass was uns bevorsteht. Und das hat Folgen für unsere Umwelt. Wir beeinflussen mit diesen negativen Sichtweisen die anderen. Die berühmte Abwärtsspirale: Wir ziehen uns gegenseitig runter. Und es gibt aus Organisationen klare Beispiele dafür, dass auch nur Einzelne, die diesen Kreislauf durchbrechen, für alle einen großen Nutzen haben.

Wie sind Sie in Ihrer Gemeinde auf die Idee gekommen?

Die Idee an sich stammt von dem amerikanischen Pastor Will Bowen. Er ist der Urheber der Idee, die er in mehreren Büchern über Sichtweisen auf das Leben und Umgang mit Problemen entwickelt hat. Ich selbst wurde vor einiger Zeit darauf durch ein Wort zum Sonntag darauf aufmerksam. Darin erzählte ein deutscher Pastor davon und berichtete von seinen eigenen Erfahrungen damit. Dies brachte die Idee bei uns in der Gemeinde ins Rollen.

Wo verläuft die Grenze? Ist zum Beispiel berechtigte Kritik bei Missständen nicht mehr erlaubt und hat inhaltsloser Naivität zu weichen?

Doch natürlich, man soll nur die Art ändern, wie zum Beispiel Kritik geäußert wird. Es geht darum, wie diese geäußert wird und dass man sie mit etwas Positivem einläutet und nicht mit der negativen Tür ins Haus fällt. Es geht um das Bemühen, das Ganze positiv zu vermitteln. Der Wille die Dinge in einem anderen Licht, oder überhaupt das Licht bei vielem zu sehen, ist der Kern des Vorhabens.

Das hört sich einfach an...

Ja, aber das ist es nicht. Etwa sechs Millionen Menschen beteiligen sich derzeit weltweit an solcherlei Aktionen. Dabei brauchen sie etwa vier bis acht Monate, um das Ziel zu erreichen. Aber die die das durchgestanden haben, berichten von einer deutlich positiveren Lebenseinstellung. Der Pastor vom Wort am Sonntag ist auch noch auf dem Weg: Er wechselt das Band inzwischen nur noch dreimal am Tag.

Es ist aber schon ein klassischer Gottesdienst, oder?

Ja und nein. Es gibt natürlich eine Predigt, aber es wird alles in allem ein recht weltlicher Gottesdienst. Die Aktion steht im Mittelpunkt und nicht die Aspekte des Glaubens. Auch alle nicht gläubigen Menschen sind herzlich eingeladen, mit uns gemeinsam ihr Leben ab kommenden Sonntag positiver zu gestalten.

Das Gespräch führte Gerald Weßel.

Der Gottesdienst mit Aushändigung der lila Bänder ist am Sonntag, 14. Januar, um 18 Uhr in St. Michaelis am Doventorsteinweg 51. Mehr Informationen zur Aktion unter www.meckerfreie-zone.de.

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