Jobcenter und Paritätisches Bildungswerk

Durchstarten in ein neues Leben

Gemeinsam mit dem Paritätischen Bildungswerk bietet das Bremer Jobcenter jetzt zwei neue Maßnahmen an, die Migranten und Flüchtlinge auf das Arbeitsleben in Deutschland vorbereiten sollen.
04.12.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Durchstarten in ein neues Leben
Von Kathrin Aldenhoff
Durchstarten in ein neues Leben

Ein Programm soll sie auf das Berufsleben in Deutschland vorbereiten: Kursteilnehmer Saalim Razzak, Ulrike Brunken vom Paritätischen Bildungswerk, Sina Khaksari und Mona Al Shemry (von links).

Christina Kuhaupt

Gemeinsam mit dem Paritätischen Bildungswerk bietet das Bremer Jobcenter jetzt zwei neue Maßnahmen an, die Migranten und Flüchtlinge auf das Arbeitsleben in Deutschland vorbereiten sollen.

Wer Deutsch spricht, findet meist auch einen Job – egal ob er die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt oder nicht. „Da gibt es eine große Offenheit von den Firmen“, sagte Dagmar Gattow, stellvertretende Geschäftsführerin des Jobcenters Bremen, am Donnerstag. Gemeinsam mit dem Paritätischen Bildungswerk bietet das Jobcenter jetzt zwei neue Maßnahmen an, die Migranten und Flüchtlinge auf das Arbeitsleben in Deutschland vorbereiten sollen. Reine Deutschkurse sind das nicht, denn die anzubieten ist Sache des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf). Aber es sind Kurse, die neben Fachkenntnissen auch solche Sprachkenntnisse vermitteln, die für das Berufsleben wichtig sind.

Mona Al Shemry ist Teilnehmerin des Programmes „Vorbereitung auf Arbeit und Beruf für Migrantinnen und Migranten“. Sie kam im Jahr 2003 mit ihrem Mann und ihren zwei Söhnen aus dem Irak nach Deutschland. Auf der Suche nach einem freien Leben, wie sie sagt.

In ihrer Heimat hat Mona Al Shemry nach dem Studium als Lehrerin gearbeitet. „Hier in Deutschland als Lehrerin zu arbeiten ist schwierig wegen der Sprache“, sagt die 43-Jährige – auf Deutsch. Nach dem Integrationskurs spricht sie die Sprache gut, doch nicht gut genug, um in ihrem alten Beruf zu arbeiten, das weiß sie. Gemeinsam mit 19 anderen Teilnehmern macht sie nun seit Oktober ein Bewerbungstraining, lernt spezifische Worte und Formulierungen aus der Arbeitswelt und absolviert ein Praktikum. Sie wird sechs Wochen in einer Flüchtlingsunterkunft arbeiten. Sie will übersetzen und den Flüchtlingen, die neu in Deutschland sind, dabei helfen, sich hier zurechtzufinden. „Das ist auch mein Wunsch für die Zukunft.“

Sina Khaksari ist im gleichen Kurs wie Mona Al Shemry. Er will als Tätowierer arbeiten. Der 40-Jährige lebt seit drei Jahren in Deutschland, in seinem Heimatland Iran arbeitete er als Maskenbildner. Und Saalim Razzak, ebenfalls Kursteilnehmer, will im Bereich Informatik arbeiten. Er wurde in Italien geboren, seine Eltern stammen aus Ghana. Vor zwei Jahren kam er nach Deutschland. Der 20-Jährige wird sein Praktikum bei Siemens machen. Und er hofft auf mehr: „Vielleicht kann ich dort auch eine Ausbildung machen.“

80 Menschen nehmen nach Angaben des Jobcenters derzeit an so einem Kurs teil, nicht nur beim Paritätischen Bildungswerk sondern auch bei anderen Trägern. Außerdem hat vor Kurzem der sechswöchige Kurs „Kontur“ beim Paritätischen Bildungswerk begonnen. Das Angebot richtet sich ausdrücklich an Flüchtlinge, die noch nicht lange in Deutschland leben.

„Was können die Flüchtlinge, welche Kompetenzen und welche Abschlüsse haben sie?“

Der Kurs sei eine intensive und individuelle Bestandsaufnahme, sagte Ulrike Brunken, Geschäftsführerin des Paritätischen Bildungswerks: „Was können die Flüchtlinge, welche Kompetenzen und welche Abschlüsse haben sie?“ Ziel des Kurses sei es, eine Empfehlung für den zukünftigen Weg zu geben, die Weichen zu stellen für das Leben in Deutschland. Außerdem bekommen die Teilnehmer Informationen über den deutschen Arbeitsmarkt: Sie lernen beispielsweise, wie ein Vorstellungsgespräch in Deutschland abläuft, wie Arbeitsverträge aufgebaut sind und was Gewerkschaften sind. 18 Plätze gibt es bisher im Kurs Kontur, 90 weitere Plätze in zwei ähnlichen Maßnahmen.

Nur wer erwerbslos ist und Leistungen vom Jobcenter – also Hartz IV – bezieht, kann an den beiden Maßnahmen des Paritätischen Bildungswerks teilnehmen. Hartz IV bekommen Flüchtlinge erst, wenn ihnen Asyl gewährt wurde, nicht während des Asylverfahrens. Für viele Flüchtlinge bieten die Kurse also noch keine Möglichkeit, schneller ins Berufsleben zu kommen.

Bayern sei das einzige Bundesland, das Flüchtlingen bereits während des Asylverfahrens Deutschkurse finanziere, sagte Dagmar Gattow. Sie regte an, überall so früh wie möglich mit Deutschkursen für Flüchtlinge zu beginnen. „Je früher wir damit anfangen, desto besser ist es für die Menschen.“ Für die Vermittlung auf den Arbeitsmarkt seien gute Deutschkenntnisse sehr wichtig, in Wort und Schrift. Deshalb habe das Jobcenter ein großes Interesse daran, dass Migranten und Flüchtlinge möglichst schnell gute Deutschkenntnisse erlangten. Bisher gehe dabei noch viel Zeit verloren. Auch wenn man versuche, die Menschen nach den Integrationskursen schnell in anderen Kursen unterzubringen.

Insgesamt gebe es in Bremen viele Angebote wie Umschulungen oder berufliche Qualifizierungskurse für Migranten und Flüchtlinge. „Wir arbeiten schon sehr lange an diesem Thema“, sagte Gattow. Denn rund ein Drittel der Hartz-IV-Empfänger in Bremen habe einen Migrationshintergrund, im September bezogen 7560 Migranten Leistungen vom Jobcenter. 1020 von ihnen stammten aus Syrien.

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