Zeina Abirached hat ihr neues Buch „Le Piano oriental“ im Institut Français vorgestellt

Dynamisches Spiel mit der Sprache

Ostertor. Die international bekannte libanesisch-französische Graphic-Novel-Künstlerin Zeina Abirached hat im Institut français an der Contrescarpe 19 ihr neuestes Werk „Le Piano oriental“ vorgestellt. Ihr Besuch in Bremen stand auch im Zeichen der Rückkehr zur Normalität nach den Anschlägen von Paris.
03.12.2015, 00:00
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Von Christian Hasemann
Dynamisches Spiel mit der Sprache

Institutsleiter Philippe Wellnitz im Gespräch mit Zeina Abirached.

Roland Scheitz

Die international bekannte libanesisch-französische Graphic-Novel-Künstlerin Zeina Abirached hat im Institut français an der Contrescarpe 19 ihr neuestes Werk „Le Piano oriental“ vorgestellt. Ihr Besuch in Bremen stand auch im Zeichen der Rückkehr zur Normalität nach den Anschlägen von Paris. Dass die Normalität allerdings noch nicht ganz zurückgekehrt ist, konnten Gäste vor allem am Eingang erkennen. Dort lag ein Kondolenzbuch aus, einige Kränze waren niedergelegt und Kerzen brannten. Wer in die Ausstellung wollte, musste klingeln – ein Zugeständnis an die Sicherheit.

Im Ausstellungsraum jedoch war der Terror kaum ein Thema, dort ging es vor allem um die Werke der 1981 in Beirut geborenen Künstlerin Zeina Abirached. Ein demonstratives Zeichen dafür, dass der Terror das tägliche Leben nicht bestimmt. Während einige Gäste die ausgestellten Comic-Seiten betrachteten, waren andere schon mit der ausgesprochen gewinnenden Autorin ins Gespräch gekommen. Und auch wer vorher noch nie etwas von Graphic Novels, illustrierten Romanen, gehört hatte, konnte sich davon überzeugen, dass dies eine ernsthafte Kunstform für Erwachsene ist. „Graphic Novels gibt es in Frankreich in jeder Buchhandlung“, sagte Philippe Wellnitz, der Leiter des Institut français. „Sie mussten dann allerdings erst einen Umweg über Amerika nach Deutschland nehmen.“ Er freue sich, dass mit Zeina Abirached eine der bekanntesten Vertreterinnen nach Bremen gekommen sei.

„Ich habe die Rede von Philippe Wellnitz vor der Bürgerschaft gehört, dort hat er auch dazu eingeladen, die Ausstellung zu besuchen“, sagte Gunnar Tödt. Ein Besuch, der sich gelohnt habe. „Für mich sind die Graphic Novels ganz neu, und ich spreche auch nur wenig Französisch, aber es ist eine Kunstform, vielleicht eine spezielle Kunstform, aber ich finde es ganz wunderbar“, sagte der Schwachhauser, der sich von der Künstlerin ein Buch für seinen Sohn, der gerade anfängt Französisch zu lernen, signieren ließ. In früheren Bänden beschrieb Zeina Abirached ihre Kindheit im vom Bürgerkrieg zerstörten Beirut. Das neue Werk „Le piano oriental“ handelt vordergründig vom Piano ihres Urgroßvaters, greift aber auf einer tieferen Ebene deutlich mehr Themen auf. So geht es vor allem auch um Sprache, ein Thema, das Zeina Abirached, die mit Arabisch und Französisch aufgewachsen ist, schon lange beschäftigt.

Inzwischen wohnt die 34-Jährige in Paris und kennt also beide Kulturen. „Das sind zwei Einheiten, die sich manchmal vermischen, aber beide auf ihrer jeweiligen Seite bleiben“, sagt Zeina Abirached. Je nach Lebensmoment entwickle sich der eine Teil oder der andere. Vor allem aber sei es die Sprache, die sich im steten Wandel befinde. „Als ich das erste Mal in Westbeirut war, was eigentlich verboten war während des Bürgerkriegs, hatte ich das Gefühl, in einem anderen Land zu sein, und habe weder Französisch noch Arabisch gesprochen, sondern Englisch.“

Sprachliche Identität sei nicht statisch, sondern dynamisch und passe sich den Lebensmomenten an. Diese Dynamik und das Spiel mit der Sprache wird auch im „Le Piano oriental“ deutlich. In den Zeichnungen, in denen die reiche arabische Ornamentalik erkennbar ist, wird die Musik zum Vehikel für die Sprache.

Die drei Pedale des Klaviers, mit denen die Tonlagen verschoben werden konnten, inspirierten die Autorin dazu, eine Geschichte über Sprache, Musik und Identität zu zeichnen und zu schreiben. Sie erzählt: „Es war sozusagen ein zweisprachiges Klavier, so wie ich zweisprachig bin, und so ist eine Arbeit über sprachliche Identität entstanden.“

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