Ehemaliger Travestie-Star Lothar Gräbs tritt auf seiner Geburtstagsgala auf

Schwachhausen. Einmal noch will es Lothar Gräbs ganz groß krachen lassen. Die Gala "Madame Lothár and friends" zu seinem 80. Geburtstag steigt am Sonntag, 27. Januar, um 17 Uhr im Intercity Hotel am Bahnhof. Der Jubilar hat Einladungskarten verschickt und sammelt Spenden für Bremens Kinder in Not. Er selbst wird einmal mehr in seiner Paraderolle zu sehen sein.
21.01.2013, 05:00
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Von Sigrid Schuer

Schwachhausen. Einmal noch will es Lothar Gräbs ganz groß krachen lassen. Die Gala "Madame Lothár and friends" zu seinem 80. Geburtstag steigt am Sonntag, 27. Januar, um 17 Uhr im Intercity Hotel am Bahnhof. Der Jubilar hat Einladungskarten verschickt und sammelt Spenden für Bremens Kinder in Not. Er selbst wird einmal mehr in seiner Paraderolle zu sehen sein.

Auch wenn manchmal Wehmut aufkommt: Gräbs, der seit einer Gefäßerkrankung im Rollstuhl sitzt, hat sich den Lebensmut nicht nehmen lassen. Unter dem Künstlernamen "Madame Lothár" betrieb der ausgebildete Tänzer 15 Jahre lang das gleichnamige Travestietheater im Schnoor, das vor vier Jahren geschlossen wurde.

Aus der Stereoanlage in seiner kleinen Wohnung an der Kulenkampffallee tönt die Ansage "Willkommen in der Wunderwelt von ,Madame Lothár’". Und die bestand aus Paillettenkostümen und Federboas, wie man sie sonst im Pariser "Olympia" findet. Nicht von ungefähr reiste Gräbs nach Paris, um bei Madame Février einzukaufen. Er ließ sich vom Karneval in Venedig inspirieren. Frenchy, die Kostümbildnerin von Zarah Leander, schneiderte Bühnenkostüme für ihn, und er selbst sang als Zarah-Double "Nachts ging das Telefon". Der Diva war er begegnet, als er in den 1960ern Geschäftsführer des Varietés "Astoria" war. Bevor ihn Elisabeth Fritz engagierte, war er Geschäftsführer des "Regina" in Hamburg und des Cafés "Imperial" am Herdentorsteinweg in Bremen gewesen. "Im ,Astoria’ habe er jeden Abend in der Vorstellung gesessen", sagt Gräbs. "Ich konnte jedes Programm auswendig."

Es folgten eigene Etablissements. Zuerst die Künstlerkneipe mit Kleinkunstbühne "Mic Mac" im Ostertor. "Bei uns hat der großartige Schauspieler Hans Falár seine Rollen gelernt. Da konnte es noch so laut um ihn herum sein. Und auch Grace Bumbry, die ja die Venus in Wagners ,Tannhäuser’ bei den Bayreuther Festspielen sang und damals auch im Theater am Goetheplatz auftrat, schaute nach ihren Auftritten regelmäßig bei uns vorbei, genauso wie die Spieler vom SV Werder Bremen." Die Oper und das Ballett sind bis heute eine Passion von Lothar Gräbs. "Früher bin ich eigens nach London geflogen, um Margot Fonteyn und Rudolf Nurejew in ,Die Kameliendame’ tanzen zu sehen", sagt Gräbs. Auch Vaclav Nijinskij habe er bewundert. "Kurt Jooss, der mein Lehrer an der Essener Folkwangschule war, wollte immer einen Choreografen aus mir machen, aber ich habe mich ausschließlich als Tänzer gesehen."

Der Schritt vom Balletttänzer zum Travestie-Star war dann gar nicht so groß, wie man vielleicht glauben könnte. "Inspiriert von den Sisters B, die Partnerinnen von Josephine Baker und Mistinguette waren und die ich im Essener Varieté ,Casanova’ kennengelernt hatte, stellte ich fest, dass es im Fummel einfach leichter ist, einen pikanten Witz zu erzählen", sagt Lothar Gräbs. In seinem eigenen Travestietheater war er als Maître de plaisir und Paradiesvogel immer mitten drin. Das Lied "Ich bin, was ich bin, und was ich bin, ist ungewöhnlich" aus dem Musical "Ein Käfig voller Narren" wirkt, als sei es für ihn geschrieben. Einen Conférencier wie in "Cabaret" wird Gräbs auch auf seiner Geburtstagsgala geben. "Dann werde ich den Song ,Nur ein Blick’ aus dem Musical ,Sunset Boulevard’ und den Titel ,Straßen von Berlin’ aus ,Bent oder der rosa Winkel’ singen."

Die Wanduhr schlägt, trotzdem scheint die Zeit still zu stehen. "Auf einmal kommt alles wieder hoch und fängt an, wieder lebendig zu werden", seufzt Gräbs und denkt an die Glanzzeiten seines Travestie-Theaters. Im "Madame Lothár" waren Heidi Kabel und Brigitte Mira aufgetreten, Helen Vita und Evelyn Künneke, Mary Roos und ihre Schwester Tina York sowie Candy Race und Sue Kramer. Einer der Lieblingstitel von Lothar Gräbs ist Edith Piafs Chanson: "Non, je ne regrette rien!" Auch Madame Lothár bereut nichts.

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