Klinikum Bremen-Mitte

Ehemaliges Schwesterwohnheim wird zum Raum für Politik und Kultur

Wer sich im ehemaligen Schwesternwohnheim des Klinikums Mitte einmietet, erhält einen Vertrag mit Laufzeit bis maximal Ende Juni 2019 und zahlt im Gegenzug dafür nur die Nebenkosten. Noch sind nicht alle Räume vergeben.
30.09.2018, 21:10
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Christiane Mester
Ehemaliges Schwesterwohnheim wird zum Raum für Politik und Kultur

Für welches Projekt passt welcher Raum am besten? Die Zwischenzeitzentrale vermittelt leerstehende Gebäude.

Mester

Fast 80 stadtnah gelegene Räume für kreative Ideen, zum Arbeiten, als Atelier, Theater-Proberaum oder Treffpunkt, stehen ab sofort auf dem Gelände des Klinikums Mitte bereit. Zum „Matchmaking“-Termin der Zwischenzeitzentrale kamen mehr als 60 Interessierte in das ehemalige Schwesternwohnheim. Wer sich einmietet, erhält einen Vertrag mit Laufzeit bis maximal Ende Juni 2019 und zahlt im Gegenzug dafür nur die Nebenkosten. Noch sind nicht alle Räume vergeben.

Nach Angaben der Zwischenzeitzentrale unterm Strich wohl mehr als 1200 Bremerinnen und Bremer, die auf der Suche nach einem Ort für verschiedenste Projekte sind. Darunter sind demnach sowohl Einzelpersonen als auch kleine und große Gruppen, die in den Bereichen Kunst, Kultur und Politik aktiv sind oder etwas auf die Beine stellen wollen.

Für sie spürt die Zwischenzeitzentrale leer stehende Objekte auf und entwickelt gemeinsam mit den Eigentümern und den potenziellen Nutzern, Konzepte für eine Zwischennutzung. Manchmal wird auch mehr daraus. Wichtig ist jedoch vor allem: Die Miete soll möglichst niedrig angesetzt sein. Denn je geringer das finanzielles Risiko, desto größer die Bereitschaft, neue Ideen auszuprobieren – so lautet die einfache Rechnung.

Ehemaliges Wohnheim wird Labor

Das ehemalige Schwesternwohnheim auf dem Gelände des Klinikums Bremen-Mitte, das der Stadt zuletzt als Flüchtlingswohnheim diente, bietet beste Bedingungen. Gezahlt werden müssen nur die Kosten für Wasser, Energie, Müllabfuhr und Telekommunikation. Das hat die Zwischenzeitzentrale mit der Geno ausgehandelt, der das Gebäude gehört. „Den Vertrag haben wir hoffentlich morgen im Briefkasten“, klärt Oliver Hasemann die Raumsuchenden beim Termin auf.

Und zur Kostenverteilung nach dem Solidarprinzip, lässt Daniel Schnier wissen: „Wer kommerziell arbeitet, zahlt mehr und unterstützt damit die Akteure, die nicht so viel Geld zur Verfügung haben.“ Je nachdem wie es läuft, sind nach diesem Prinzip Preise von null bis sechs Euro pro Quadratmeter denkbar. Der kleinste Raum misst rund neun, der größte mehr als 36 Quadratmeter. „Hulsberg Crowd – Urbanes Labor“ ist der Titel des Projekts.

Beim „Matchmaking“ werden alle Fragen geklärt: Wer braucht was, zu welchem Zweck und kann wie viel dafür bezahlen? Das Prozedere der Raumfindung läuft selbstorganisiert und ein bisschen wie beim Speeddating ab. Die Idee dazu haben Julian Essig, Oliver Hasemann und Daniel Schnier von der Zwischenzeitzentrale, aus dem belgischen Gent mitgebracht.

Lesen Sie auch

Der Plan ist einfach: Eingeteilt wird zunächst grob nach Nutzungsart und der zu erwartenden Lautstärke. Die genaue Raumaufteilung sprechen die Interessierten anschließend erst einmal unter sich ab. Julian Essig moderiert das Treffen von der Wendeltreppe aus: Ganz oben im zweiten Stock des Gebäudes, soll konzentriertes Arbeiten möglich sein, während es im Erdgeschoss, dem Bereich mit dem meisten Durchgangsverkehr, etwas lauter werden darf.

Dort sind Musiker sowie Sport- und Tanzgruppen richtig. Künstlerisches Arbeiten mit Farben, ist auf der mittleren Etage denkbar, erfahren die Teilnehmer. Und schon strömt alles auf die Etagen. Im ersten Stock findet sich eine kleine Gruppe aus Theaterleuten und bildenden Künstlern zusammen. Aber auch ein Slampoet ist dabei und vier Studenten.

Zwei von ihnen wollen einen Treffpunkt für eine Hochschulgruppe einrichten, während die anderen beiden ein Arbeitszimmer für sich anmieten wollen. „Wir studieren Informatik“, stellt Fabian Junge sich und seinen Kommilitonen Oke Schwien vor. „Wir suchen einen Raum, in dem wir unsere Masterarbeit schreiben und ein bisschen programmieren können.“ Ob die Umgebung dafür nicht zu laut sei, will jemand wissen, aber Junge meint: „Wir sind selbst nicht unbedingt die Leisesten, wir lachen auch mal laut.“

Gebäude soll im Anschluss abgerissen werden

Das Eis ist gebrochen. Auch die weitere Absprache klappt ganz ohne Moderator. Es wird verhandelt: Wer braucht einen kleinen, wer einen großen Raum und möchte womöglich jemand den Platz mit anderen teilen? Zu welcher Tageszeit wird gewerkelt und soll es Teppichboden sein oder lieber doch ein wischbarer Bodenbelag? Keine zwanzig Minuten später ist alles geklärt. Mit dem Grundriss-Ausdruck in der Hand, geht es auf der Etage zur weiteren Besichtigung von Raum zu Raum.

Zurück im Erdgeschoss markieren alle Interessierten ihren Wunschraum mit einem Klebezettel auf dem großformatigen Gebäudeplan. Und dann geht‘s ums Geld. Julian Essig hat eine Tabellenkalkulation vorbereitet und der Reihe nach machen alle eine Angabe zum jeweils möglichen Betrag. „Wir können drei bis vier Euro pro Quadratmeter zahlen“, sagt Oke Schwien. Klappt es mit dem anvisierten Raum, wären das im Höchstfall 48 Euro pro Monat. Möglich mache das ein gut bezahlter Studentenjob, sagen die beiden.

Ob tatsächlich alles so läuft wie gewünscht, erfahren die Raumsuchenden spätestens in der kommenden Woche, stellt Oliver Hasemann klar. Am 8. Oktober soll es dann losgehen. Ab diesem Zeitpunkt stehen die Räumlichkeiten bis einschließlich Juni 2019 zur Verfügung. Danach soll das Gebäude abgerissen werden und auf dem Gelände ein Parkplatz entstehen.

Weitere Informationen zum Projekt „Hulsberg Crowd – Urbanes Labor“, sind auf www.zzz-bremen.de/blog/hulsberg-crowd-urbanes-labor abrufbar.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+