44-Jährige in der Neustadt getötet Ehemann mit Kindern auf der Flucht

Die Polizei sucht nach einem Mann, der im Verdacht steht, seine 44-jährige, von ihm getrennt lebende Ehefrau umgebracht zu haben. Vom 47-Jährigen fehlt jede Spur - ebenso wie von den beiden Kindern.
25.03.2015, 11:44
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Ehemann mit Kindern auf der Flucht
Von Ralf Michel

Die Polizei fahndet nach dem 47-jährigen Shakhwan Suleman Mohammed aus Bremen, der im Verdacht steht, seine von ihm getrennt lebende 44-jährige Ehefrau Luna M. umgebracht zu haben. Gesucht werden außerdem die beiden Kinder des Paares, ein fünfjähriger Junge und ein dreijähriges Mädchen, die wie ihr Vater seit dem 13. März verschwunden sind.

Auf die Spur des Verbrechens brachte die Polizei die Kindertagesstätte, die der Fünfjährige besuchte. Der Junge ist Autist und bekommt therapeutische Anwendungen. Nachdem er mehrere Tage fehlte, deshalb eine Reihe von Therapieterminen verpasste, und auch die Mutter des Jungen nicht zu erreichen war, machten sich die Mitarbeiterinnen Sorgen und informierten die Polizei. Ungewöhnlich sei in diesem Zusammenhang auch gewesen, dass es der Vater war, der seinen Sohn am 16. März im Kindergarten krank gemeldet hatte, berichtete am Mittwoch der Leiter der Mordkommission, Helmut Mojen, im Rahmen einer Pressekonferenz. „Der Fünfjährige lebte bei seiner Mutter. Normalerweise hat sie sich um den Jungen gekümmert.“

Die Polizei sei am 19. März erstmals informiert worden, habe zu diesem Zeitpunkt aber noch keinerlei Hinweise auf ein Verbrechen gehabt. Am Montag, 23. März, erstattete das Jugendamt eine Vermisstenanzeige. Inzwischen hatten sich laut Mojen weitere Verdachtsmomente ergeben, sodass die Polizei am Montag zur Wohnung der Mutter in die Neustadt fuhr. Als niemand auf das Klingeln in der Lobsienstraße 16 reagierte, ließen die Beamten die Tür von einem Schlüsseldienst öffnen und fanden die Leiche der Frau. „Die Gesamtsituation deutete unmittelbar auf ein Kapitaldelikt hin“, sagte Mojen. Was die Obduktion bestätigte – die Frau war stranguliert worden. „Wir gehen davon aus, dass dies bereits am Wochenende 13. bis 15. März geschehen ist.“

Die Ermittlungen hätten sich dann schnell auf den seit vergangenem Jahr getrennt von seiner Frau lebenden Ehemann fokussiert, der mit der dreijährigen Tochter in Oslebshausen wohnt. „In der Ehe gab es erhebliche Differenzen“, erläuterte Mojen. So habe das Amtsgericht im Herbst 2014 eine Gewaltschutzanordnung gegen den Vater erlassen. Diese besagte, dass er sich weder seiner Frau noch deren Wohnung nähern durfte. Weil dies aber für die Frau zu Problemen beim Besuch ihrer Tochter führte, sei die Anordnung auf Bestreben der 44-Jährigen im Februar wieder aufgehoben worden.

Gegen den verschwundenen Familienvater wurde am Mittwoch Haftbefehl wegen Totschlags erlassen. Zugleich werde wegen Mordes ermittelt, und ein Internationaler Haftbefehl sei in Vorbereitung, erklärte Staatsanwalt Björn Krebs.

"Der Junge ist Autist und verhaltensauffällig"

Sorge bereitet den Ermittlungsbehörden das Schicksal der Kinder, betonte Jürgen Kok, Hauptermittlungsführer seitens der Mordkommission. „Der Junge ist Autist und verhaltensauffällig. Er ist sehr unruhig und kann nur Laute von sich geben.“

Bei der Suche nach Vater und Kindern hofft die Polizei auf Unterstützung aus der Bevölkerung. Wer Angaben zum sozialen Umfeld der Familie machen kann, zu Freunden, Bekannten und Verwandten, wird gebeten, sich unter 362 38 88 an den Kriminaldauerdienst zu wenden. Zudem soll das aus Syrien stammende Opfer eine Schwester haben, die in Bremen wohnen könnte.

Zwei weitere Details lassen die Polizei auf Zeugen hoffen. Der Vater könnte mit seinen Kindern am 15. März zwischen 5.15 und 5.30 Uhr von der Lobsienstraße 16 aus mit einem Taxi gefahren sein. Nach diesem Taxifahrer wird gesucht. Und der Fünfjährige benötigt als Nahrungsergänzungsmittel ein teures Milchpulvergemisch der Marke Nutrinidrink MF. „Dies könnte der Vater nach dem 13. März in einer Apotheke gekauft haben.“

Der Tatverdächtige Shakhwan Sulemann Mohammed ist gebürtiger Iraker, besitzt aber seit 2005 die deutsche Staatsbürgerschaft. Er ist etwa 1,65 Meter groß, hat dunkle, leicht lockige Haare, ein rundes Gesicht und eine normale bis leicht kräftige Statur. Der Junge heißt Kawa, ist etwa 1,10 Meter groß, hat dunkle lockige Haare und dunkle Augen. Seine dreijährige Schwester Lalesh ist gut 80 Zentimeter groß, hat dunkle, schulterlange, wuschelige Locken, die meist zum Zopf gebunden sind, und ebenfalls dunkle Augen.

Die Staatsanwaltschaft hat für sachdienliche Hinweise, die zur Ergreifung des Verdächtigen führen, 3000 Euro Belohnung ausgesetzt.

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