Bernd und Marlis Möllers informieren auf dem Solidaritätsfest des Deutsch-Peruanischen Vereins Ehepaar engagiert sich gegen Kinderarbeit

Das Ehepaar Möllers, das in der Nähe des Brommyplatzes wohnt, hat neulich Post aus Peru bekommen: Es tue gut zu wissen, dass in Europa Menschen seien, die an sie dächten, schrieb Nury Garcia, die Leiterin des Projektes "Proyecto Amigo". Die Bremer waren in den Anden gewesen und engagieren sich gegen Kinderarbeit und verseuchtes Wasser.
01.03.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Chris Ruschin

Das Ehepaar Möllers, das in der Nähe des Brommyplatzes wohnt, hat neulich Post aus Peru bekommen: Es tue gut zu wissen, dass in Europa Menschen seien, die an sie dächten, schrieb Nury Garcia, die Leiterin des Projektes "Proyecto Amigo". Die Bremer waren in den Anden gewesen und engagieren sich gegen Kinderarbeit und verseuchtes Wasser.

Peterswerder·Walle. Marlis und Bernd Möllers aus dem Peterswerder setzen sich für Kinder in Peru ein. Wie die Situation in dem Land ist, wissen sie aus eigener Anschauung, denn sie haben vor zwei Jahren einen Einsatz in Huamachuco hinter sich gebracht. Jetzt sammeln sie Spenden und beteiligen sich an einem Solidaritätsfest des Deutsch-Peruanischen Kulturvereins am Sonnabend, 3. März, in Walle.

In der verarmten Andenregion ist Kinderarbeit an der Tagesordnung. Schon Zehnjährige schuften in Goldminen. Das Grundwasser ist verseucht, weil Arbeiter das Gold mit Quecksilber und Zyanid waschen und die Giftstoffe im Boden versickern. Das alles klingt schrecklich. Doch wenn Bernd Möllers von dem ruhigen Städtchen und dem Projekt "Proyecto Amigo" erzählt, dann lächelt er und seine Augen leuchten.

Um den Kindern das Leben zu erleichtern, flogen Marlis und Bernd Möllers im März 2010 zum Arbeiten nach Huamachuco und wohnten in 3200 Metern Höhe in der Casa Marcelino. Das von italienischen Freiwilligen eigens für das Projekt errichtete Gebäude hat einen riesigen Innenhof, Schulräume und Werkstätten - genug Platz für bis zu 400 Kinder, um zu spielen, zu lernen und zu reden.

Das Hilfsprojekt "Proyecto Amigo" wurde Hilfsprojekt von einem italienischen Pater gegründet und soll Kindern und Jugendlichen in der Region im Norden Perus Bildungsmöglichkeiten und damit die Chance auf eine berufliche Ausbildung eröffnen. Das Projekt richtet sich ausschließlich an arbeitende Kinder und Jugendliche von etwa zehn bis 20 Jahren, die Angebote werden rege genutzt.

"Die Kinder kommen zum Teil trotz eines über zweistündigen Fußwegs", sagt Bernd Möllers. In der Casa Marcelino können sie neben der Arbeit die weiterführende Schule besuchen, der Unterricht findet nur freitags und sonnabends statt und beinhaltet auch Berufskunde, beispielsweise für das Bäcker-, Tischler- und Weberhandwerk sowie den Ackerbau. Ein anderes Angebot hilft den jungen Peruanern, ihre Alltagsprobleme zu bewältigen. "Da geht es um Themen wie Gewalt in der Familie, Umgang mit Konflikten und Diskriminierung", sagt der Rentner Bernd Möllers. Besonders wichtig sei den Betreuern aber auch, den Kindern deren Rechte zu vermitteln und als Ansprechpartner bei Problemen für sie da zu sein. Mannschaftssportarten wie Fußball und Volleyball gehören zum festen Programm, ebenso wie das Abendessen.

Als sich Marlis und Bernd Möllers auf dem "Markt der Möglichkeiten" des Bremer Kirchentags für das Projekt begeisterten, waren sie gar nicht sicher, ob sie wirklich helfen könnten. "Wir sind ja keine Fachleute und konnten auch die Sprache nicht gut genug, um unterrichten zu können", sagt Bernd Möllers.

Kinder kannten keine Spiele

Nury Garcia nahm den beiden Bremern die Bedenken. Und in Peru fanden sie tatsächlich viele Einsatzgelegenheiten. So knöpften sie sich die jüngeren Geschwister der Schüler vor, sangen mit ihnen Lieder, spielten und malten. "Das Spielen mussten wir ihnen regelrecht beibringen", sagt der 67-Jährige, "denn das kannten sie von zu Hause nicht."

Während Marlis Möllers in der Bäckerei arbeitete, strich ihr Mann die Wände der Klassenzimmer, und das nie allein: "Alle wollten mithelfen, ich war fast so etwas wie ein Malermeister mit seinen Lehrlingen", sagt er und lacht. "Es war eigentlich eine beglückende Zeit", sagt Bernd Möllers, geprägt von Gastfreundschaft und Offenheit. Nach der Rückkehr in die Heimat warben er und seine Frau Spenden in Höhe von 1500 Euro für eine Konferenz über die Minen ein. Nury Carcia konnte mit anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen eine Konferenz organisieren, zu der auch Staatsvertreter kamen. Es wurde eine Kommission zur Lösung der arbeits- und umweltrechtlichen Probleme in den Minen einberufen. Für Möllers ist das ein guter Anfang. Sie gingen auch auf den Deutsch-Peruanischen Kulturverein in Bremen zu und schilderten die Situation in Huamachuco. Die Wallerin Beatriz Cano, Vorsitzende des Kulturvereins, hat ein Spendenkonto eröffnet und mit anderen Freiwilligen ein Solidaritätsfest

zugunsten der peruanischen Kinder organisiert, die in den Goldminen von Huamachuco arbeiten müssen.

Der Deutsch-Peruanische Kulturverein lädt für Sonnabend, 3. März, ab 17 Uhr in die Räume der evangelischen Immanuel-Gemeinde, Elisabethstraße 17 in Walle, ein. Es spielen Musikgruppen, es wird ein Video über Kinder in Peru gezeigt, es gibt peruanische Speisen und Getränke und eine Tombola und es wird getanzt. Der Eintritt ist frei. Die Einnahmen sollen für das "Projecto Amigo" gespendet werden.

Das Solidaritätsfest des Deutsch-Peruanischen Kulturvereins ist am Sonnabend, 3. März, ab 17 Uhr in der Evangelischen Immanuel-Gemeinde, Elisabethstraße 17. Es gibt peruanisches Essen, eine Videovorführung, Musik und Tanz. Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen über den Verein: depeku.bremen@googlemail.com.

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