Vor 20 Jahren bauten die Mitarbeiter von Buch Horn einen Leseort für Kinder und Erwachsene auf Ehrenamtliche Bibliothek feiert Geburtstag

Horn-Lehe. Inmitten des hellen Raumes sitzen Frauen und Männer an einem Tisch, gebeugt über Pläne und Listen. Es geht um die Zeit eines jeden Einzelnen, denn die monatlichen Dienstpläne müssen geschrieben und neue Bücher für den Katalog der Bibliothek bestellt werden.
01.06.2017, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Gerald Weßel

Horn-Lehe. Inmitten des hellen Raumes sitzen Frauen und Männer an einem Tisch, gebeugt über Pläne und Listen. Es geht um die Zeit eines jeden Einzelnen, denn die monatlichen Dienstpläne müssen geschrieben und neue Bücher für den Katalog der Bibliothek bestellt werden. Eine alltägliche Szene, doch eines ist besonders: All die Menschen sind ehrenamtlich hier. Die Mitarbeiter sind Mitglieder des Fördervereins Bibliothek Horn-Lehe, und sie betreiben „Buch Horn“, ohne Aufwandsentschädigung. Nun ist der Verein 40 Jahre alt geworden.

Die Umstände der Gründung des Fördervereins sowie die daran anschließende buchstäbliche Grundsteinlegung von Buch Horn sind trauriger Natur: Die Stadtteilbibliothek in der Ronzelenstraße schloss im Dezember des Jahres 1996 ihre Tore. Um den Bürgern weiterhin eine lokal schnell erreichbare Bibliothek bieten zu können, gründete sich Anfang 1997 der Förderverein. Dabei war damit noch kaum etwas erreicht, denn es folgte eine Zeit der Ungewissheit. Das Ziel war die Gründung einer Bibliothek auf ehrenamtlicher Basis, doch wo? Nach langer Suche wurden die Freiwilligen im Gymnasium Horn fündig.

Sie bezogen provisorisch einen Klassenraum im Erdgeschoss der Schule. Aus dem ehemaligen Buchbestand der geschlossenen Stadtteilbibliothek in der Ronzelenstraße durften sich die Ehrenamtlichen 4000 Bücher als Starthilfe aussuchen. die Regale und das Material gab es auch dazu. Nur durch den unermüdlichen Einsatz ehrenamtlicher Helfer, die die ausgesuchten Bücher verpackten, Regale transportierten, den neuen Standort renovierten und einrichteten, konnte überhaupt daran gedacht werden, die Bibliothek für die die Nachbarschaft zu öffnen. Schon damals zeigte sich: Die vielen Ehrenamtlichen machen das Herz und die Seele der Bücherei aus.

Am 1. Juni 1997 war es dann im Schulzentrum so weit: Die erste, allein von Ehrenamtlichen geführte Bibliothek, Buch Horn öffnete im Schulzentrum Horn seine Pforten. 118 Mitglieder zählte der Verein zu diesem Zeitpunkt. Seit nunmehr 20 Jahren hat sich an der grundsätzlichen Konstellation nichts geändert: „Viele der fast 30 ehrenamtlichen Mitarbeiter sind von Anfang an dabei und haben nach wie vor immer noch sehr viel Freude am bürgerschaftlichen Engagement, wie ich selbst“, sagt die Vorsitzende Christiane Müller. Der Förderverein Bibliothek Horn-Lehe, der hinter Buch Horn steht, finanziert sich ausschließlich über Mitgliederbeiträge.

Mit der Zeit wurde es allerdings aufgrund der positiven Mitgliederentwicklung sowie den regelmäßigen Neuanschaffungen an Medien eng. Da kam es genau recht, dass generell am Gymnasium Horn viel umgebaut, renoviert und erweitert wurde: Die Schule ist in manchen Bereichen seit Kurzem nicht mehr wiederzuerkennen. Im Zuge dieser weitreichenden Sanierungs- und Umbaumaßnahmen wurde somit auch der lang gehegte Wunsch der Ehrenamtlichen nach einem größeren Raum ermöglicht. Hierfür hatte auch der Beirat 5000 Euro aus Globalmitteln bewilligt.

Der neue zentral am Ende des Foyers gelegene professionell eingerichtete Bibliotheksraum besticht mit einer Größe von 135 Quadratmetern, ist hell und freundlich und punktet durch die vergrößerte liebevoll ausgestattete Kinderecke mit Sitzmöglichkeiten sowie mit einer verbesserten Aufenthaltsqualität für alle Besucher. Aus den anfänglichen 4000 Büchern sind inzwischen fast 15 000 Bücher, Hörbücher, Kinderkassetten und andere Medien geworden. Sie alle stehen jetzt in der erweiterten Bibliothek und laden zum Schmökern und Ausleihen ein. „Unsere Leserinnen und Leser schätzen sehr, dass sie neue Bücher und Bestseller schon kurz nach ihrem Erscheinen bei uns ausleihen können“, sagt Christiane Müller.

Bei den Vereinsmitgliedern sieht die Entwicklung ähnlich aus. Zu den 118 Mitgliedern des Jahres 1997 sind mittlerweile knappe 380 hinzugekommen. Allesamt wohnen sie in Horn, Horn-Lehe, Schwachhausen, Borgfeld und Oberneuland. Auch technisch geht Buch Horn mit der Zeit und muss sich vor professionellen Bibliotheken nicht verstecken. Die digitale, computergestützte Ausleihe ist inzwischen der Standard in der Branche, und so wurde im Jahr 2004 auch entsprechende Software angeschafft, um den Medien- und den Mitgliederbestand elektronisch zu katalogisieren. Nach 18 Monaten Vorarbeit und dank der Hilfe unzähliger fleißiger Helfer war auch dieses Ziel schnell erreicht. Seit 2004 gilt: Alle Medien können elektronisch mittels Barcode-Scanner ausgeliehen werden.

Auch wenn Christiane Müller bereits viele engagierte Ehrenamtliche zur Seite stehen, sind weitere Helfer natürlich immer willkommen. Versprochen wird ehrenamtliche Arbeit in einem schönen modernen Umfeld und in einem netten Team. Dabei sind der zeitlichen Flexibilität und dem Umfang kaum Grenzen gesetzt. „Ob nur einmal die Woche für zwei Stunden oder öfter. Jeder, der selbst Spaß an Büchern und am Lesen hat und sich nicht scheut, die Ausleihe elektronisch zu scannen, ist in unserem Team herzlich willkommen“, freut sich die Vorsitzende Christiane Müller auf neue Gesichter.

Die Anstrengungen sind auch außerhalb Bremens nicht unbemerkt geblieben: Im Jahr 2007 hat die Universität Paderborn im Rahmen ihres mit der Initiative „Neue Soziale Marktwirtschaft“ durchgeführten Projektes „Ideen statt Rotstift“ das Engagement im Buch „Deutschland zum Selbermachen“ als eines von 22 Beispielen, wie Bürger Staat machen, aufgenommen. „Darauf sind wir sehr stolz“, sagt Christiane Müller dazu.

Das Jubiläum feiern die Ehrenamtlichen zusammen mit allen freiwilligen Umzugshelfern an diesem Donnerstag, 1. Juni, mit einem gemeinsamen Abendessen. „Und hier werden sicherlich die einen oder anderen Döntjes aus 20 Jahren Buch Horn erzählt“, sagt Christiane Müller und lacht.

Schon dieses Jahr kommt mit dem August ein weiteres Jubiläum auf das Gymnasium Horn zu, in dessen Räumlichkeiten die Bibliothek seit jeher zu finden ist. Denn, die die Bibliothek beheimatende Schule feiert dann den 50. Jahrestag ihres Bestehens mit einem Tag der offenen Tür und umfangreichem Rahmenprogramm. Dort wird auch das Stück „Le sacre du printemps“ vom Tanzkurs der Lehrerin Janin Dietrich mit mehr Teilnehmern als zuletzt bei „Schulkulzour“ erneut aufgeführt werden.

Die Bibliothek Buch Horn ist im Vorkampsweg 97 im Gymnasium Horn (Schule am Vorkampsweg) zu finden. Die Mitarbeiter sind telefonisch unter 36 11 68 04 zu erreichen oder per E-Mail unter mail@buch-horn.de. Weitere Infos gibt es im Internet unter www.buch-horn.de. Die Öffnungszeiten sind: Montag bis Freitag von 10.30 Uhr bis 12.30 Uhr und 15 Uhr bis 17.30 Uhr. In den Schulferien bleibt die Bibliothek geschlossen. Der jährliche Beitrag beläuft sich für Erwachsene auf zwölf Euro, Kinder und Schüler zahlen sechs Euro, Familie 25 Euro.

„Viele der Mitarbeiter sind von Anfang an dabei und haben Freude am Engagement.“ Christiane Müller
„Unsere Leser schätzen, dass sie neue Bücher kurz nach ihrem Erscheinen ausleihen können.“ Christiane Müller
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