Jahrestreffen der Heimstiftung

Ehrenamtliche verschiedener Stadtteile vernetzen sich

Auf dem Jahrestreffen der Heimstiftung hatten die ehrenamtlich engagierten Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit neue Kontakte zu knüpfen. Dies müsse in Zukunft jedoch auch digital möglich sein.
09.01.2018, 20:35
Lesedauer: 3 Min
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Von Christine Leitner
Ehrenamtliche verschiedener Stadtteile vernetzen sich

Alexander Künzel von der Heimstiftung sprach beim Treffen der Ehrenamtlichen.

Karsten Klama

Wenn man in einem Sozialstaat lebt, dann sollte man auch etwas zurückgeben. Dieser Ansicht ist Stephan Marx, ein ehrenamtlicher Bürger aus dem Stadtteil Osterholz und „Verfechter der verpflichtenden Freiwilligkeit“, wie er sich selbst bezeichnet. „Jeder sollte sich verpflichtet fühlen, sich zu engagieren“, sagt Marx. Als Kind habe er bereits Einkäufe für die Nachbarin erledigt. „Wenn man damit aufwächst und die Bürger direkt eingebunden sind, dann wird das selbstverständlich“, sagt er. Zusammen mit fünf weiteren Ehrenamtlichen aus seinem Stadtteil sitzt er an einem Tisch im Bürgerhaus am Osterdeich.

Zuletzt lud die Heimstiftung zu einem Jahrestreffen im Bürgerhaus Weserterrassen ein. Dort hatten ehrenamtlich engagierte Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, sich quartiersübergreifend kennenzulernen, Kontakte zu knüpfen und sich über die verschiedenen Arten, ehrenamtliches Engagement zu leben, auszutauschen. An vier Gruppentischen versammelten sich Ehrenamtliche aus den Stadtteilen Osterholz, Kattenturm, Vegesack und Mitte. Die Quartiersleiterin Brigitte Hawelka reiste sogar extra aus Bremerhaven an, um von dem Engagement dort vor Ort zu berichten.

Persönliche Treffen allein reichen nicht aus

„Das Ehrenamt wird auch die Demokratie verändern. Denn wer sich engagieren möchte, will auch mitreden“, sagte Alexander Künzel, Vorstandsvorsitzender der Heimstiftung, bei seiner Rede vor der Bürgerinnen und Bürgern. Nach den Fortbildungsseminaren, die die Bremer Heimstiftung in diesem Jahr ausgerichtet hat, gelte es nun, neue Kontakte zu knüpfen und zu bewahren. Die Fortbildungen in den vergangenen Monaten hätten einen erheblichen Beitrag dazu geleistet. Doch auch hier müsse man zweigleisig fahren, darin sind sich alle Teilnehmer einig: Persönliche Treffen allein reichten nicht aus, es müsse auch digital möglich sein, sich zu vernetzen.

Bei Kaffee und Kuchen saßen die Ehrenamtlichen mit anderen aus denselben Quartieren zusammen und unterhielten sich über die Situation in ihrem Stadtteil. Doch nach den Reden ging es ans Eingemachte: Die Gruppen wurden durchgemischt, sodass an jedem Tisch schließlich ein Vertreter aus jedem Quartier saß. Das sollte für Austausch über die unterschiedlichen Projekte sorgen.

Brigitte Raab aus Vegesack ist 66 Jahre alt und sucht nach einer neuen Form des Wohnens. Betreutes Wohnen kommt für sie jedoch nicht in Frage. Ähnlich geht es auch anderen in ihrem Alter. Für eine neue Wohnung reicht die Rente nicht. Deshalb hat sie eine Idee: Könnte man nicht mit mehreren zusammen ein Haus mieten und eine WG gründen? Zusammen sei man weniger allein, und man könne sich die Kosten teilen. Dabei könne man auch mit Menschen aus demselben Stadtteil zusammenziehen und müsste die seine gewohnte Umgebung nicht verlassen.

Blindengarten in St. Magnus beim Knoops Park

Außerdem engagiert sich Raab ehrenamtlich im „Blindengarten“. „Der ist aber nicht nur für Blinde. Die Pflanzen sind mit Blindenschrift versehen, deshalb heißt er so“, erklärt sie. Der Garten wird von drei Frauen gepflegt. Raab gärtnert selbst gern und wollte sich auch am Urban Gardening beteiligen. Letztendlich landete sie beim Blindengarten in St. Magnus beim Knoops Park. Auch mit Flüchtlingen hat sich Raab beschäftigt. Sich ehrenamtlich zu betätigen, bereitet ihr Freude – auch wenn nicht immer alles so läuft, wie sie es gerne hätte. „Dazwischen gibt es natürlich auch Phasen, wo ich alles hinschmeißen könnte“, sagt Raab.

Um Flüchtlinge kümmert sich auch Gudrun Lübbe aus Osterholz. Zusammen mit ihrem Mann betreut sie eine Mutter und ihre kleine Tochter, die als Flüchtlinge aus Afrika nach Deutschland gekommen sind. „Wichtig ist, dass man sich auf Augenhöhe begegnet“, sagt sie. Die Mutter des Mädchens hat inzwischen Arbeit gefunden, deshalb ist das Kind nachmittags nun häufig bei Lübbe.

Marianne Wassereck aus Kattenturm besucht mit dem Paritätischen Dienst Wohngemeinschaften von Menschen mit Demenz. Darüber hinaus engagiert sie sich in der Initiative „Menschen brauchen Menschen“. Über die Fortbildung ist sie sehr froh. „Ich habe dadurch das Netzwerk besser kennengelernt“, sagt sie. Durch das Netzwerk entstanden gemeinsame Treffen: Die Gruppe trifft sich nun regelmäßig zum Austausch.

Auch Birgit Maas aus dem Quartier Horn engagiert sich. Sie ist im Veraclub der Heimstiftung tätig, in dem Menschen im Umgang mit Tablets ausgebildet werden und engagiert sich im Bremer Forum gegen Gewalt in der Pflege.

„Man braucht Ehrenamtliche, die verlässlich sind“, sagt Stephan Marx. Dies betreffe auch Stadtteile wie Schwachhausen, in denen sich die Armut weniger deutlich abzeichnet. Insgesamt zogen die ehrenamtlich Engagierten eine positive Bilanz. Während der Fortbildung sei viel gelacht und diskutiert worden und man habe seinen eigenen Stadtteil noch besser kennengelernt. Jetzt gehe es darum, das Gelernte in die Tat umzusetzen und dabei erfolgreich zu sein.

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