Ursula von der Leyen bei Schaffermahlzeit

Ehrengast mit Bremer Wurzeln

Zu der 471. Schaffermahlzeit, die am Freitag im Rathaus beginnt, kommt dieses Mal ein Ehrengast mit bremischen Wurzeln: Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen.
13.02.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Ehrengast mit Bremer Wurzeln
Von Frauke Fischer

Freitag, der 13. – auf die 471. Schaffermahlzeit, die heute Mittag im Rathaus beginnt, soll dieses Datum keinen negativen Einfluss haben. Mit Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen kommt immerhin nicht nur ein hochkarätiger, sondern auch ein Ehrengast mit bremischen Wurzeln zum traditionsreichen Essen.

Das Silber ist auf Hochglanz poliert, in Foyer und Hallen sorgt Blütenpracht für frühlingshafte Farbe. Doch schon bevor heute am frühen Nachmittag 300 Gäste – erstmals männliche und weibliche – an der großen Tafel in der Oberen Halle des Rathauses Platz nehmen, steht Bremens Mitte ganz im Zeichen der Schaffermahlzeit. Auf dem Marktplatz werden Zaungäste wie in den Vorjahren den Spaziergang der Gäste vom Schütting zum Rathaus verfolgen (siehe zur Sache auf dieser Seite). Für den Besuch von Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) gelten derweil Sicherheitsvorkehrungen der höchsten Stufe, hieß es vorab.

Die Ministerin könnte in und um die Hansestadt auf den Spuren ihrer Familie wandeln. Ihr Großvater, Carl Eduard Albrecht, wurde nämlich 1902 in Bremen geboren. Der Arzt machte sich nicht zuletzt durch Schriften zur Bewusstseinsphilosophie und ein starkes Engagement für die Psychologie und Mystik einen Namen. Albrecht, der 1965 starb, stammte aus einer alt eingesessenen Kaufmannsfamilie und war Sohn des Großkaufmanns Carl Albrecht.

Verwandt mit Baron Knoop

Von der Leyens Vater, der langjährige niedersächsische Ministerpräsident Ernst Albrecht, wurde zwar 1930 in Heidelberg geboren, doch er wuchs in Bremen auf. Die Familie kehrte hierher zurück, weil der Arzt sich in Bremen niederließ. Ernst Albrecht besuchte hier zunächst die Schule, absolvierte sein Abitur dann in Brake. Er war ein Ururenkel des Bremer Großkaufmanns Baron Ludwig Knoop.

Eine Grabstätte auf einem alten Friedhof in Syke ist noch heute Zeugnis dieser norddeutschen Herkunft. Der Syker Oberamtmann, der dort bestattet wurde, war Urgroßvater von Ernst Albrecht und somit der Ururgroßvater der Bundesverteidigungsministerin. Vor etlichen Jahren unternahm der Verkehrs-, Verschönerungs- und Bürgerverein von Syke gemeinsam mit der Stadt einen Versuch, den bereits 1915 eingeebneten Friedhof zu restaurieren und zu verschönern. Das galt auch für einige besondere Grabstätten wie jene der Familie Albrecht. Ernst Albrecht und seine Tochter Ursula von der Leyen besuchten im Jahr 2003 auf Einladung des Bürgervereins die Familienstätte.

Lesen Sie auch

Von der Leyen, die sechs Geschwister hatte, wurde 1958 allerdings fern von Bremen und Niedersachsen, nämlich in Brüssel geboren. Dort wuchs sie auf, machte ihr Abitur aber 1976 in Lehrte bei Hannover. Nach einem begonnenen Volkswirtschaftsstudium studierte sie Medizin an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), promovierte dort 1991 zur Dr. med und arbeitete später an der Frauenklinik der MHH.

Ursula von der Leyen ist Mutter von sieben Kindern. Seit 1990 ist sie Mitglied der CDU. Sie engagierte sich nach einem mehrjährigen USA-Aufenthalt stärker in der Kommunal- und Landespolitik. 2003 wurde sie in Niedersachsen Ministerin für Soziales, Frauen, Familie und Gesundheit im Kabinett von Ministerpräsident Christian Wulff. Ab 2005 gehörte sie als Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend der von Angela Merkel geführten Bundesregierung an. 2009 übernahm von der Leyen das Arbeitsministerium, seit Dezember 2013 führt sie das Bundesverteidigungsministerium.

Die Einladung zur Schaffermahlzeit habe sie mit Freude und Rührung angenommen, hieß es von Schafferseite. Wenn von der Leyen heute nach ihrem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt an der Stirnseite der Tafel in der Oberen Halle im Rathaus Platz nimmt, ist sie die zweite Frau nach Bundeskanzlerin Angela Merkel an dieser Stelle. Und sie ist der weibliche Ehrengast, der erstmals auch andere weibliche Gäste bei der Schaffermahlzeit erlebt. Erst im vorigen Sommer hatte das entscheidende Gremium von Haus Seefahrt, das seit 470 Jahren das Brudermahl ausrichtet, beschlossen, auch bedeutende Frauen aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Kultur einzuladen. Bis dahin war das mehrstündige Mahl von Kapitänen, Kaufleuten und ihren Gästen Männersache, obwohl die Statuten des Sozialwerks eine Teilnahme von Frauen nicht ausdrücklich verboten haben.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+