Deutscher Bürgerpreis

Ehrung für fünf Bremer Initiativen

Pflegebedürftigen helfen, Flüchtlinge unterstützen, als Nachwuchstrainer arbeiten – viele Menschen engagieren sich ehrenamtlich. Der Deutsche Bürgerpreis würdigt das. Im regionalen Wettbewerb wurden nun fünf Bremer Initiativen ausgezeichnet.
04.11.2015, 00:00
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Ehrung für fünf Bremer Initiativen
Von Milan Jaeger
Ehrung für fünf Bremer Initiativen

Preise erhielten in Bremen ein Häftlingsprojekt, eine Stadtgarten-Initiative, ein arabischer Kulturverein, ein Inklusionsprojekt und ein Straßenkunstfestival.

Frank Thomas Koch

Pflegebedürftigen helfen, Flüchtlinge unterstützen, als Nachwuchstrainer arbeiten – viele Menschen engagieren sich ehrenamtlich. Der Deutsche Bürgerpreis würdigt das. Im regionalen Wettbewerb wurden nun fünf Bremer Initiativen ausgezeichnet.

Es heißt, das Glück sei das einzige Gut, das sich verdoppelt, wenn man es teilt. Ehrenamtler wissen das nur zu gut. Für ihr Engagement erhalten sie im Idealfall Erfüllung – manche nennen es Glück. Etwa 177.000 Menschen haben sich 2014 in Bremen ehrenamtlich engagiert. Eine gewaltige Zahl. Deutschlandweit sind es gar 23 Millionen, mehr als jeder Vierte. Diese Menschen erhalten kein Geld für ihre Arbeit und oftmals auch nicht viel Anerkennung. Sie tun es dennoch. Immer wieder. Die vielen spontanen und selbst organisierten Initiativen, die im ganzen Land in den vergangenen Wochen Flüchtlingen helfen, dürften die Zahl der Ehrenamtlichen noch einmal erhöht haben.

Um die vielen Engagierten zu ehren, die bei der Unterstützung Pflegebedürftiger helfen, sich in der Flüchtlingshilfe engagieren oder als Nachwuchstrainer arbeiten, hat ein Bündnis aus Bundestagsabgeordneten, Sparkassen sowie Städten und Gemeinden im Jahr 2003 den Deutschen Bürgerpreis ins Leben gerufen. Er ist mit Preisen im Gesamtwert von 450.000 Euro der größte und bedeutendste Ehrenamtspreis Deutschlands. 2000 Bewerbungen gehen dafür in jedem Jahr ein. Die Sparkasse Bremen vergibt die Preise im Bremer Wettbewerb des Bürgerpreises, für den in diesem Jahr 38 Bewerbungen eingegangen sind.

Am Dienstagabend hat die Sparkasse Bremen die fünf Gewinnerinitiativen des regionalen Wettbewerbs ausgezeichnet (siehe unten). Das Häftlingsprojekt „Ausblick 23“, die Stadtgarteninitiative „Ab geht die Lucie“, der arabische Kulturverein „Gusour“, das Inklusionsprojekt „Tanzbar Bremen“ und das Straßenkunstfestival „La Strada“ erhalten in diesem Jahr allesamt den ersten Preis in der Kategorie Alltagshelden. Diese Auszeichnung ist mit insgesamt 10.000 Euro dotiert. Normalerweise wird der Bürgerpreis sonst in den Kategorien U21, Alltagshelden, Engagierte Unternehmer und Lebenswerk verliehen. In diesem Jahr entstammen aber alle Preisträger der Kategorie Alltagshelden.

Großes Potenzial in der Gesellschaft

Thomas Fürst, Mitglied des Vorstandes der Sparkasse Bremen, sagte bei der Verleihung: „Wer mit einem Ehrenamt einmal Blut geleckt hat, den lässt es nicht mehr los.“ So seien Ehrenämter in den USA zwar noch ein wenig verbreiteter als in Deutschland, dafür betrieben die Deutschen ihre Ehrenämter länger.

Mit in der Jury des Wettbewerbes um den Bürgerpreis saß auch Hellena Harttung, Ortsamtsleiterin für Bremen Mitte und die Östliche Vorstadt. Sie wies daraufhin, dass auch die Lokalpolitik von Ehrenamtlichen geprägt werde: „Die Mandate in den Stadtteilbeiräten sind Ehrenämter.“ Leider aber stünden die Ehrenamtlichen häufig im Hintergrund. Der Bürgerpreis wolle diesen Zustand wenigstens ein klein wenig verändern. Aber: „Der Staat darf sich angesichts des großen Engagements der Ehrenamtlichen nicht aus der Verantwortung ziehen“, appellierte Harttung. An dieser Stelle gab es spontanen Applaus von der Festgemeinde.

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Was die zahlreichen Flüchtlingsinitiativen in Deutschland derzeit leisten, verdeutlicht in den Augen von Harttung das große Potenzial, „das in dieser Gesellschaft steckt“. Viele Menschen, die mit dem Ehrenamt bisher nichts am Hut gehabt hätten, seien in den zurückliegenden Wochen spontan aktiv geworden: „Viele haben das Gefühl: da will ich mich jetzt einbringen.“ In einer individualisierten Gesellschaft, in der Kommunikation immer häufiger digital abläuft, setze ehrenamtliches Engagement ein Zeichen gelebter Solidarität.

In diesem Jahr setzte sich die Jury aus Hellena Harttung (Ortsamt Bremen Mitte/Östliche Vorstadt), Ilja Mertens (Weser-Report), Klaus Sondergeld (Wirtschaftsförderung Bremen) und Elke Heussler (Sparkasse Bremen) zusammen. Mit dem Preis sollen Bürger ausgezeichnet werden, die sich ehrenamtlich für die vielfältige Kulturlandschaft in Deutschland einsetzen. Engagierte konnten sich direkt für den Bürgerpreis bewerben, aber auch von Dritten vorgeschlagen werden.

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