Fipronil-Skandal Eier vom Biohof sind beliebter denn je

Birgit Sanow vom Biohof in Meyenburg hat täglich mit verunsicherten Kunden zu tun. Allerdings sind ihre Eier frei von Schadstoffen, das wissen auch die Kunden zu schätzen.
25.08.2017, 07:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Inken Sophie Kuper

Meyenburg. „Die Kunden sind verunsichert“, sagt Birgit Sanow. Sie und ihr Mann halten rund 770 Hühner auf einem Hof in Meyenburg. Der aktuelle Lebensmittel-Skandal um Eier, die Spuren des Insektizides Fipronil enthalten sollen, lässt die Kunden genauer hinschauen. Das macht sich auch auf dem Hof von Birgit Sanow bemerkbar. Die Nachfrage in ihrem Laden ist gestiegen.

Seit Bekanntwerden des Fipronil-Skandals wollen immer mehr Kunden konkrete Antworten von Birgit Sanow. Sie stehen in ihrem Meyenburger Hofladen an der Uthleder Straße und stellen Fragen: „Die Kunden haben Angst und wollen wissen, ob sie hier auf das gleiche Problem stoßen.“ Die Sorge um die Herkunft der Eier treibt darüber hinaus auch zahlreiche Neukunden auf den Meyenburger Biohof. Deren Verunsicherung wird durch täglich neue Schlagzeilen um den Eier-Skandal immer größer.

In Eiern aus den Niederlanden und Belgien wurde das Insektizid Fipronil nachgewiesen, das zur Bekämpfung von Milben und zur Reinigung von Hühnerställen verwendet wird. Das Insektizid ist für eine Anwendung bei Lebensmittel liefernden Tieren nicht zulässig, wurde jedoch vermutlich in ein für die Haltung zugelassenes Desinfektionsmittel gemischt. Laut EU-Schnellwarnsystem wurden mehr als zwanzig Millionen mit Fipronil belastete Eier aus den Niederlanden nach Deutschland geliefert, wovon ein Teil in den Handel gelangt ist. Mittlerweile wurde das Insektizid auch in vier Betrieben in Niedersachsen nachgewiesen, so das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.

Wie das Insektizid auf den Menschen wirkt, ist bislang nicht bekannt. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) schädigte der Stoff bei einem Tierversuch jedoch die Leber und das Nervensystem von Ratten. Es löse beim Menschen keine allergischen Reaktionen aus und verändere weder das Erbgut, noch sei es krebserregend, so das BfR. Anhand der Ergebnisse eines Tierversuches lässt sich die tägliche Dosis, die für den Menschen gesundheitsschädigend ist, berechnen: Der Grenzwert liege bei 0,009 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. Das heißt, ein 65 Kilogramm schwerer Mensch kann ohne Probleme sieben belastete Eier innerhalb von 24 Stunden essen. Bei einem Kind von beispielsweise 16 Kilogramm, liegt der Wert bei 1,7 Eiern.

Mehrmals im Jahr Kontrollen

Birgit Sanow versichert, in Meyenburg wird komplett ohne Insektizide gearbeitet: „Wir reinigen die Ställe ausschließlich mit Wasser. Mit einem Hochdruckreiniger wird gesäubert und desinfiziert, denn ohne Insektizide haben die Hühner einen optimierten Lebensstandard“, so die Biohof-Besitzerin. Dabei denkt sie auch an ihre neunjährige Tochter: „Sie wird auf dem Hof groß, hilft mit, ist überall dabei und ich möchte nicht, dass sie mit gefährlichen Insektiziden in Berührung kommt.“ Darüber hinaus kann Birgit Sanow auch mit entsprechenden Kontrollen die nachfragenden Kunden beruhigen: Die Ställe werden nämlich unangekündigt und mehrmals im Jahr vom Verband „Bioland“ und dem Landesamt für Verbraucherschutz in Augenschein genommen.

Momentan werden rund 770 Hühner auf dem Hof in Meyenburg gehalten. Sie legen pro Tag circa 650 Eier. Zur Erklärung berichtet Birgit Sanow davon, dass die Legeleistung eines Huhns sich im Alter verändert. Normalerweise werden Hühner alle zwölf Monate geschlachtet. „Das ist bei uns nicht so. Wir lassen den Hühnern Gelegenheit, älter zu werden, auch wenn sie nur ein oder gar kein Ei am Tag legen.“

Die artgerechte Haltung der Hühner ist Birgit Sanow besonders wichtig: „Unsere Hühner haben sehr viel Platz. Das Außengelände haben wir so gestaltet, dass die Hühner es optimal nutzen können. Sie können Tag und Nacht rausgehen und sich dadurch auch vor Milben schützen. Natürlich hat jedes Tier mal einen Floh oder Ähnliches, doch das ist ganz natürlich. Das wird erst dann zum Problem, wenn es mehr Schädlinge werden.“ Die Gefahr der Fipronil-Eier schätzt Birgit Sanow relativ hoch ein: „Ich würde die Eier nicht essen wollen, aber das muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich bin froh, dass wir uns für mehr Aufwand entschieden haben und unsere Hühner artgerecht halten.“

Die Bäckerei Starke, die für die Fertigung ihrer Produkte sehr viele Eier benötigt, bekommt derzeit ebenfalls die Verunsicherung der Kunden zu spüren und viele Fragen bezüglich der Herkunft der verwendeten Eier. Maik Starke: „Wir beziehen unsere Eier von der Einkaufsgenossenschaft ,BäKo'. Es gibt Zertifikate, dass die Produkte gut sind. Die Einkaufsgenossenschaft kümmert sich auch darum, dass die Ware in Ordnung ist“, erklärt Maik Starke.

Eine kleine Umfrage: Eier aus dem Supermarkt oder vom Bauernhof?

Hannelore Erdmann (70): „Ich kaufe meine Eier im Supermarkt. Ich sehe da kein Problem, da ich nicht so viele Eier esse, vielleicht nur einmal die Woche. Ich öffne den Eierkarton, aber achte nicht auf die Stempelnummern. Es ist gut, dass der Skandal aufgedeckt wurde. Jedoch weiß man gar nicht, was wir in der Vergangenheit schon so alles gegessen haben. Deshalb mache ich mir keine großen Gedanken.“

Frau Endreß (77, möchte ihren Vornamen nicht preisgeben): „Ich bekomme die Eier von einem Hof geliefert, da weiß ich, wo sie herkommen. Die Eier werden mir nach Hause geliefert. Da ich sehr viele Eier verbrauche, muss ich alle zwei Wochen auch neue Eier ordern.“

Tatjana Vehrenkamp (22) aus Offenwarden: „Meine Familie hat eigene Hühner, wir verkaufen die Eier auch weiter. Als wir von dem Skandal gehört haben, waren wir froh darüber. Ich finde es sehr risikoreich, Eier aus unbekannter Herkunft zu konsumieren. Da habe ich das Vertrauen in die Lebensmittelindustrie verloren.“

Leo Waldenbach (85): „Wenn es geht, kaufe ich meine Eier beim Bauern. Ich habe guten Kontakt zu ihm und werde da gut versorgt, beispielsweise auch mit Gemüse. Grundsätzlich habe ich kein Vertrauen in die Lebensmittelindustrie, das war aber schon immer so.“

Heike Meyer (51) aus Neuenkirchen: „Ich arbeite beim Fleischer, da beziehen wir Eier von einem Geflügelhof in Neuenkirchen. Von dort bekomme ich auch meine Eier, denn dann weiß ich, wo sie herkommen. Außerdem schmecken sie besser. Und viele Fleischer-Kunden fragen nach, wo die Eier herkommen, die wir verarbeiten.“

Jana Hülsebus (27): „Mein Mann kauft unsere Eier beim Bauern, auch schon vor dem Eier-Skandal. Die Eier vom Bauern sind nämlich geschmacklich wesentlich besser als die aus dem Supermarkt.“

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