Blumenthal Eigenes Nutzungskonzept der Bremer Woll-Kämmerei

Blumenthal. Die Bremer Woll-Kämmerei AG drängt darauf, dass ihre Vorstellungen zur künftigen Nutzung des Geländes stärker zur Geltung kommen. Ein entsprechendes Konzept liegt dem Bauressort offenbar bereits seit Oktober 2009 vor.
17.04.2010, 06:00
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Eigenes Nutzungskonzept der Bremer Woll-Kämmerei
Von Jürgen Theiner

Blumenthal. Die Bremer Woll-Kämmerei AG drängt darauf, dass ihre Vorstellungen zur künftigen Nutzung des Geländes stärker zur Geltung kommen. Ein entsprechendes Konzept liegt dem Bauressort offenbar bereits seit Oktober 2009 vor, wurde mit Rücksicht auf den kürzlich gestarteten 'städtebaulichen Dialog' aber offenbar zurückgehalten.

Wie berichtet, brüten seit Mitte März namhafte Stadtplaner aus dem In- und Ausland sowie Behördenvertreter und Grundeigentümer über einem 'Masterplan' für die Entwicklung des zwischen Weser und altem Blumenthaler Ortskern gelegenen Areals. Das Bauressort hatte im Vorfeld die Ziele des Dialogverfahrens in einer Projektbeschreibung formuliert. Die zentrale Botschaft: Das Industriezeitalter auf dem BWK-Gelände ist beendet, die Zukunft wird geprägt von einer Mischung aus emissionsarmem Gewerbe sowie Dienstleistungs- und kulturellen Angeboten.

Die BWK, der mit rund 140000 Quadratmetern noch rund die Hälfte des Areals gehört, hat sich als Teilnehmerin des 'städtebaulichen Dialogs' bisher offenbar eher widerstrebend zwischen diesen planerischen Leitplanken bewegt. Sie will ihr Land verkaufen und für mögliche Interessenten die gewerblich-industriellen Nutzungsoptionen offen halten. Diese Absicht spricht aus dem Konzept, das der Architekt Gunnar Neimke im Auftrag der BWK erarbeitet hat und das im Herbst 2009 mit Senatsbaudirektor Franz-Josef Höing erörtert wurde.

Es zielt auf eine großmaßstäbliche gewerbliche Zukunft der Flächen ab, insbesondere im Bereich der Logistikwirtschaft. Zentrale Elemente des Konzepts sind die Öffnung der heutigen Werksstraße für den allgemeinen Verkehr, der Abriss einzelner Speichergebäude und vor allem die Reaktivierung der Kaje für den Umschlag von Transportgütern auf Binnenschiffe. Das ist auch die Stoßrichtung der Maklerfirma Robert C. Spies, die das Gelände im Auftrag der BWK vermarktet.

'Beim Umschlag von Seetransportgütern auf Binnenschiffe hat es in Bremerhaven in der Vergangenheit ganz klare Engpässe gegeben. Das wäre eine Chance für Blumenthal', glaubt Matthias Boelsen, der bei Robert C. Spies den Bereich Industrie und Logistik verantwortet. Auch für Unternehmen der Windkraftbranche wäre das BWK-Gelände nach seiner Auffassung gut geeignet. Für ihn steht fest: 'Auf diesem Areal könnten viele, viele industrielle Arbeitsplätze entstehen, und die müssten nicht mit Dreck und Gestank verbunden sein.'

Was man bei Boelsen und besonders bei Neimke heraushört, ist eine gewisse Verwunderung über die Stoßrichtung des 'städtebaulichen Dialogs'. Neimke sieht die Eigentümerinteressen der BWK unzureichend berücksichtigt. Unglücklich sei in diesem Zusammenhang auch das Verhalten von Senatsbaudirektor Höing gewesen. Der habe die BWK im Herbst 2009 gebeten, ihre Pläne noch ein Weilchen für sich zu behalten, damit der 'städtebauliche Dialog' nicht im Vorfeld belastet werde. 'Das kam dann in der Öffentlichkeit so rüber, als habe die BWK kein Konzept habe', ärgert sich Neimke. Höing war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Für die nächsten Dialog-Runden kündigt Gunnar Neimke ein offensiveres Auftreten der Bremer Woll-Kämmerei an. Brieflich hat er Moderator Michael Frenz schon mal gebeten, 'sich darauf einzustellen, dass die BWK zum nächstmöglichen Termin als Grundstückseigentümer Ihre Interessen aufzeigt'.

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