Kaufhaus soll nach Brand abgerissen werden

Eigentümer und Stadt streiten über Harms-Fassade

Um die Brandruine von „Harms am Wall“ gibt es Streit: Die Baubehörde will die mehr als 100 Jahre alte Fassade erhalten, der Eigentümer hingegen abreißen.
18.05.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Eigentümer und Stadt streiten über Harms-Fassade
Von Jürgen Hinrichs
Eigentümer und Stadt streiten über Harms-Fassade

Die Baubehörde möchte Teile der Fassade von Harms am Wall erhalten.

Frank Thomas Koch

Um die Brandruine von „Harms am Wall“ gibt es Streit: Die Baubehörde will die mehr als 100 Jahre alte Fassade erhalten, der Eigentümer hingegen abreißen. Noch ist also nicht klar, wie der Abriss vonstatten geht.

Wie weiter mit „Harms am Wall“, der Brandruine mitten in der Stadt? Der Eigentümer und die Baubehörde sind da offenbar unterschiedlicher Ansicht. Es könnte sich ein Streit anbahnen, mit der Folge, dass es möglicherweise noch länger dauert als ohnehin schon, bis die drei Häuser, in denen das Traditionsgeschäft bis zur Brandnacht Anfang Mai vergangenen Jahres untergebracht war, wieder aufgebaut werden.

„Wir wollen, dass die Fassade nicht abgerissen, sondern demontiert wird, damit sie in Teilen in die Neubauten integriert werden kann“, sagt Jens Tittmann, Sprecher der Baubehörde. Für den Eigentümer ist das eine überraschende Information.

„Darüber haben wir nie gesprochen“, betont Marco Bremermann. Der Immobilienkaufmann und Projektentwickler hält es für ausgeschlossen, dass ein Teil der Fassade gerettet werden kann. „Feuer und Löschwasser haben den Sandstein kaputt gemacht. Der wird zerfallen, wenn wir da rangehen.“

Kosten für Neubau: „Sportlich zweistelliger“ Millionenbetrag

Vorstellen kann sich Bremermann allenfalls, die Formsprache der mehr als 100 Jahre alten Fassade zu zitieren. „Wir wollen uns mit den Neubauten ohnehin an der historischen Situation am Wall orientieren.“ Wann es so weit sein könnte nach immerhin bereits einem Jahr seit dem Großfeuer – der Unternehmer hofft auf den Spätsommer. „Das könnte ich mir vorstellen.“

Immer noch gebe es aber kein Gesamtkonzept der beteiligten Versicherungen. Auch seien noch nicht alle Gutachten abgeschlossen. Die Kosten kalkuliert Bremermann mit einem „sportlich zweistelligen“ Millionenbetrag.

Bevor mit dem Bau begonnen werden kann, muss freilich einen Einigung über die Fassade her. „Die Häuser sind zwar kein Denkmal, sie stehen aber unter Ensembleschutz“, erklärt Behördensprecher Tittmann. Die Fassaden komplett zu erhalten, sei für den Eigentümer wirtschaftlich nicht zumutbar. Sie zu demontieren und einige Elemente neu einzubauen, müsse aber schon sein. „Wir denken an 30 Prozent, was zunächst mal nur ein Richtwert ist, über den noch gesprochen werden kann.“ Absicht sei, die frühere Ansicht zu visualisieren, zum Beispiel mit den alten haushohen Säulen. „Da streiten wir aber noch.“

Eulenbruch droht Haftstrafe von mindestens fünf Jahren

Weil nicht klar sei, wie der Abriss vonstatten geht, könne seine Behörde noch nicht sagen, was die Arbeiten für den Wall bedeuten. Muss nur der Gehweg gesperrt oder auch eine der beiden Fahrbahnen? Dass die Straße komplett dicht gemacht wird, wie es nach dem Brand war, hält Tittmann für unwahrscheinlich: „Davon ist nicht auszugehen.“ Sollte es für die Monate während des Abrisses nur eine Fahrbahn geben, müsste mit den Anliegern noch eine Einigung erzielt werden, in welche Richtung die Einbahnstraßenregelung gilt. „Die Kaufleute haben ihre Interessen, wir sind gesprächsbereit“, so Tittmann. Klar sei aber, dass der Verkehrsfluss in der Innenstadt Priorität habe.

Das Feuer bei Harms am Wall ist neben allen Konsequenzen für den Einkaufsstandort auch ein Kriminalfall. Hans Eulenbruch, Inhaber des ehemaligen Traditionskaufhauses, sitzt seit Dezember vergangenen Jahres in Untersuchungshaft. Er soll zusammen mit einem Komplizen, der damals ebenfalls verhaftet wurde, die Gebäude in Brand gesteckt haben. Die Staatsanwaltschaft hat Anfang April Anklage gegen die beiden Männer erhoben. Ihr Motiv soll sein, an das Geld der Versicherungen zu kommen. Nicht für die Häuser, die gehören Bremermann, wohl aber für die vernichtete Ware darin. Sollten Eulenbruch und sein Komplize verurteilt werden, droht ihnen eine Haftstrafe von mindestens fünf Jahren. Wann das Gerichtsverfahren eröffnet wird, ist noch ungewiss.

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