Wie in der Villa Sponte beim fünften Ostersteinfestival Geburtstag der eInrichtung gefeiert wurde

Ein Abend im Zeichen der Kulturmacher

Steintor. Osterdeich 59b – Viele Bremerinnen und Bremer dürften sie kennen, diese Adresse. Hier sitzt inmitten eines großzügigen, wilden Gartens, in dem Skulpturen verteilt sind, wie Butterblumen auf einer Frühlingswiese die Villa Sponte, ein zweigeschossiges Gebäude mit Walmdach.
21.08.2017, 00:00
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Von Martin Ulrich
Ein Abend im Zeichen der Kulturmacher

Melancholischer Folk von Rosy Daze war eines der klanglichen Highlights der fünfjährigen Geburtstagsfeier.

Walter Gerbracht

Steintor. Osterdeich 59b – Viele Bremerinnen und Bremer dürften sie kennen, diese Adresse. Hier sitzt inmitten eines großzügigen, wilden Gartens, in dem Skulpturen verteilt sind, wie Butterblumen auf einer Frühlingswiese die Villa Sponte, ein zweigeschossiges Gebäude mit Walmdach. Verandatüren mit weißen Fensterläden führen auf die Terrasse, die mit einem Zelt vor Regen geschützt ist, denn der Wetterbericht hat Regen angekündigt.

Hinter der Fassade, die mit schmalen dunkelroten Ziegeln verblendet ist, ist Raum für Musik, Kunst und Literatur. Das war nicht immer so. Die Villa Sponte musste erst gegründet werden. Mitinitiiert hat Ida Büssing die Kultureinrichtung. „Als wir damals angefangen haben, haben wir uns gesagt, wir probieren das zwei Jahre lang mit Kultur – dann sehen wir schon, ob sich das rentiert. Also, auf einmal sind schon fünf Jahre rum und es rentiert sich nicht, aber es macht Spaß.“ Und der Spaß ist allen Mitarbeitern und Besuchern ins Gesicht geschrieben. Die Atmosphäre ist familiär. Man kennt sich. Am Buffet mit selbst gebackenen Kuchen und Torten wird viel gelacht. Einmal wegen der Vorfreude auf das leckere Backwerk und andererseits, weil nicht zuletzt auch die Buffet-Kräfte offensichtlich gerne machen, was sie da tun.

An den Wänden hängen die Bilder der aktuellen Ausstellung. Joa Tejeiro Nordet zeigt monochrome Porträts von Menschen verschiedener Hautfarbe. Die interessanten Bilder sind in einem klar charakterisierendem, cartoonhaftem Stil gefertigt.

Eine Frau war gekommen, weil sie am Morgen im Weser-Kurier die Ankündigung gelesen hatte. Das klinge ja interessant, habe sie sich gedacht und die Villa spontan in ihr sonnabendliches Kulturprogramm aufgenommen.

Einer der Besucher erklärt sich zum wandelnden Kunstwerk. Er trägt trotz des regnerischen Wetters einen Strohhut - wohl aus Trotz. Er wolle „darauf hinweisen, dass Sommer ist“ – ein Hinweis, der offenbar gelegen kommt. Ohne ihn hätte man es nicht bemerkt. Die Besucherzahl spricht heute eine andere Sprache: Wegen des schlechten Wetters sind nicht so viele Besucher gekommen, wie die Initiatoren üblicherweise erwartet hätten.

Normalerweise sei es stets sehr voll drinnen und auf der Terrasse, sagt auch Mitinitiator Thomas Feischen, der die Eröffnungsrede hält. „Als wir vor fünf Jahren angefangen haben, haben wir uns in unserem Bekanntenkreis nach Mitmachern umgesehen.“ Inzwischen seien es in der Villa etwa 20 Aktivisten. „Wir haben 30 bis 35 Konzerte im Jahr, sechs bis sieben Ausstellungen, inzwischen auch jede Menge Lesungen.“ Bei den Musikveranstaltungen habe man am Anfang zwanghaft nach Bands gesucht, inzwischen gebe es jede Woche zehn Bewerbungen. „Da fällt dann schon das Aussuchen schwer“, sagt Feischen.

Über der Weser hat sich derweil die Sonne durch die Wolken gearbeitet und taucht Garten und Terrasse in ein warmes, freundliches Licht. Im Garten werden selbstgebaute Fackeln entzündet, was die angenehme Stimmung weiter unterstützt. Drinnen wandert ein Mann in einem knallroten Kunstmalerkittel umher, mit Farbpalette und Pinsel in der Hand. Ein Besucher sagt: „Schau mal, ein Künstler.“ Einige Leute machen sich um den Grill verdient. Das Buffett wird um Salate und Brot erweitert.

Der Sound Check ist naturgemäß recht laut. Einer der Gäste sagt: „Das lässt ja interessante Musik erwarten.“ Der Tontechniker pegelt die einzelnen Schallereignisse drahtlos mittels einer App auf seinem Tablet-PC – sehr modern. Nachdem der Sound-Check erledigt ist, beginnt das Duo Dazy Rose sehr melodische Folk-Musik zu spielen. Sie singen zu Gitarrenklängen mit sehr angenehmen, warmen Stimmen. Später am Abend tritt ein weiteres Duo auf, das Power Duo Hill & Ray. Sie spielen Drum & Guitar Pop und Rock. Beide Formationen klingen sehr professionell. Wenn es draußen dunkel wird, ab 22.30 Uhr legt DJ Manfred Rausch auf, bis keiner mehr tanzen mag.

Das Kulturzentrum Villa Sponte wird von einem Verein getragen, der ohne öffentliche Zuschüsse auskommt und sich über ehrenamtliche Mitarbeiter freut. Der Name des Vereins ist Programm: Spontan, aus eigenem Antrieb, ohne öffentliche Zuschüsse und Einflüsse werden Veranstaltungen geplant und angeboten.

Mitglieder, Freunde und Besucher sind dazu eingeladen, selbst initiativ zu werden, sei es bei der Organisation von Angeboten oder der Unterstützung bei der Durchführung von Veranstaltungen. Der Verein hat das Ziel, eine möglichst große Vielfalt innerhalb der einzelnen kulturellen Sparten zu realisieren.

Info: Die nächste Veranstaltung in der Villa Sponte ist am Freitag, den 18. August 2017 um 20.00 Uhr: Charlotte Joerges Lágrimas spielt Modern Jazz und Spirit. Begleitet wird die Saxophonistin von Felix Eilers (Posaune), Till Schomburg (Bass) und Johannes Metzger (Schlagzeug). Der Eintritt ist frei. Um Spenden wird gebeten.

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