Restaurantbesprechung

Ein Abend in drei Akten

Das Don Carlos hat gute Tropfen auf der Karte, die die herzhafte spanische Küche gut unterstützen. Den Gerichten allerdings fehlt der letzte Clou, damit der Gast mit der Zunge schnalzt.
20.11.2019, 18:50
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Ein Abend in drei Akten
Von Marcel Auermann
Ein Abend in drei Akten

Service-Mitarbeiterin Silvia Rieck kümmert sich zusammen mit ihren Kolleginnen und Kollegen im Restaurant Don Carlos um das Wohl der Gäste.

Kuhaupt

Von außen mutet das Don Carlos im Viertel wie ein kleines, schnuckeliges Lokal an. Als wir an den Tischen entlang gingen und bis in den hinteren Teil blicken konnten, realisierten wir, welche Größe dieses Restaurant besitzt. Dennoch herrschte keine übermäßige Lautstärke, was wir als äußerst angenehm empfanden. Die Einrichtung vermischt üppige Dekoelemente wie rote Samtvorhänge und gemalte Bilder mit roten Samteckbänken und fast schon südländischen, eher schlichten Terrassen-Korbstühlen.

Eine alt und schwer anmutende Bar in dunklem Holz gibt den Blick auf viele Flaschen frei. Von den Decken hängen Kristalllüster. Also vielleicht die perfekte Bühne, um die namensgleiche Oper von Giuseppe Verdi an der einen oder anderen Stelle aufzuführen. Wir erlebten allerdings keinen Abend in fünf, sondern in drei Akten beziehungsweise Gängen.

Lesen Sie auch

Wir nahmen an einem Tisch auf einer Empore mit Brüstung Platz. Das führte jedoch dazu, dass die Kellner immer wieder Getränke oder Essen wie in einem Imbiss darüber hinweg reichten. Das irritierte uns etwas, weil es galanter und freundlicher ist, an den Tisch zu kommen und es schön anzureichen. Generell machte das vor allem weibliche Servicepersonal im Lokal das durch eine zuvorkommende, hilfsbereite Art wieder wett. Sie hatten stets ein Auge auf den Tisch, damit die Getränke nie ausgingen. Ja, sie fragten uns sogar, ob wir zwischen Vorspeise und Hauptgericht eine Pause einlegen möchten.

Akt 1: Aus der gut sortierten Weinkarte wählten wir den Pago de Cirsus (0,2 Liter für 6,90 Euro) aus. Der knackige, trockene und doch elegante Tropfen fügte sich in die doch pikante und würzige spanische Küche. Aus der Speisekarte fiel für den Start die Wahl auf Tapasvariationen. Auf der Plata de tapas variadas „Valencia“ (15,70 Euro) befand sich für uns beide genug: Pescaditos, knusprig frittierte Krebsscheren, eine etwas sehr geschmacksarme Thunfischpaste, marinierte Baby-Sepien, Gambas mit ordentlich Knoblauch. Die schon obligatorische Aioli und eine Chilisoße, die erfrischend die Geschmacksknospen reizte, stellte der Koch in Tapasschälchen auf die Platte. Zum Dippen reichte die Küche etliche Kräuterbrötchen.

Lesen Sie auch

Akt 2: Meine Begleitung entschied sich beim Hauptgang für das Schwertfischfilet an Oliven-Kapernsoße (17,90 Euro) von der Tageskarte, die etwas ideenlos in einem Plastikaufsteller auf dem Tisch stand. Der Fisch besaß ein kräftiges, festes Fleisch, das dennoch nicht zu trocken war. Anders sah es mit dem dazu gelieferten Basmatireis aus, der nahezu pur, geschmacksneutral als Berg auf den Teller gehäuft war.

Mir stachen gleich Pinchos morunos ins Auge. Das gegrillte Lamm nach maurischer Art (17,40 Euro) war butterzart und löste sich ganz einfach von den Spießen. Auch hierzu gab es ein ordentliches Häufchen Reis, der etwas weniger trocken war, weil gestückelte Tomaten untergehoben waren. Zu beiden Gerichten lieferte die Küche noch jeweils ein Schälchen mit gemischtem Salat, der mit genügend Dressing versehen war.

Akt 3: Beide Gerichte hatten eine gute Qualität, brannten nun aber kein Geschmacksfeuerwerk ab. Ähnlich verhielt es sich beim Nachtisch. Mein Flan (3,40 Euro) geriet dem Koch zu fest. Die süße Eiercreme mit Vanille und Karamell war zu glibberig und hatte kaum Schmelz auf der Zunge. Ein deutlich glücklicheres Händchen bewies das Don Carlos bei der Crema Catalana (3,40 Euro) meiner Begleitung, weshalb ich auch am liebsten nicht mehr mit dem Naschen aufgehört hätte. Die Creme zerging sahnig auf der Zunge. Die Zuckerschicht knackte beim Einstechen mit dem Löffel. Herrlich. So muss das sein.

Fazit: Das Don Carlos hat gute Tropfen auf der Karte, die die herzhafte spanische Küche gut unterstützen. Den Gerichten allerdings fehlt der letzte Clou, damit der Gast mit der Zunge schnalzt.

Don Carlos, Ostertorsteinweg 74/75, 28203 Bremen, Telefon: 04 21 / 70 53 56, Öffnungszeiten: täglich ab 16.30 Uhr, Küche von Montag bis Donnerstag und Sonntag von 17 bis 23 Uhr, Freitag und Sonnabend von 17 bis 24 Uhr, teilweise barrierefrei, Internet: www.don-carlos-bremen.de

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+