Red-Bull-Flugtag in Bremen Ein Absturz mit Stil

Ob Bruchlandung oder eleganter Segelflug - beim Red-Bull-Flugtag gehen alle Teams baden. Sehr zur Belustigung der Zuschauer. Die Bremer von "La Maquina Con Carne" haben ihren Absturz gut überstanden.
01.07.2018, 14:35
Lesedauer: 2 Min
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Ein Absturz mit Stil
Von Alice Echtermann

Beim Flugtag bekommt der Begriff "Rampensau" eine völlig neue Bedeutung: 40 Teams aus ganz Deutschland geben am Sonntag auf einer schwimmenden Rampe im Europahafen alles für eine gute Show. In bunten Kostümen tanzen, springen und schauspielern sie zur Musik, bevor sie ihre selbstgebauten Fluggeräte werbewirksam vor Red-Bull-Bannern hinunter ins Wasser stürzten. Und der eine oder andere schafft es dabei tatsächlich, ein paar Meter zu gleiten.

Das Fliegen ist ein bisschen Nebensache beim Flugtag, aber die vier Bremer vom Team "La Maquina Con Carne" sind trotzdem ehrgeizig. Schließlich arbeiten sie alle in der Luftfahrtbranche. Längst nicht mehr wichtig ist die Panne mit ihrem falsch konstruierten linken Flügel (wir berichteten). Jetzt geht es für sie nur noch um ihren Auftritt in wenigen Minuten.

Gleich als zweites Team starten die jungen Ingenieure in den Wettkampf. Marta Garcia Ruiz, Roman Nikitin und der Pilot Amr Fadhel stecken bereits in ihren Kuhkostümen; Pablo Bermudez hat sich eine blutbefleckte Fleischerschürze umgebunden. Aufgeregt albern sie herum, Garcia Ruiz und Nikitin schubsen sich kichernd in ihren aufgeplusterten Anzügen herum. "Ich bin sehr aufgeregt", sagt Amr Fadhel. Er hat die spannendste Aufgabe heute; er wird gleich ins Cockpit steigen. "Ich vertraue meinen Kollegen, dass sie mir ein gescheites Flugzeug gebaut haben." Bermudez grinst: "Wir werden dich da schön runterschubsen."

Dann, um kurz nach 12 Uhr, kommt ihr Augenblick. Gerade hat sich das erste Team des Tages mit einer riesigen Statue der Bremer Stadtmusikanten ins Hafenbecken gestürzt. Esel, Hund, Katze und Hahn fielen wie ein Stein ins Wasser. Jetzt gehen "La Maquina Con Carne" in Stellung. Silbern angesprüht haben sie ihr Fluggerät, das einem fliegenden Fleischwolf ähneln soll, aber schon eine recht professionelle Flugzeugform hat.

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Die Musik startet, und die Gruppe legt los, tanzt die Rampe hinunter wie auf einem Laufsteg, und das Publikum geht mit und klatscht im Takt. Schauspielerisch geben sie eine kleine Geschichte zum Besten. Der Fleischer verfolgt die Kühe, geht mit einem riesigen Messer auf sie los. Doch die Tiere wenden das Blatt: Sie entreißen dem Metzger die Waffe und bringen ihn selbst zur Strecke. Ein bisschen makaber, ein bisschen schräg - alles Teil der Show.

Doch dann wird es ernst. Amr Fadhel klettert in das Flugzeug, das auf einem ungefähr 1,5 Meter hohen Holzpodest mit Rädern ruht. "Er sagt gerade: Scheiße, ist das hoch", kommentiert die Moderatorin ins Mikrofon; Gelächter im Publikum. Ein Raunen geht durch die Reihen, als die drei anderen Teammitglieder das Flugzeug auf dem Podest zur Kante der Rampe schieben. Und dann fliegt sie tatsächlich, "La Maquina Con Carne", zumindest für zwei Sekunden, bevor sie ihren steilen Gleitflug mit der Nase voran im Weserwasser beendet. In letzter Sekunde hechtet Pilot Amr Fadhel aus dem Cockpit, und Bermudez springt ihm unter dem Applaus des Publikum von der Rampe hinterher.

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Boote des Technischen Hilfswerks und der DLRG fischen die Schwimmer und das Flugzeugwrack aus dem Wasser. Alle sind unverletzt und stolz, eine saubere Landung hingelegt zu haben. "Wir sind sogar relativ gerade runtergekommen", freut sich Bermudez. Besonders groß ist die Erleichterung bei Pilot Amr Fadhel. Kurze Zeit später sagt er: "Ich würde sofort nochmal springen."

Ihr Flugzeug ist nicht mehr da, ein Monat Planung und Bau vergangen in wenigen Sekunden. Doch das Team ist nicht traurig. "Es war ja klar, dass wir keine sanfte Landung hinlegen", sagt Pablo Bermudez. "Was gezählt hat, war vor allem der Bau, und die gemeinsamen Abende waren einfach super."

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