Neue Ausstellung im Hafenmuseum soll Besucher zum Nachdenken über ihr Konsumverhalten anregen

Ein anderes Bewusstsein für das Wasser

Industriehäfen. Um ein einziges T-Shirt herzustellen, werden 2000 Liter Wasser verbraucht. Für ein paar Schuhe sogar 8000 Liter. Dinge wie diese lernen Besucher in den neuen Ausstellungen "WasserWissen - die wunderbare Welt des Wassers" und "Wasser verbindet - Bremen mit der Welt", die aktuell im Hafenmuseum im Speicher XI 1 zu sehen sind. Erstere ist eine Wanderausstellung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) und der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA). Die zweite Ausstellung wurde vom Umweltschutzverein "Robin Wood" initiiert.
19.09.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Liane Janz

Industriehäfen. Um ein einziges T-Shirt herzustellen, werden 2000 Liter Wasser verbraucht. Für ein paar Schuhe sogar 8000 Liter. Dinge wie diese lernen Besucher in den neuen Ausstellungen "WasserWissen - die wunderbare Welt des Wassers" und "Wasser verbindet - Bremen mit der Welt", die aktuell im Hafenmuseum im Speicher XI 1 zu sehen sind. Erstere ist eine Wanderausstellung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) und der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA). Die zweite Ausstellung wurde vom Umweltschutzverein "Robin Wood" initiiert.

In der Wanderausstellung "WasserWissen" können die Besucher unter anderem sechs Säulen erkunden, beispielsweise zu den prozentualen Anteile des Weltwassers. Meist geschieht dies durch Raten und Ausprobieren. Wie viel virtuelles Wasser in verschiedenen Produkten steckt, erfährt der Besucher an der Säule zum versteckten Wasser. Mit einem Stift wird ein Produkt, beispielsweise ein Ei oder ein T-Shirt, berührt und mit einem zweiten Stift eine bestimmte Mengenangabe wie zum Beispiel 140 Liter, 37 Liter oder 2000 Liter. Leuchtet die Kontrolllampe auf, hat der Besucher die richtige Paarung gefunden.

"Diese Station soll vor allem dazu anregen, über unser Konsumverhalten nachzudenken. Brauche ich wirklich 20 T-Shirts oder reicht es, wenn ich drei oder vier habe, die ich immer wieder gern anziehe", erklärte Anne Schweisfurth, Museumspädagogin und Geschäftsführerin des Hafenmuseums. Darüber hinaus kann jeder Besucher aber auch seinen eigenen Wasserverbrauch herausfinden. Dazu müssen nur verschiedene Daten, wie zum Beispiel wie häufig man duscht oder sich die Zähne putzt, eingegeben werden.

Experimente für Schulklassen

Dass Süßwassergewinnung aus salzigem Meerwasser aufwendig ist, zeigt eine weitere Säule. Hier müssen Besucher per bloßer Armkraft einen Druck von drei Bar aufbringen, damit der Umwandlungsprozess am Modell beginnt. In Wirklichkeit ist der benötigte Druck sogar zehnmal höher als im Ausstellungsmodell. "Da der größte Teil unseres Planeten aus Salzwasser besteht, ist dieser Wandlungsprozess notwendig, um Trinkwasser zu gewinnen", so Anne Schweisfurth weiter. Zu guter Letzt können sich interessierte Schulklassen für einen Besuch der Ausstellung anmelden. Dann stellt das Museum sechs Experimentiertische auf, an denen die Schüler beispielsweise Hafenwasser auf seine Trinkwasserqualität testen oder einen Wasserfilter selbst bauen können. "Dann merken sie, dass sich feste Bestandteile wie Sand recht gut herausfiltern lassen, gelöste Stoffe, wie beispielsweise Antibiotika aber nicht", fuhr Anne Schweisfurth fort.

Um der Wanderausstellung auch eine bremische Komponente zu verleihen, sind verschiedene historische Bremer Flutkarten zu sehen. Auch die Ausstellung "Wasser verbindet" hat einen starken Bremer Bezug. Der Verein Robin Wood, dessen Hauptgeschäftsstelle sich in der Langemarckstraße in der Neustadt befindet, hat Menschen, die zum großen Teil in anderen Ländern aufgewachsen sind, nach ihrer Beziehung zum Wasser befragt.

Die brasilianische Sängerin Marcia Bittencourt ist eine von ihnen. Ihre Aussagen können auf Schautafeln nachgelesen werden. In Rio de Janeiro aufgewachsen, war Wasser ein fester Bestandteil ihres Lebens, denn es war einfach überall. Zur Vernissage sang sie dann auch brasilianische Lieder über Wasser. "Die Menschen haben ihre Erinnerungen an das Wasser und welche Rolle es in ihrer Heimat gespielt hat, mit nach Bremen gebracht und ihre Augen haben geleuchtet, wenn sie über diese Erinnerungen sprachen", sagt Annegret Reinecke von Robin Wood.

Blicke in Häuser und Kläranlagen

Sie ist gleichzeitig Sprecherin des Wasserforums Bremen, einem Zusammenschluss Bremer Umwelt- und Entwicklungsorganisationen, und hat weitere Aussteller mit ins Boot geholt: Das Bremer Informationszentrum für Menschenrechte und Entwicklung (biz) zeigt eine Animation für den klimabedingten Anstieg des Meeresspiegels. Die Bremer Arbeitsgemeinschaft für Überseeforschung und Entwicklung (borda) hat ein Modell für die Aufbereitung von Abwasser beigesteuert. Die Dächer der Modellhäuser können abgenommen werden, sodass der Besucher einen direkten Einblick in die Prozesse einer Kläranlage bekommt und den Weg des Abwassers von der Toilette bis zum aufbereiteten Endprodukt verfolgen kann.

Und der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) ist mit einer Anlage mit Durchflussbegrenzung an der Ausstellung beteiligt. Dabei können die Besucher an drei Wasserhähnen das System einer Durchflussbegrenzung zum Wassersparen ausprobieren. Begleitend zur Ausstellung hat der Umweltschutzverein Robin Wood mit verschiedenen Partnern ein Programm auf die Beine gestellt, das auf www.hafenmuseum-speicherelf.de nachgeschlagen werden kann.

Die Ausstellung "WasserWissen - die wunderbare Welt des Wassers" ist bis zum 12. Februar, die Ausstellung "Wasser verbindet - Bremen mit der Welt" bis zum 30. Januar im Hafenmuseum im Speicher XI in der Überseestadt zu sehen. Schulklassen können sich unter Telefon 3038279 anmelden.

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