Rundgang durchs Viertel und den Schnoor: Neue Geschäfte haben aufgemacht Ein Arbeitsbier auf die Kartoffelwaffel

Ob kulinarisch, flüssig oder geschnitzt – im Schnoor und im Viertel haben einige Geschäfte und Cafés neu aufgemacht, stark erweitert oder sind an andere Betreiber übergegangen. Ein kurzer Rundgang.
05.01.2015, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Liane Janz

Ob kulinarisch, flüssig oder geschnitzt – im Schnoor und im Viertel haben einige Geschäfte und Cafés neu aufgemacht, stark erweitert oder sind an andere Betreiber übergegangen. Ein kurzer Rundgang.

Geschäftsleute legen selbst Hand an, sei es in der Küche, beim Einrichten oder in einer improvisierten Werkstattecke. Im Schnoor hat sich einer ein Rezept für Kartoffelwaffeln ausgedacht. „Als Gastronom probiert man ja mal Dinge aus“, sagt Silvio Schmidt, der mit seiner Tochter das Waffelhaus am Landherrn-amt 5 leitet. Die Kartoffelwaffeln hätten weniger Fett, würden außen schön knusprig, blieben aber innen saftig, sagt er. Zu den Waffeln gibt es, was die Saison bereithält. Derzeit natürlich unter anderem Grünkohl, im Frühjahr soll es auch Spargel dazu geben. „Es geht nie was zurück“, sagt Köchin Alexandra Gentes.

Der Waffelteig ist eine herzhafte Mischung mit Kräutern. Die genaue Zusammensetzung bleibt das Geheimnis des Erfinders. Alexandra Gentes backt nicht nur die Kartoffelwaffeln, sondern auch original belgische Waffeln. Die werden mit Perlzucker zubereitet, der beim Backen karamellisiert. „Die Waffel mit heißen Kirschen ist der Renner“, erzählt Alexandra Gentes. Auch wenn Waffeln der Schwerpunkt des Waffelhauses sind, gibt es auch Kaffee, Kuchen und Eis. Geöffnet ist dienstags bis sonntags ab 11 Uhr. Nähere Informationen auf www.bremer-waffelhaus.de.

Ein asiatisches Edelholz ist der Lieblingswerkstoff von Maren Bley. Sie verkauft Dekoartikel meist aus Teakholz in ihrem kleinen Laden im Fedelhören 43. Bevor sie mit Steh-Hübsch im Souterrain einziehen konnte, musste einiges gemacht werden, und die Chefin hat gleich noch ihre Ladeneinrichtung selbst gezimmert. Ihre Teakartikel bekomme sie aus kleinen Handwerksbetrieben in Indonesien, erzählt die selbstständige Unternehmensberaterin. Von bestimmten Waren kaufe sie nur ein Stück an. Ihren Kunden möchte sie Unikate anbieten. „Ich habe Teak-Schalen in den Formen, wie der Baum gewachsen ist.“ Die Schalen gibt es entweder lasiert oder in natürlicher Farbe.

Einige Artikel, von der Schale bis zum Beistelltischchen, veredelt Maren Bley selbst noch mit Kreidefarbe und Servietten. „Das ist mein Hobby“, sagt sie. Und mit dem hat sich Maren Bley, die eigentlich in einer Spedition gelernt und anschließend BWL studiert hat, selbstständig gemacht. Ihre Werkstatt hat sie in Stuhr. Von dort verkaufte sie hauptsächlich online. Im Fedelhören hat sie sich eine kleine Werkstattecke eingerichtet und bietet auch ihre eigene Erfindung, die Dog Bar, an. In die Sitzfläche von Kinderstühlchen hat sie Löcher gesägt und Fressnäpfe eingelassen: Gerade für große Hunde ist das angenehmer, als wenn sie einen Buckel machen müssen, sagt sie. Der Laden ist von dienstags bis sonnabends von 12 bis 18 Uhr geöffnet. Nähere Informationen gibt es auf www.wohndeko-bremen.de.

Im Viertel arbeitet sogar das Bier. Craft Beer ist Bier aus kleinen Brauereien – Familien- oder Ein-Mann-Betrieben. Sie sind die Kunsthandwerker unter den Brauern und produzieren einen Hopfensaft, der weder künstlich gefärbt noch gefiltert ist und seine Geschmacksrichtungen allein den verschiedenen Hopfensorten verdankt. Es wird nicht künstlich nachgeholfen. Durch die Hefe arbeitet das Bier noch in der verschlossenen Flasche. Craft-Bier gibt es an mehren Orten im Viertel.

Jakob Humbert hat das Café im Cinema im Ostertor übernommen und seine Heldenbar eingerichtet. Passend zum Namen zieren Porträts von Yoda, Spiderman oder des Bösewichts Joker eine Wand. Derzeit bietet Jakob Humbert Craft-Biere aus Deutschland und Schottland an. Die Biere kosten mehr als industriell produzierte, aber sie kommen gut an, erzählt der Chef. „Das ist mehr wie: Man trinkt einen guten Wein.“ Er hat ein paar ungewöhnliche Longdrinks kreiert, wie Haselnuss-Schnaps mit Limettensaft. Alle zwei Wochen ist mittwochs um 21 Uhr Quiz-Night in der Heldenbar.

Eine besonders große Auswahl an Craft-Bieren hat das Brolters im Steintor. Geführt wird das Bier-Fachgeschäft von zwei alten Viertel-Bekannten. Frank Wolter und seine Frau Janka Bracke-Wolter hatten 15 Jahre lang das KGB am Sielwall, wo sie bereits Craft-Biere verkauften. Der Laden ist, wie berichtet, zu, den KGB-Getränke-Lieferservice gibt es nach wie vor. Aus aller Welt bekommt das Paar seine Biere für das Brolters – insgesamt 160 Sorten. „Die Engländer sind gerade richtig gut gegangen“, sagt Frank Wolter. Das Regal, in dem eigentlich die englischen Biere stehen, ist nur noch spärlich gefüllt. Frank Wolter selbst brennt für das Bier des Weltmeister-Biersommeliers und Kreativ-Brauers Oliver Wesseloh. Das sei noch eine Besonderheit bei den Craft- Bieren, sagt er: Die Ladenbesitzer kennen viele Brauer persönlich.

Ins Brolters vor dem Steintor 140 laden sie regelmäßig zu Bierverkostungen, sogenannten Tastings, ein. Dann lernen die Teilnehmer, dass Bier sowohl was die Promille als auch den Preis angeht, in Einzelfällen durchaus zweistellig sein kann und dass es spezielle Bierschwenker und die richtige, nicht zu niedrige Temperatur braucht, damit sich Gerüche und Geschmacksrichtungen entfalten. „Bier kann mehr als Wein“, ist die Überzeugung von Frank Wolter. Viel mache der Hopfen aus. „Es gibt unzählige Hopfensorten mittlerweile“, sagt Janka Bracke-Wolter. Die Termine der Verkostung werden auf einer Tafel im Laden bekannt gegeben. Das Brolters ist von montags bis freitags von 11 bis 20 Uhr und sonnabends von 10 bis 16 Uhr geöffnet.

Wer sich eine gute Grundlage schaffen möchte, kann das unter anderem im Angolino tun. Die Betreiber des Eck-Cafés an der Linienstraße und Vor dem Steintor haben im Laden nebenan eine Trattoria eingerichtet. Dort steht der Koch Danilo Villanti aus Palermo am Herd und bereitet sizilianische Gerichte nach Mamas Rezepten zu. Berkan Dozcan, der das Angolino gemeinsam mit seiner Frau Corina Rotaru leitet, schwärmt vom Seeteufel mit Pistazienkruste oder den geschmorten Auberginen. Bevor die Trattoria aufmachen konnte, sind die Räume acht Monate lang umgebaut worden. Neue Farbe war nötig, eine neue Einrichtung musste her. „Das ist alles Marke Eigenbau“, sagt Berkan Dozcan.

99 Prozent der Weine, die zum Essen serviert werden, kommen aus Sizilien, wie der Chef versichert. „Wir haben einen ganz anderen Bezug zu unseren Weinen, weil wir direkt vor Ort kaufen.“ Im Sommer soll es auch Eis geben. Das weckt Erinnerungen: In den Räumen des Angolino befand sich früher eine beliebte Eisdiele in Familienbetrieb – das „Venezia“, das vor einigen Jahren an die Schnoortreppe umgezogen ist.

Die Trattoria Angolino ist regulär ab 18 Uhr offen. Sonntag ist Ruhetag. An Wochenenden empfiehlt sich eine Reservierung unter 3 64 90 17. Nähere Informationen auf www.angolino-bremen.de.

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