Bremen macht Helden: 100 000 Euro Fördermittel für 90 Projekte aus Sport, Kultur und Forschung Ein Baby von der Sparkasse

Bremen. Jana überlegt nicht lange. Sie blickt auf ihre Füße, die in dünnen Ballettschuhen stecken, dann hoch zum Publikum, und schon klettert sie mit Schwung über den Rücken ihrer Teamkollegin.
18.03.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Tobias Meyer

Jana überlegt nicht lange. Sie blickt auf ihre Füße, die in dünnen Ballettschuhen stecken, dann hoch zum Publikum, und schon klettert sie mit Schwung über den Rücken ihrer Teamkollegin. Bis an die Spitze der menschlichen Pyramide, an der die 13-Jährige sich auf den Schultern abstützt und schwebend einen Handstand macht. Ein paar Sekunden suchen ihre Füße Halt in der Luft, dann sinkt sie zur Seite und landet wieder sicher auf dem Boden. Applaus.

Jana ist Teil des Zirkus Bambolino der Waldorfschule Osterholz. Dort fahren sie und die anderen Mädchen, die jetzt schnell atmend, aber freudestrahlend neben ihr stehen, Einrad. Mit einem Einrad sind sie auch hierhergekommen, in den vierten Stock des Finanzcenters der Sparkasse Bremen am Brill. Dort werden an diesem Dienstagmittag die Projekte gefeiert, die beim Ideenwettbewerb „Bremen macht Helden“ eine Förderung erhalten.

174 waren es für die aktuelle Förderperiode – ein Rekord, sagt Thomas Fürst: „Wir sind stolz, dass wir 90 von ihnen mit kleineren und größeren Summen unterstützen können“, so der Vorstand der Bank. 100 000 Euro stellt die Sparkasse seit 2010 jedes Jahr in einem Sonderfonds zur Förderung von Kinder- und Jugendprojekten zur Verfügung. „Wenn ich dann mitbekomme, wie die Menschen sich für diese Stadt engagieren, und was sie dadurch bewegen – dann bekomme ich Gänsehaut“, sagt Fürst. Die Sparkasse wolle ihren Teil dazu beitragen, indem sie Zuschüsse spendet.

Oder eben ein Baby. Das hat die Bank dem Schulzentrum Neustadt ermöglicht, indem sie das Projekt „Babybedenkzeit“ mit 1500 Euro bezuschusst hat. Max heißt es und liegt in den Armen der 14-jährigen Lajana. Es ist ganz ruhig, schreit nicht, weint nicht. Atmet nicht einmal. Max ist eine Computer-Puppe, die sich fast wie ein echtes Baby verhält. Lajana, Zemrije und Zyure waren die ersten Jugendlichen, die sich eine „Babybedenkzeit“ genommen haben. „Das war echt nervenaufreibend“, sagt die Zemrije. Als sie das Kind „bekam“, musste die 16-Jährige weinen – so echt fühlte sich das Mutterglück für sie an. Doch dann heulte vor allem das Kind, auch nachts. Eine Woche lang mussten die drei sich um die Babys kümmern. Und lernten, dass sie auf jeden Fall ein echtes Kind wollen. „Aber nicht jetzt“, sagt Zemrije lächelnd.

Projekte, die Orientierung geben, Spaß machen oder einen pädagogischen Ansatz verfolgen: von ihnen finden sich Dutzende in der Förderliste der Sparkasse. Der Kulturladen Huchting erhält knapp 1400 Euro für seine Lehmwerkstatt im Übergangswohnheim Wardamm, in der Schüler mit Flüchtlingen zusammen arbeiten können. Der Fachbereich Informatik der Universität bekommt 2000 Euro für seine Aktion „Computer Design 4 Teens“, bei der Jugendlichen der Bau von PCs erklärt wird. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Forschungs-, Natur-, Tanz-, Musik-, Sport- und Theaterinitiativen, die eine Förderung bekommen.

Eine neunköpfige Jury teilt die insgesamt 100 000 Euro zu. Susanne Gerlach, Geschäftsführerin der Böttcherstraße, saß zum ersten Mal im Entscheidungsgremium. „Ich bin begeistert von der Vielfalt und der Kreativität der Bewerbungen“, sagt sie. „Aber es ist auch schwer, die Entscheidungen zu treffen.“ Klaus Peter vom Landessportbund Bremen ist schon häufiger dabei gewesen und hat einen Kritikpunkt: „Ich vermisse ein wenig die innovativen Projekte im Sportbereich.“

Sportlich innovativ sind die Mitglieder beim Zirkus Bambolino in jedem Fall: Jana und die anderen Mädchen wollen im Sommer auch wieder mehr draußen jonglieren und Einrad fahren, auf Stadtfesten zum Beispiel. Deswegen erhalten sie 500 Euro für eine große Manegen-Plane. Heute, bei der Feierstunde, sind sie mehr als nur Artisten. Heute sind sie Helden. So steht es zumindest auf den Urkunden, die ihnen am Ende überreicht werden.

Der Bewerbungszeitraum für die nächste Förderperiode von „Bremen macht Helden“ beginnt im August. Infos im Internet unter www.bremen-macht-helden.de.

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