Interview mit Stiftungsgründern

„Ein Denkmal wollten wir gar nicht“

Ingrid und Rolf Möhlenbrock wollten ihrer Geburtsstadt Bremen etwas zurückgeben - sie riefen eine neue Stiftung ins Leben, die insbesondere Bildung fördern soll.
09.01.2018, 19:22
Lesedauer: 4 Min
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Von Thomas Walbröhl
„Ein Denkmal wollten wir gar nicht“

Ingrid und Rolf Möhlenbrock wollten ihrer Geburtsstadt Bremen etwas zurückgeben und gründeten eine Stiftung.

Christina Kuhaupt

Herr Möhlenbrock, wozu braucht es in Bremen noch eine weitere Stiftung?

Rolf Möhlenbrock: Es gibt in der Tat in Bremen sehr viele Stiftungen, mehr als 300. Bremen ist eine im Bundesvergleich sehr stiftungsfreudige Stadt mit vielen traditionsrei­chen Stiftungen. Denken Sie zum Beispiel an das St.-Remberti-Stift und die Stiftung Haus Seefahrt, die es seit vielen Jahrhunderten in Bremen gibt. Heute sind Stiftungen aktuell wie eh und je, es gibt in Bremen einen großen, vielfältigen Unterstützungsbedarf, insofern kann jede zusätzliche Stiftung dazu einen Beitrag leisten.

Und das funktioniert nur mit einer eigenen Stiftung und nicht zum Beispiel mit einer größeren Spende?

Ingrid Möhlenbrock: Natürlich lassen sich auch durch größere Einzelspenden gute Wirkungen erreichen. Wir wollen nachhaltig, über einen längeren Zeitraum etwas bewirken und haben uns für eine besondere Form einer Stiftung entschieden. Man braucht übri­gens keine Riesensummen, über die wir auch gar nicht verfügen, um hier und da etwas Sinnvolles zu bewirken.

Wieso eine besondere Stiftungsform? Stiftungen arbeiten doch mit den Zinsen, die derzeit, gelinde gesagt, mies sind.

Rolf Möhlenbrock: Das ist richtig. Herkömmliche Stiftungen bürgerlichen Rechts haben da gegenwärtig tatsächlich ein Problem wegen der sehr niedrigen Zinsen. Daher haben wir uns nach Beratung mit dem Notar der Bürger­stiftung Bremen für eine sogenannte Verbrauchsstiftung entschieden. Da wird jedes Jahr ein Teil des eingebrachten Kapitals ausgeschüttet, solange, bis das Kapital auf­gezehrt ist und die Stiftung dann aufgegeben wird, frühestens nach 10 Jahren.

Stiftungen sind ja eigentlich etwas Bleibendes und haben kein Ablaufdatum. Fiel es Ihnen schwer, auf ein solches ‚Denkmal‘ zu verzichten?

Rolf Möhlenbrock: Na, hören Sie mal. Ein Denkmal, das wollten wir schon mal gar nicht. Unsere kleine Stiftung ist entstanden aus dem Motiv heraus, unserer Geburtsstadt Bremen etwas zurück­zugeben. Es ist uns in Bremen beruflich und privat gut gegangen.

Welche Stiftungszwecke verfolgen Sie denn im Einzelnen?

Ingrid Möhlenbrock: Sehen Sie, wir kommen beide aus dem Bildungsbereich, haben dort in unterschiedli­chen Aufgabenfeldern und Funktionen langjährig gearbeitet. Wir haben gute Einblicke be­kommen, an welchen Stellen Hilfe und Unterstützung benötigt werden, zum Beispiel für viele Jugendlichen beim Übergang von der Schule in den Beruf. Aber auch für in­nerschulische Schulprojekte, die zum Teil nur mit zusätzlichen finanziellen Mitteln Dritter realisiert werden können.

Und wo noch?

Ingrid Möhlenbrock: Ich spende auch schon länger für eine Umweltschutzorganisation, und das möchten wir im Rahmen unserer Stiftung auch weiterhin tun. Wir haben deshalb den Stiftungszweck nicht allein auf Bildungs- und insbesondere Berufsbildungsprojekte bezogen. Gefördert wer­den können auch Aktivitäten zum Umwelt- und Naturschutz. Und im Einzelfall ist es auch vorgesehen, Menschen in Notlagen zu unterstützen.

Ingrid und Rolf Möhlenbrock unterstützen den Schulverein Ronzelenstraße mit zwei Ergometern für den Unterrichtseinsatz.

Ingrid und Rolf Möhlenbrock unterstützen den Schulverein Ronzelenstraße mit zwei Ergometern für den Unterrichtseinsatz.

Foto: Michael Bley

Ihre Stiftung ist noch nicht einmal ein Jahr alt. Was konnten Sie in der bisherigen Zeit erreichen?

Rolf Möhlenbrock: Bislang konnten wir vier schulische Projekte unterstützen, zum Beispiel die Beschaffung von zwei Ergometern für den Unterrichtseinsatz an der Oberschule Ronzelenstraße sowie die Mit­finanzierung von Musikinstrumenten für die Oberschule an der Kurt-Schumacher-Allee und die Beschaffung von Arbeitsanzügen für ein Projekt „Instandhaltungswerkstatt“ der Gesamtschule Ost. Wichtig ist übrigens, dass wir stets von den Schulen auch einen finanziellen Eigenanteil er­warten. Es mag überraschend klingen, aber wir suchen derzeit noch weitere gute Schulprojekte, die Geld brauchen.

In der Praxis müssen solche Mittel beantragt werden. Ist das nicht ein Aufwand, der vor allem bei kleineren Summen schon von den Personalkosten her nicht lohnt?

Rolf Möhlenbrock: Es gibt für die Förderung natürlich formale Regeln und Zuwendungskriterien. Aber wir versuchen, es so unbürokratisch wie möglich zu halten. Da reicht eine Projektbeschrei­bung auf einer DIN-A4-Seite. Im Übrigen gilt, dass wir Personalkosten für schulische Pro­jekte nicht fördern.

Nach einem erfüllten Arbeitsleben gönnen sich andere Urlaubsreisen oder kümmern sich um Haus und Garten. Wieso verbringen Sie dann Ihre Zeit mit der Stiftung?

Rolf Möhlenbrock (lacht): Wer sagt denn, dass wir nicht reisen? Da wir eine Treuhandstiftung unter dem Dach der Bürgerstiftung Bremen sind, lässt sich der Verwaltungsaufwand klein hal­ten. Im Stiftungsrat können wir uns auf die inhaltliche Bewertung von Förderanträgen konzentrieren und die Zuwendungsmittel dafür festlegen. Natürlich bestimmen wir im Rahmen unserer Stiftungssatzung auch über die jeweiligen ­Förderschwerpunkte, die wechseln können. Insgesamt ist der Arbeitsaufwand überschaubar.

Haben Sie bereits Ideen für neue Förderschwerpunkte?

Ingrid Möhlenbrock: Ich würde gerne stärker schulische Projekte zum Umwelt- und Naturschutz in Förde­rungen einbeziehen. Mein Mann findet die Idee eines Bremer Berufsschulpreises sehr spannend. Er führt dazu gegenwärtig erste Gespräche, ob und wie sich diese Idee sinnvoll umsetzen lässt.

Rolf Möhlenbrock: Ich sagte bereits, dass wir eine kleine Stiftung sind. Für größere Projekte und Initiati­ven reichen die finanziellen Möglichkeiten unserer Stiftung bei Weitem nicht aus. Da sich viele Bremer Stiftungen im Bildungsbereich engagieren, sollten Kooperationen angestrebt werden. Ein Stiftungsverbund könnte erheblich mehr bewirken als eine Einzelstiftung.

Die Fragen stellte Thomas Walbröhl.

Zu den Personen:

Ingrid (70) und Rolf Möhlenbrock (72) wohnen in Schwachhausen. Sie haben zwei er­wachsene Töchter. Beide haben nach ihren beruflichen Erstausbildungen in der Industrie später studiert und langjährig im Bildungsbereich gearbeitet, er als Bildungsplaner und Be­rufspädagoge, sie als Sozialpädagogin in der Jugendarbeit. Im April 2017 haben sie sich entschlossen, unter dem Dach der Bürgerstiftung Bremen eine sogenannte Treuhandstiftung als eigene Verbrauchsstiftung zu gründen. Die Ingrid und Rolf Möhlenbrock Stiftung will unter anderem Schulen und Bildung fördern und dabei einen Schwerpunkt in der Berufsbildung setzen.

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